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	<title>Schönschrift &#187; Till Claassen</title>
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	<description>Notizen zur Kultur</description>
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		<title>Mit 18 ist man längst groß &#124; Die Regensburger Kurzfilmwoche</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Mar 2012 22:29:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Festival]]></category>
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		<description><![CDATA[Es ist ein Spagat, den die Regensburger Kurzfilmwoche zu machen scheint: Sie hat sich mit dem internationalen Wettbewerb einen beachtlichen Ruf erarbeitet, der Tausende von Einsendungen und spannende Gäste bringt. Gleichzeitig bezieht sie mit dem Bayern- und dem Regionalfenster lokalen &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/18-regensburger-kurzfilmwoche-2012/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Mit+18+ist+man+l%C3%A4ngst+gro%C3%9F+%7C+Die+Regensburger+Kurzfilmwoche+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2453" title="Regensburger Kurzfilmwoche" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/03/regensburger-kurzfilmwoche-schild.jpg" alt="Kinoschild des Festivals" width="720" height="306" /></p>
<p>Es ist ein Spagat, den die Regensburger Kurzfilmwoche zu machen scheint: Sie hat sich mit dem internationalen Wettbewerb einen beachtlichen Ruf erarbeitet, der Tausende von Einsendungen und spannende Gäste bringt. Gleichzeitig bezieht sie mit dem Bayern- und dem Regionalfenster lokalen Nachwuchs mit ein, der zugegebenermaßen auf einem anderen Niveau agiert, aber nicht minder wichtig genommen wird. Als wären diverse Wettbewerbsprogramme nicht genug, gibt es darüber hinaus jährliche Länder-, Werkschau- und Themenschwerpunkte. Dieses breite Programm wird von einem relativ kleinen Team gestemmt, das aber &#8211; und das macht den Charme des Festivals aus &#8211; von zahlreichen Helfern und allen wichtigen kulturellen Institutionen der Stadt unterstützt wird. Das Festival hat sich eine wichtige Rolle für die Stadt erarbeitet. 2012 ist es nun 18 Jahre alt &#8211; volljährig. Da findet auf der Eröffnung auch ein CSU-Oberbürgermeister ohne Probleme ein paar muntere Worte zum diesjährigen Sonderthema Pornografie (hier: &#8222;Porneaux&#8220;).<br />
<span id="more-2392"></span></p>
<h3>Globale Bewegungen</h3>
<p>Der Internationale Wettbewerb kommt ernsthaft und wichtig daher, mit Programmen, die mit &#8222;Heimatlos&#8220;, &#8222;Außenseiter&#8220; oder &#8222;Mensch und Tier&#8220; überschrieben sind. Die Produktionen, die es auf das Festival geschafft haben, sind oft technisch aufwändig und verhandeln Soziales, international Relevantes. So erzählt <em>El Somriure Amagat</em> (<em>The Hidden Smile</em>) eine Geschichte über Solidarität und Konkurrenz zwischen äthiopischen Straßenkindern. Ein neu hinzugekommener Außenseiter sucht nach einer Schlafstelle, Hilfe und Anerkennung. Der Film beobachtet sehr genau das Oszillieren zwischen kindlichem Spiel und knallhartem Überlebenssinn. Was als Machtspiel und Erpressung beginnt, kann sich durchaus in gemeinsamen Scherzen wieder auflösen. Dass man sich unser westliches Modell einer komfortablen Kindheit erst einmal leisten können muss, mag eine Binsenweisheit sein, der Film zeigt sie dennoch mit einer deutlichen Geschichte. Leider kann es sich das spanische Filmteam nicht verkneifen, die Protagonisten am Ende stumm, ernst und perfekt ausgeleuchtet noch mal für ein Portrait in die Kamera schauen zu lassen &#8211; eine objektifizierende Geste, die der Film zuvor sorgfältig vermieden hat.</p>
<p>Grenzen und Migration sind Teil vieler Geschichten. &#8222;International&#8220; bezeichnet in Regensburg nicht nur den Kreis der teilnehmenden Filmemacher, sondern auch ein Thema. Gleich zwei Filme beschäftigen sich mit mit dem Status des Kosovo, dessen Bürger noch immer nicht ohne Visum innerhalb der EU reisen dürfen. Erden, der Protagonist des Dokumentarfilms <em>Saluti Da Sar Planina</em>, wurde bereits als illegaler Einwanderer wieder aus Italien abgeschoben und schickt nun verzweifelt sarkastische Grüße an die verantwortlichen Polizeibeamten. In <em>The Wedding Tape</em> hingegen arbeitet Fis noch fieberhaft am letzten Beweisstück, das ihm die Aufenthaltserlaubnis in Deutschland bringen soll: dem gefälschten Video seiner Zweckhochzeit mit einer Deutschen.</p>
<h3>Lokale Kuriositäten?</h3>
<p>Wie als Gegenstück erscheint im Deutschen Wettbewerb dazu die Filmreihe Nr. 1 &#8222;Typisch Deutsch&#8220;. Neben eher schlichten Kuriositätenschauen wie <em>13. Deutsche Hirschrufermeisterschaft</em> oder <em>SM Heinzbert</em>, kommt auch politische Kost auf den Tisch. <em>Nazi Goreng</em> packt das Neonazi-Thema leicht und humorvoll an, die überzeugende Mockumentary <em>Vaterlandsliebe</em> bleibt da lieber eiskalt ambivalent und zwingt zum genauen Hinschauen. Die höfliche Kunstfigur Jens ist zwar latent homophob und rassistisch, aber ein Nazi ist er nicht. Die schwarze Haut seiner kenianischen Freundin ist doch Beweis genug. Mit ihr teilt er auch sein tief traditionelles Familienbild, in dem man &#8222;nicht immer alles hinterfragen muss&#8220;, was der Mann von der Frau will. Genau so wenig wie man diese Figur klar und deutlich politisch einsortieren kann, zeigen sich eben auch Sexismus, Rassismus und Homophobie immer deutlich, vielmehr tauchen sie im Alltag oft in kleinen, mehrdeutigen Gesten auf. <em>Vaterlandsliebe</em> lässt sich als Ansporn lesen, genau hinzuschauen und sich nicht auf ein klares Neonazi!-Feindbild zu verlassen.</p>
<p>Einen Überblick über das komplette Angebot der Regensburger Kurzfilmwoche zu bekommen, wäre dank einer klugen und systematischen Programmierung zwar möglich, aber nur mit einer großen Portion Disziplin und Koffein. Aber bereits stichprobenhaft lässt sich sagen: Alle Sektionen sind vielfältig kuratiert und zeigen wichtige aber auch unterhaltsame Highlights. Gelegentliche Enttäuschungen und stark variierende Projektionsqualität sind zu verschmerzen &#8211; und ohnehin normal für ein Kurzfilmfestival.</p>
<p><em><a href="http://kurzfilmwoche.de/">18. Regensburger Kurzfilmwoche</a>. 14.-21. März 2012. Ostentorkino, Filmgalerie, Kunstverein Graz, Kinokneipe in Regensburg</em>.</p>
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		<title>Cherry &#124; Porno, Film und Festivals (62. Berlinale)</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Mar 2012 17:14:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Festival]]></category>
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		<category><![CDATA[transmediale 2k12]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8222;Cherry&#8220; heißt eigentlich Angelina und ist ein braves Hollywood-Mädchen. Sie erträgt stoisch die zerrütteten Verhältnisse zu Hause und macht nur eine kleine Szene als ihr Freund (Nr. 1) sie für eine saftige Provision an einen Kumpel vermittelt, der Nacktfotos von &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/cherry-62-berlinale-fucking-different-xxx-film/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Cherry+%7C+Porno%2C+Film+und+Festivals+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2345" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-2345" title="Cherry" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/cherry-film-berlinale.jpg" alt="Cherry und Rosenkavalier" width="720" height="322" /><p class="wp-caption-text">Foto: Rumpus Films (alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p>&#8222;Cherry&#8220; heißt eigentlich Angelina und ist ein braves Hollywood-Mädchen. Sie erträgt stoisch die zerrütteten Verhältnisse zu Hause und macht nur eine kleine Szene als ihr Freund (Nr. 1) sie für eine saftige Provision an einen Kumpel vermittelt, der Nacktfotos von ihr macht. Bei der ersten sich bietenden Gelegenheit türmt sie nach San Francisco, um endlich ein selbst bestimmtes Leben zu führen. Sie knüpft Kontakte zur Porno-Szene und verdient fortan ihre Brötchen als &#8222;Cherry&#8220; in pornografischen Filmen für eine Internetplattform. Und da hört das Hollywood-Dasein auf. Allen kulturellen Codes entsprechend müsste die schöne Blonde nun mindestens mit Koks vollgepumpt, verprügelt und vergewaltigt werden, bis sie begreift, in welchen Moloch sie geraten ist und sich eines Besseren besinnt. Der lupenreine Retter würde vor den Toren der pornografischen Alptraumfabrik bereits auf sie warten  &#8211; aber das passiert nicht.</p>
<p>Und genau das können einige Kritikerinnen dem Film <a href="http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/datenblatt.php?film_id=20126575">&#8222;Cherry&#8220;</a> von Stephen Elliott, der bei der 62. Berlinale Weltpremiere feierte, nicht verzeihen. <span id="more-2312"></span>Es ist fast rührend, wie die wenigen vorhandenen Kritiken zum Film nach dem Bösen suchen, das der Film scheinbar &#8222;offensichtlich&#8220; ausspart. So <a href="http://blogs.indiewire.com/theplaylist/berlinale-2012-review-however-hard-it-tries-cherry-fails-to-convince-us-that-a-career-in-porn-is-the-best-idea-ever">schreibt Jessica Kiang auf The Playlist</a>:</p>
<blockquote><p>In presenting the porn industry, without shading, as a refuge from addiction and exploitation and a career choice with great opportunities for upward mobility, at some point the film leaves the realm of believable narrative and enters that of propaganda (pornaganda?)</p></blockquote>
<p>In der Tat, die dunkle Seite der Pornoindustrie ist in &#8222;Cherry&#8220; keine interne Angelegenheit. Sie besteht vielmehr im Verhältnis zwischen der Welt der moralisch Überlegenen zum kulturellen Nichtort der Pornografie und allen, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Dass sogar Angelinas alkoholsüchtige Mutter und der koksende Boyfriend (Nr. 2) sich über sie und ihren Job erheben, zeigt die Distanz, die zwischen Sex-Arbeit und dem gesellschaftlich Anerkannten liegt. Stephen Elliott und seine Co-Autorin <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Lorelei_Lee_(pornographic_actress)">Lorelei Lee</a> wissen, wovon sie sprechen, beide sind oder waren selbst als Sex-Arbeiter tätig. Sie erzählen von der Porno-Industrie nicht als ausbeuterischem Moloch, sondern als routiniertem Business, in dem Frauen längst nicht nur vor der Kamera und schon gar nicht nur als hilflose Opfer agieren.</p>
<p>Auf einem anderen großen Berliner Festival, der <a href="http://schönschrift.org/tags/transmediale/">Transmediale</a>, sprach erst kürzlich der Netzaktivist <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jacob_Appelbaum">Jacob Appelbaum</a> im Rahmen des <a href="http://schönschrift.org/artikel/sex-und-arbeit-resource-for-transmedial-culture-transmediale-2k12/">reSource: sex-Programms</a> über seine Arbeit bei der Pornoproduktionsfirma kink.com. (Deren Hauptsitz in San Francisco dient übrigens als Kulisse in &#8222;Cherry&#8220;.) Appelbaum sprach von ziemlich normalen, keineswegs schmuddeligen Arbeitsverhältnissen. Normal allerdings auch im Sinne eines kapitalistischen finanziellen Drucks. Derselbe lastet auf Angelina in &#8222;Cherry&#8220;. Sie braucht Geld und trifft eine Wahl. Dass der Film diese Wahl (und jeden einzelnen damit verbundenen Schritt) beschreibt, ist sein großer Verdienst. Dass Kritikerinnen ihm genau das vorwerfen, zeigt auch ihre eigene Engstirnigkeit. Es zeigt sich aber in erster Linie die unumstößliche Grenze, die das Normale von der Pornografie trennt und auf der unsere (Hollywood-sozialisierte) Kultur basiert.</p>
<p>Auf der Ebene der Bilder überwindet &#8222;Cherry&#8220; diese Grenze selbst nicht. Die  skandalisierten Pornobilder bleiben klar aussortiert, sie werden im Film nicht gezeigt, die Hardcore-Drehs bleiben schön angedeutet. Die Kino-Zuschauer bleiben mit dem, was sie sehen dürfen, deutlich von dem fiktiven Porno-Publikum unterschieden, dem die fiktiven expliziten Aufnahmen vorbehalten sind. Das ist dem Filmmarkt geschuldet, der eine der prominentesten Bühnen für die Trennung zwischen Kunst und Porno ist. Tatsächlich pornografische Bilder hätten es auf die (eigentlich ja als mutig geltende) Berlinale wohl eher nicht geschafft.</p>
<p>Solche Bilder waren während der Berlinale-Woche statt dessen anderswo zu sehen. Parallel zu den Filmfestspielen zeigte das Kino Moviemento, in dem jährlich das <a href="http://schönschrift.org/tags/pornfilmfestival/">Berliner Pornfilmfestival</a> stattfindet, den Film &#8222;Fucking Different XXX&#8220;. Die Vorläufer der Queer-Crossover-Reihe &#8222;Fucking Different New York&#8220; und &#8222;Fucking Different São Paulo&#8220; waren noch im Berlinale Programm gelaufen &#8211; die enthielten aber auch keine explizite Pornografie, auf die sich die XXX-Version nun eingelassen hat. Vielleicht liegt es aber auch nicht an den Bildern allein, sondern an der allgemeinen Einfallslosigkeit des Kompilationsfilms. Die Idee schwule Regisseure lesbische Szenen inszenieren zu lassen (und umgekehrt) mag ihre identitätspolitische Schlagkraft verloren haben, das strenge Konzept wirkt nur mehr schematisch. Da können auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Todd_Verow">Todd Verow</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bruce_LaBruce">Bruce LaBruce</a> mit den bei weitem interessantesten Beiträgen nicht mehr viel reißen.</p>
<p>Im Berliner Festivalfrühjahr hat die Beschäftigung mit Sexualität und ihrer Medialisierung ihren Platz gefunden. Die kulturkonstituierende Unterscheidung zwischen Pornografie und hehrer Kunst ist damit noch nicht überwunden. Die Auseinandersetzung könnte differenzierter sein, auch mutiger, aber im besten Fall ist das ja erst der Anfang. Der Anfang der Revision einer Trennung zwischen Hollywoodheiligen und Huren, zwischen guten Bildern für den roten Teppich und schmutzigem Hinterzimmer-Kino. Den Forderungen der Sex-Arbeiter-Vereinigungen (z.B. <a title="Sex und Arbeit oder: Das Unsichtbare sichtbar machen | reSource for transmedial culture (transmediale 2k12)" href="/artikel/sex-und-arbeit-resource-for-transmedial-culture-transmediale-2k12/">NSWP</a>) käme so ein Aufbruch jedenfalls entgegen.</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-cherry-fucking-different-xxx.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-2347" title="Notizen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/notizen-fucking-different-xxx-thumb1.jpg" alt="Handschriftliche Notizen, Ausschnitt" width="275" height="275" /></a> <a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-cherry-fucking-different-xxx.pdf">Notizen zu diesem Artikel als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Cherry+%7C+Porno%2C+Film+und+Festivals+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>The Convoy &#124; Mission in Moskau (62. Berlinale)</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Feb 2012 07:05:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Festival]]></category>
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		<category><![CDATA[Alexey Mizgirev]]></category>
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		<description><![CDATA[Weil er sich in einer Schlägerei viel zu rabiat verhalten hat, wird Ignat, Hauptmann bei der russischen Armee, auf eine Strafmission geschickt: Er soll zwei Deserteure zurückholen, die Geld aus der Kaserne gestohlen haben und damit auf dem Weg Richtung &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/the-convoy-film-berlinale/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=The+Convoy+%7C+Mission+in+Moskau+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2295" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-2295" title="The Convoy" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/the-convoy-film-berlinale.jpg" alt="Ignat und Artyom" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Foto: Anna Khushvakhtova (alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p>Weil er sich in einer Schlägerei viel zu rabiat verhalten hat, wird Ignat, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dienstgrade_der_Russischen_Streitkr%C3%A4fte#Landstreitkr.C3.A4fte">Hauptmann</a> bei der russischen Armee, auf eine Strafmission geschickt: Er soll zwei Deserteure zurückholen, die Geld aus der Kaserne gestohlen haben und damit auf dem Weg Richtung Moskau sind. Ignat wird als geheimnisvoller Charakter etabliert: Er ruft nach einer unsichtbaren &#8222;Tanya&#8220;, hat Migräne und fällt manchmal einfach um. Der Film <em>The Convoy</em> (dt.<em> Die Überführung</em>) im Panorama der Berlinale verspricht ein raues Roadmovie zu werden. <span id="more-2294"></span></p>
<p>Der <a href="http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/datenblatt.php?film_id=20123849">Katalogtext</a> feiert ihn als &#8222;Bitter, dunkel, kalt, blutig, dreckig, erbarmungslos und ohne Hoffnung auf Erlösung&#8220; mit Armee und Polizei als &#8222;Projektion einer Gesellschaft, deren Basis vom Verhältnis zwischen Macht und Unterwerfung, Dienstalter und Disziplin, physischer Gewalt und hierarchischem Statusdenken bestimmt wird.&#8220;</p>
<p>Die Bilderwelt des Films ist in der Tat düster und kalt und die Geschichte kreist um sich selbst. Einer der Deserteure begeht alsbald Suizid, der andere bildet gemeinsam mit Ignat und dessen Feldwebel von nun an eine lose Reisegesellschaft mit verschiedenen diffusen Interessen. Dass die drei nach einer kurzen Zeit in Moskau wieder in ihrer Kaserne landen ist von Anfang an zu ahnen. Es geht auch nicht um ein klares Ziel. Dass am Ende rein formal die Mission erfüllt ist, bleibt Nebensache.</p>
<p>Vielmehr kreiert Regisseur Alexey Mizgirev in einem Netz aus verschiedenen Machtverhältnissen, Wünschen und Werten einige wenige menschliche Momente. In fast allen Situationen sind die Verhältnisse klar: entweder ist durch die Institutionen die Hierarchie geklärt (&#8222;Die Polizei wird dich als Armeeangehörigen in Ruhe lassen&#8220;) &#8211; oder sie wird durch das Recht des Stärkeren mit Gewalt übergangen. Dem traumatisierten, verschlossenen Ignat stellt der Film Artyom, den zweiten Fahnenflüchtigen, zur Seite. Der junge, ursprünglich freiwillige Soldat versucht konsequent jede komplizierte Situation mit einem Lächeln und einem mittelmäßigen Witz zu retten. Sogar als er blutend am Boden liegt, klammert er sich noch an seinen Humor. Diese Lebenseinstellung repräsentiert im Film &#8211; mäßig originell &#8211; eine Clownsnase.</p>
<p>In einer der wenigen emotionalen Szenen des Films bekommt Ignat von Artyom ebenfalls eine Metapher für seinen Schmerz: einen Stein, den er in einer therapeutischen Geste wegwerfen soll. Er wird ihn bis zum Ende des Film bei sich tragen.</p>
<p>Zwischen den beiden ziellosen Charakteren spannt sich ein Zeitfenster der Zwischenmenschlichkeit auf. Am Ende aber sind weder die Clownsnase noch der Stein eine Antwort. Es dominiert der militärische Apparat.</p>
<p>Für eine direkte Kritik an Lebens- und Machtverhältnissen ist The Convoy zu klug. Wenn überhaupt, werden abstrakte Konzepte von Strafe und Kontrolle untersucht und ihre Willkür herausgestellt. Insgesamt verliert sich der Film aber in seinen überzeichneten Metaphern und den komplexen psychologischen Konzepten seiner Figuren.</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-convoy-berlinale.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-2304" title="Notizen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/notizen-convoy-berlinale-thumb.jpg" alt="Handschriftliche Notizen" width="275" height="275" /></a> <a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-convoy-berlinale.pdf">Notizen zu diesem Artikel als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=The+Convoy+%7C+Mission+in+Moskau+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Empört euch, friedlich! &#124; Tony Gatlifs &#8222;Indignados&#8220; als Panorama-Eröffnungsfilm auf der 62. Berlinale</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Feb 2012 18:30:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Festival]]></category>
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		<category><![CDATA[Stéphane Hessel]]></category>
		<category><![CDATA[Tony Gatlif]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8222;Neues schaffen heißt Widerstand leisten. Widerstand leisten heißt Neues schaffen.&#8220; (Dieses und alle folgenden Zitate: EMPÖRT EUCH! von Stéphane Hessel, Berlin, 2011) &#8222;Die Gründe, sich zu empören, sind heutzutage nicht so klar auszumachen  die Welt ist zu komplex geworden. Wer &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/indignados-berlinale-gatlif-hessel/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Emp%C3%B6rt+euch%2C+friedlich%21+%7C+Tony+Gatlifs+%26%238222%3BIndignados%26%238220%3B+als+Panorama-Er%C3%B6ffnungsfilm+auf+der+62.+Berlinale+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2266" title="Occupy Berlinale" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/indignados-occupy-berlinale.jpg" alt="Zelte neben dem roten Teppich" width="720" height="306" /></p>
<blockquote><p>&#8222;Neues schaffen heißt Widerstand leisten. Widerstand leisten heißt Neues schaffen.&#8220;<br />
<small>(Dieses und alle folgenden Zitate: <em>EMPÖRT EUCH! </em>von Stéphane Hessel, Berlin, 2011)</small></p></blockquote>
<p>&#8222;Die Gründe, sich zu empören, sind heutzutage nicht so klar auszumachen  die Welt ist zu komplex geworden. Wer befiehlt, wer entscheidet?&#8220;(S. 13). Das Jahr 2011 brachte Bewegung in die trägen, unzufriedenen Massen unserer globalisierten, post-demokratischen Welt. <a href="http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/datenblatt.php?film_id=20126540"><em>Indignados</em></a> lässt die Energie des gewaltlosen Widerstands spüren, nimmt Anteil und ruft zur Partizipation am Protest auf. <span id="more-2262"></span> Inspiriert durch die Worte des Mitglieds der französischen Résistance Stéphane Hessel, der mit seinem Pamphlet <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emp%C3%B6rt_euch"><em>Empört euch!</em></a> (<em>Indignez-vous !</em>) eine generationsübergreifende und internationale Protestbewegung inspiriert hat, entschloss sich der Regisseur Tony Gatlif, die Streitschrift in seinem Film weiterleben zu lassen und die Botschaft des gewaltlosen Widerstands gegen soziale Ungerechtigkeit und die Diktatur der Finanzmärkte in die Welt zu tragen.</p>
<p>Zum sehr trocken moderierten, dafür aber umso charmanter übersetzten Gespräch im direkten Anschluss an den Film waren nicht nur der Regisseur und zwei seiner Darstellerinnen anwesend, sondern auch der mittlerweile über 90-jährige Autor des Buches, der mit seiner lebendigen und charismatischen Art beeindruckte und den für ihn bereit gestellten Sessel auf der Bühne keines Blickes würdigte. Selbst überrascht und begeistert vom Erfolg seines Buches und dem Gelingen des Films warnte Hessel jedoch vor übereiltem Enthusiasmus und forderte das Publikum mit erhobenen Händen auf, die Theorie Realität werden zu lassen. Gatlif bedankte sich bei Hessel für die Inspirationsquelle und betonte noch einmal, das Pamphlet des Autors als Ausgangspunkt für sein Skript verwendend, im &#8222;service de la réalité&#8220; zu handeln. Die so entstandene spannende Bildcollage in <em>Indignados</em> ist ein Resultat, das sowohl den Autor des Buches als auch Regisseur selbst sehr zufrieden stellt.</p>
<p>Der Film verbindet verschiedene Arten von Bildern: Mitschnitte von Aktionen der Occupy-Bewegung aus ganz Europa, Medienberichte über den <em>Arabischen Frühling</em>, dokumentarische Beobachtungen und inszenierte Szenen. Die Geschichte der jungen Westafrikanerin Betty, die als illegal Einreisende die traurige Realität der europäischen Flüchtlingspolitik zu spüren bekommt, führt den Zuschauer durch <em>Indignados</em>.</p>
<p>Das ersehnte Ziel Europa verwandelt sich nach der Ankunft in Griechenland schnell in einen Alptraum aus Matratzenlagern, Hunger, Perspektivlosigkeit, Stacheldraht und unwürdiger Behandlung durch Polizisten und Institutionen. Betty: &#8222;Better to be an animal, being a human is illegal here&#8220;. Trotzdem wird die Protagonistin von der Hoffnung angetrieben, dass am Ende alle gut werden wird. L&#8216;Espoire, die Hoffnung –  das ist auch ein starkes Motiv im Manifest Hessels.  Von Griechenland aus gelangt Betty nach Frankreich, wo sie aufgegriffen wird und nach einem kurzem Aufenthalt in einem Käfig-artigen Gefängniskomplex gewaltsam wieder nach Griechenland zurück geschickt wird. Und auch wenn Bettys Geschichte einem Drehbuch entstammt: Hier zeigt sich die Festung Europa, wie sie für viele Flüchtlinge traurige Realität ist. Ein mit Stacheldraht bestückter Zaun trennt die Flüchtlinge von der Fähre, die Touristen von der griechischen Insel zum Festland oder in europäische Nachbarländer bringen soll. Eine paradoxe und monströse Trennung:  Wie gefangene Tiere hinter Gittern beobachten die Gestrandeten das Verladen der schicken Autos und Motorräder auf das gigantische Schiff, das ironischerweise die Aufschrift „superfast.com“ trägt und dann schließlich im Zeitraffer ablegt. Betty gelingt schließlich der Versuch, den Zaun zu überqueren, sie gelangt per Fähre nach Spanien. Dort gerät sie in den zornigen aber fröhlichen Sog der aufgebrachten Protestierenden der <em>Democracia Real Ya</em>-Bewegung, marschiert mit in den pulsierenden Massen, tanzt zu den Trommeln, ruft die Slogans und tankt Energie, um dann schließlich doch wieder alleine auf einer Pappe in der Garage eines verlassenen Touristendorfs Schlaf zu finden.</p>
<p>Immer wieder wird der Zuschauer durch Bettys Augen auf die absurde und traurige Realität der sozialen Ungerechtigkeit gestoßen. Gatlif konfrontiert uns mit Tatsachen, die zwar nicht neu sind, in ihrer Drastik vor Augen geführt jedoch fordern: <em>Empört euch!</em> Es gibt genügend Gründe dafür. Hessel proklamiert zwei große neue Aufgaben an die Menschheit. Zum einen ruft er dazu auf, die immer größere Kluft zwischen Arm und Reich  zu bekämpfen. Zum anderen prangert er die leeren Versprechungen zur Umsetzung der Menschenrechte an und ruft die Gesellschaft auf, diese Rechte für alle einzufordern: &#8222;Noch nie war der Abstand zwischen den Ärmsten und den Reichsten so groß. Noch nie war der Tanz um das goldene Kalb –  Geld, Konkurrenz –  so entfesselt&#8220; (S. 9).</p>
<p>Immer wieder greift Gatlif in die ästhetische Zauberkiste eines Filmemachers. Berührend und verstörend ist z.B. die Passage, in der die Kamera die unzähligen improvisierten Schlafstätten der Flüchtlinge unter Brücken und Vorsprüngen an Bettys Ankunftsort in Griechenland besucht. Eingeblendete Texttafeln informieren den Zuschauer ansonsten kommentarlos über den Bewohner des jeweiligen Lagers und sein Alter: ganze Familien, von Teenagern bis zu 70-Jährigen hausen in erbärmlichen Zelten, Verschlägen oder einfach nur auf Matratzen oder improvisierten Unterlagen aus Pappe. Malerisch hingegen zeigt sich die Szene mit hunderten von Orangen, die fast enthusiastisch hüpfend, immer schneller werdend orientalisch anmutende  Gassen hinunter purzeln, oder das Zitat an die Wiederstandsbewegung im dritten Reich, als ein Regen aus bunten Flugblättern auf eine wütende Flamencotänzerin inmitten Grafitti-besprühter, brachliegender Hochhäuser hinunter segelt. Etwas dick aufgetragen hingegen wirken die vielen fliegenden Bücher und Zeitungen, die metaphorisch aufgeladen durch die Luft schwirren.</p>
<p>Medien spielen eine tragende Rolle in Indignados. Handys tragen die Szenen des Arabischen Frühlings zu den jungen unzufriedenen Bewohnern des südlichen Europas, die sich wiederum über Textnachrichten und Netzwerke wie Facebook versammeln und organisieren, aufbegehren und protestieren.</p>
<p>Wie der Autor ruft auch Gatlif zum unbewaffneten Widerstand auf. &#8222;Mischt euch ein, empört euch! Die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, die Intellektuellen, die ganze Gesellschaft dürfen sich nicht kleinmachen und kleinkriegen lassen von der internationalen Diktatur der Finanzmärkte, die es soweit gebracht hat, Frieden und Demokratie zu gefährden&#8220; (S. 10). Der Film präsentiert eine Menschen-unfreundliche Welt, in der verloren gegangene Individuen nach einem kleinen Platz im System suchen. Doch wie Hessel beruft sich auch Gatlif auf Hoffnung durch Bewegung, die den alarmierenden Zustand des Strebens nach einem Immer-Mehr, nach einem allgegenwärtigen, alles dominierenden materialistischen Maximierungsgedanken, der die Welt in die Krise gestürzt hat, besiegen kann: &#8222;Es ist eine Botschaft der Hoffnung, dass die Gesellschaften unserer Zeit Konflikte durch gegenseitiges Verständnis in wachsamer Geduld werden lösen können – auf der Grundlage unabdingbarer Rechte, deren Verletzung, von welcher Seite auch immer, unsere Empörung auslösen muss&#8220; (S. 19).</p>
<p>Das Mini-Occupy-Camp zu den Seiten des Roten Teppichs vor dem Eingang des Kino International bot einen schönen Kontrast zum gediegenen Berlinale-Glamour.</p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Emp%C3%B6rt+euch%2C+friedlich%21+%7C+Tony+Gatlifs+%26%238222%3BIndignados%26%238220%3B+als+Panorama-Er%C3%B6ffnungsfilm+auf+der+62.+Berlinale+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Vermeintliche Glitches und andere Ausrutscher &#124; (transmediale 2k12)</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Feb 2012 10:42:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Festival]]></category>
		<category><![CDATA[Eva Mattes]]></category>
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		<description><![CDATA[in/compatible war das Thema. Auch wenn der Schrägstrich beide Varianten nebeneinander stellt, dominiert doch das Inkompatible und damit als erste Assoziation von uns &#8222;Usern&#8220;: Frust. Frust und Hilflosigkeit im Computeralltag, wie sie von jon.satrom als Einleitung zu seiner Eröffnungsperformance sehr &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/glitches-ausrutscher-transmediale-2k12-dark-drives-ausstellung/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Vermeintliche+Glitches+und+andere+Ausrutscher+%7C+%28transmediale+2k12%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2226" title="LED PH16 /1R1G1B von JODI" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/transmediale-ausstellung-led.jpg" alt="Aufgestellte LED-Panels" width="720" height="306" /></p>
<p>in/compatible war das Thema. Auch wenn der Schrägstrich beide Varianten nebeneinander stellt, dominiert doch das Inkompatible und damit als erste Assoziation von uns &#8222;Usern&#8220;: Frust. Frust und Hilflosigkeit im Computeralltag, wie sie von jon.satrom als Einleitung zu seiner Eröffnungsperformance <a title="Lichter und Oberflächen zur Eröffnung | (transmediale 2k12)" href="/artikel/opening-transmediale-2012-berlin-jon-satrom-joshua-light-show/">sehr treffend inszeniert wurde</a>. Wir alle kennen diese Probleme, so ist die Botschaft, oder wie Kristoffer Gansing danach kommentierte: &#8222;Now we should all feel a little more at home&#8220;. <span id="more-2196"></span></p>
<p>Nein, wir stimmen gerne zu, wenn Kurator Jacob Lillemose zur <a href="/artikel/museale-geisterbahn-transmediale-2k12/#home-title">&#8222;Dark Drives&#8220;-Ausstellung</a> sagt, dass Technologie uns &#8222;nicht einfach nur glatt und vernünftig gemacht&#8220; habe. Es gäbe vielmehr &#8222;Schwierigkeiten und Unsicherheiten&#8220;, aber auch &#8222;aufsässige Fantasien und unbändige Expressivität&#8220;.</p>
<p>Wie also sollen wir mit diesen Spannungen umgehen? Die Fragestellung, aber auch die Unsicherheit steckt in unentschlossenen Schreibweise in/compatible. Sollen wir Distanz herstellen, durch eine Mystifizierung des Technischen? Oder sollen wir es verstehen, uns von der Unsicherheit emanzipieren und die Technik mit einer Art &#8222;Hacktivism&#8220; instrumentalisieren?</p>
<h3><a href="http://www.transmediale.de/content/my-generation">My Generation</a> von Eva und Franco Mattes</h3>
<div id="attachment_2211" class="wp-caption alignright"><a href="https://secure.flickr.com/photos/transmediale/6791582051/in/set-72157628266763645/"><img class="size-thumbnail wp-image-2211" title="My Generation" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/6791582051_4b98788fb5_b-275x183.jpg" alt="" width="275" height="183" /></a><p class="wp-caption-text">© Genz, Lindner, transmediale</p></div>
<p>Wenn Eva und Franco Mattes in ihrer Installation die Videos von Kindern aneinanderreihen, die vor dem Bildschirm vor Wut austicken, deklarieren sie sie als ein fremdes Anderes. Neben den Bildschirm ist noch ein zertrümmerter Computer drapiert. Kaputte Technik, kaputte Menschen. Eine ganze Generation. So fern und fremd, dass die Künstler lediglich ihre Spuren auf der Videoplattform YouTube zusammenklauben konnten. Eva und Franco Mattes reihen sich damit in eine lange Tradition des Technologie-Exotismus ein.</p>
<p>Neben ultimativer Frustration können Fehler in Computern dennoch auch ein kreatives Potenzial bieten, auf die der Ausstellungskatalog mit dem Schlagwort &#8222;Glitch&#8220; referiert. Dieser Begriff (<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Glitch">angeblich vom deutschen &#8222;glitschig&#8220; abgeleitet</a>) bezeichnet einen Ausrutscher, einen kurzzeitig wahrnehmbaren Impuls, verursacht durch einen Fehler in Hardware oder Software. In medialen Umgebungen können derartige Fehler hör- oder sichtbar werden und damit die meist sorgfältig konstruierte Oberfläche oder Illusion zerstören. Solche Glitches als eine &#8222;unruhige Energie&#8220; zu zeigen, zu nutzen, zu zelebrieren scheint eine passende Herangehensweise an das in/compatible-Thema. Es gilt, sich dem Fehler auszuliefern anstatt ihn anzuprangern, oder, wie Lillemose es ausdrückt, den Zustand &#8222;nicht zu überwinden oder zu transzendieren.&#8220;</p>
<h3><a href="http://www.transmediale.de/content/qtzrk">QTzrk</a> von jon.satrom</h3>
<div id="attachment_2219" class="wp-caption alignright"><a href="https://secure.flickr.com/photos/transmediale/6549800855/in/set-72157628266763645"><img class="size-full wp-image-2219" title="QTzerk" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/qtzerk-thumb.jpg" alt="Standbild, Störungen auf einem Bildschirm" width="275" height="157" /></a><p class="wp-caption-text">© jon.satrom</p></div>
<p>QTzrk, im Katalog als &#8222;eine Art Mahlstrom aus Glitches&#8220; bezeichnet, bedient sich auch diverser Störungs- und Rückkopplungseffekte. Aber ein Großteil des (immer wieder identisch geloopten) Videos zeigt keine Fehler, keine Ausrutscher, sondern bewusste Gesten. Wenn das Videobild aus dem Rahmen des Players &#8222;fließt&#8220;, oder Buttons beim Klick von ihrer Leiste &#8222;fallen&#8220; sind das zwar Demontagen einer perfekten Apple-Oberfläche, aber keine Fehler. Aus der hermetischen Oberfläche eines Betriebsystemherstellers wird die neue hermetische Oberfläche eines Künstlers. Diese besteht unbestritten aus kreativen und interessanten Animationen, aber ob diese zu einer neuen &#8222;Sensibilität und Intelligenz&#8220; gegenüber den &#8222;unruhigen Energien&#8220; (Lillemose) anregen?</p>
<h3><a href="http://www.transmediale.de/content/error-502-404-410">Error 502 404 410</a> von Marcelina Wellmer</h3>
<div id="attachment_2220" class="wp-caption alignright"><a href="https://secure.flickr.com/photos/transmediale/6449676027/in/set-72157628266763645"><img class="size-full wp-image-2220" title="Error 502 404 410" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/error-502-404-410-thumb.jpg" alt="Die Installation, drei Festplatten" width="275" height="159" /></a><p class="wp-caption-text">© Marcelina Wellmer</p></div>
<p>Es gibt aber auch eine wundervoll produktive Herangehensweise an technische Probleme: &#8222;Wie klingen Computer-Fehler?&#8220; ist die einfache Fragestellung, mit der Error 502 404 410 präsentiert wird. Drei Festplatten sind an der Wand befestigt, durch eine Plexiglasabdeckung kann man die normalerweise verborgenen Mechanismen von Platten, Lese- und Schreibköpfen sehen. Und winzige Mikrofone übertragen die Geräusche aus dem Inneren. Direkt auf den Magnetplatten sind die drei Geräte beschriftet: &#8222;404 Not Found&#8220;, &#8222;510 Bad Gateway&#8220;, &#8222;410 Gone&#8220;.</p>
<p>Die Aktivität der ansonsten versteckten Festplatten hör- und sichtbar zu machen ist grandios. Die Trägheit, mit der die Arme dieser Speicher mühsam nacheinander die gewünschten Daten ansteuern, wird normalerweise mühsam verborgen. Während viele Computer noch eine Kontrollleuchte besitzen, anhand derer der Nutzer sehen kann, dass der Rechner gerade die langsame Festplatte bemüht, hat Perfektionist Apple diese Leuchte konsequent von seinen Macs verbannt. Die Aktiviät der Festplatte wird geradezu geleugnet.</p>
<p>Warum die Künstlerin die drei Objekte aber willkürlich mit Fehlermeldungen beschriftet, die aus einem völlig anderen Bereich stammen, bleibt unverständlich. 502, 404, 410 sind <a href="http://www.w3.org/Protocols/rfc2616/rfc2616-sec10.html">Statuscodes aus dem Hypertext-Transfer-Protocol</a>, dem berühmten &#8222;http://&#8220;. Mit ihnen antwortet ein Server auf gescheiterte Anfragen nach bestimmten Ressourcen. Diese Anfragen lösen nach verschiedenen Schichten der Weiterleitung, Zwischenspeicherung und Optimierung unter anderem sicherlich auch manchmal Festplattenaktivität aus. Die Antwort, wie <em>diese</em> Fehler klingen, kann die Installation aber nicht geben. Die drei Codes bleiben Dekoration, Mythos, Symbol.</p>
<p>Hinter Technologie steckt ein riesiges (Konflikt-)Potenzial. Sie erzeugt sehr greifbare Spannungen. Rund um die Welt wird um Deutungs- und Markthoheiten gerungen, zuletzt im Bereich Urheberrecht mit dem &#8222;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/SOPA">Stop Online Piracy Act</a>&#8220; in den USA. Wirtschaftseliten und Hackereliten treten gegeneinander an. Wenn die Transmediale zukünftig nur die Schauwerte einer Künstlerelite beizutragen hätte, wäre das schade.</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-tm2k12-dark-drives.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-2243" title="Notizen Dark Drives" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/notizen-tm2k12-dark-drives-thumb.jpg" alt="Handschriftliche Notizen" width="275" height="275" /></a><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-tm2k12-dark-drives.pdf">Notizen zu diesem Text als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Vermeintliche+Glitches+und+andere+Ausrutscher+%7C+%28transmediale+2k12%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Lichter und Oberflächen zur Eröffnung &#124; (transmediale 2k12)</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Feb 2012 17:33:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Festival]]></category>
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		<description><![CDATA[Nachdem aufdringlich goldene Glitzerplakate schon seit Wochen die Straßen zieren und die Geschmäcker entzweien, wurde in Berlin gestern die Transmediale 2012 (etwas kryptischer: 2k12) eröffnet. Zwei bildgewaltige Performances rahmten die Einführung ins Programm des neuen künstlerischen Leiters Kristoffer Gansing und &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/opening-transmediale-2012-berlin-jon-satrom-joshua-light-show/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Lichter+und+Oberfl%C3%A4chen+zur+Er%C3%B6ffnung+%7C+%28transmediale+2k12%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2133" title="Opening - Joshua Light Show - tm2k12" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/opening-joshua-light-show-tm2k12.jpg" alt="Leinwand und Saal bei der Eröffnung" width="720" height="306" /></p>
<p>Nachdem aufdringlich goldene Glitzerplakate schon seit Wochen die Straßen zieren und die Geschmäcker entzweien, wurde in Berlin gestern die Transmediale 2012 (etwas kryptischer: 2k12) eröffnet. Zwei bildgewaltige Performances rahmten die Einführung ins Programm des neuen künstlerischen Leiters Kristoffer Gansing und die üblichen Grußworte. <span id="more-2125"></span></p>
<p>Zunächst schien es ein paar technische Probleme zu geben. Als Gansing, der als künstlerischer Leiter seine erste Transmediale eröffnete, seine Bildschirmpräsentation auf der gigantischen Leinwand im Haus der Kulturen der Welt starten will, wird er zur Eingabe des Benutzerpasswortes aufgefordert. Der zur Hilfe gerufene &#8222;Jon&#8220;, offenbar Besitzer des Präsentationsrechners, kann helfen. Auch als anschließend das OpenOffice-Präsentationsprogramm über ein fehlendes Plugin klagt, klickt Jon sich schnell und sicher durch die nötigen Installationsdialoge. Doch immer mehr Fehlermeldungen erscheinen, immer mehr Fortschrittsbalken beginnen sich langsam zu füllen.  Als die Fehlersounds sich schließlich zu einem Rhythmus formen, kapiert das Publikum langsam: Dies ist der sehr liebevoll inszenierte Beginn der angekündigten Performance von <a href="http://jonsatrom.com/"><em>jon.satrom</em></a>.</p>
<p>In den folgenden ca. zehn Minuten zeigt <em>jon.satrom</em> einen &#8222;Kampf&#8220; mit der Mac OS-Benutzeroberfläche, mit Lizenzen und Plugins. Fenster und Desktops werden jongliert, bekannte Designelemente, die &#8222;Warten&#8220; symbolisieren (<img class="alignnone size-full wp-image-2126" style="vertical-align: baseline;" title="Alle Rechte vorbehalten, Apple Inc. u.a." src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/wait-ui1.gif" alt="" width="16" height="16" />, <img class="alignnone size-full wp-image-2127" style="vertical-align: bottom;" title="Alle Rechte vorbehalten, Apple Inc. u.a." src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/wait-ui2.gif" alt="" width="196" height="20" />, <img class="alignnone size-full wp-image-2128" style="vertical-align: bottom;" title="Alle Rechte vorbehalten, Apple Inc. u.a." src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/wait-ui3.gif" alt="" width="28" height="30" />), werden spielerisch zerlegt. Am Ende, nachdem die perfekte, auf Effizienz getrimmte Apple-Oberfläche bis zur Unkenntlichkeit verzerrt worden ist, ist schließlich das &#8222;fehlende Plugin&#8220; installiert &#8211; und Gansing kann nach einem begeisterten Applaus fortfahren.</p>
<p>Im vergangenen Jahr wurden die Besucher noch <a title="Live und Leben | (transmediale.11)" href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/live-und-leben-transmediale-11/">von einer Kunstfigur namens Angel_F begrüßt</a>, der personifizierten Frage nach künstlicher Intelligenz, dem Körper und seinem Fleisch und Blut. 2012, unter dem Festivalthema <em>in/compatible</em> ist es nun das ganz banale, alltägliche Interface, das uns zur Begrüßung um die Ohren fliegt.</p>

	<!-- Begin Video.js -->
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	</video>
	<!-- End Video.js -->

<p><br/>Nach <em>jon.satroms</em> Auftritt bittet der verspielte Gastgeber Gansing um Eile, weil man durch die &#8222;technischen Probleme&#8220; mit der Präsentation so viel Zeit verloren habe. Bernd Scherer, der Intendant des Hauses, nimmt diese Narration nicht auf, sondern ordnet den Auftritt sicherheitshalber noch ein mal brav als künstlerische Intervention ein. Hortensia Völckers von der Kulturstiftung des Bundes gibt Anekdoten aus dem Bewerbungsverfahren des neuen Transmediale-Leiters zum Besten: Der &#8222;Medienarchäologe&#8220; habe sich stilsicher per Fax beworben (Schmunzeln im Saal) und sei auf Facebook nicht zu finden (vereinzelter Applaus).</p>
<p>Gansing schlägt schließlich einen weiten Bogen, um das Thema <em>in/compatible</em> zu erläutern. So sei die Transmediale vor 25 Jahren als &#8222;VideoFilmFest&#8220; schon aus Gründen der Inkompatibilität gegründet worden, um visuelle Kunst zu zeigen, die bei der Berlinale und anderen etablierten Festivals nicht ins Programm passte. Aktuell ruft er dazu auf, eine Reflexionsfähigkeit über Inkompatibilitäten zu entwickeln. Trotz des allgegenwärtigen Mythos&#8216; der &#8222;Konvergenz&#8220; bringe jede Entwicklung ständig neue Spannungen und neuen Überfluss hervor.</p>
<p><a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/opening-joshua-light-show-tm2k12-2-full.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2135" title="Joshua Light Show" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/opening-joshua-light-show-tm2k12-2-full-445x333.jpg" alt="Leinwand mit zerfließenden Farben" width="445" height="333" /></a>Zum Abschluss ist die <em>Joshua Light Show</em> ein analoger Gegenpol zum digitalen Interfacemassaker: Mit Leuchten, Spiegeln, Flüssigkeiten und weiteren, hinter der Leinwand bedienten Werkzeugen zaubert die Gruppe eine hypnotische Farbwelt. Eine Vorschau auf noch drei weitere Performances, die auch <a href="http://www.transmediale.de/2k12/JLS-stream">live online</a> zu verfolgen sein werden (01.02. 21h, 03.02. 21h und 04.02.2012 21h).</p>
<p><em>Die Transmediale 2k12 läuft noch bis zum 5. Februar 2012, mit der Ausstellung &#8222;<a href="http://www.transmediale.de/festival/exhibition">Dark Drives</a>&#8220;, dem Videoprogramm &#8222;<a href="http://www.transmediale.de/festival/video">Satellite Stories</a>&#8220; sowie &#8222;<a href="http://www.transmediale.de/festival/conference">in/compatible: systems | publics | aesthetics</a>&#8220; (Symposium) und &#8222;<a href="http://www.transmediale.de/festival/performance">The Ghosts in the Machine</a>&#8220; (Performances) im Berliner Haus der Kulturen der Welt.<br />
Wie schon <a href="/tags/transmediale-11/">im vergangenen Jahr</a> werden  wir an dieser Stelle über ausgewählte Arbeiten und Veranstaltungen in Schönschrift berichten.</em></p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-tm2k12-opening.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-2142" title="Notizen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/notizen-tm2k12-opening-thumb.jpg" alt="Handschriftliche Notizen, Ausschnitt" width="275" height="275" /></a> <a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-tm2k12-opening.pdf">Notizen zu diesem Artikel als PDF.</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Lichter+und+Oberfl%C3%A4chen+zur+Er%C3%B6ffnung+%7C+%28transmediale+2k12%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Und dann der Regen &#124; Kolonialisierung, Privatisierung, Medialisierung</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Jan 2012 15:39:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Und dann der Regen (También la lluvia) erzählt die Geschichte einer spanischen Filmcrew, die in Bolivien einen kritischen Film über die Rolle der Kirche bei der Kolonialisierung Südamerikas durch Kolumbus und die spanische Krone drehen will. Bei den Dreharbeiten wirken &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/und-dann-der-regen-film/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Und+dann+der+Regen+%7C+Kolonialisierung%2C+Privatisierung%2C+Medialisierung+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1991" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-1991" title="Und dann der Regen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/01/und-dann-der-regen.jpg" alt="Filmbild mit Juan Carlos Aduviri auf einer Demo" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Bild: Piffl Medien (alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Und_dann_der_Regen"><em>Und dann der Regen</em></a> (<em>También la lluvia</em>) erzählt die Geschichte einer spanischen Filmcrew, die in Bolivien einen kritischen Film über die Rolle der Kirche bei der Kolonialisierung Südamerikas durch Kolumbus und die spanische Krone drehen will. Bei den Dreharbeiten wirken auch zahlreiche indigene Schauspieler und Komparsen mit. Als ein Aufstand die Stadt ins Chaos stürzt, gerät die Filmproduktion in Gefahr &#8211; und die Rolle der europäischen Filmemacher in ein neues Licht. <span id="more-1985"></span></p>
<p>Der Hintergrund zu <em>Und dann der Regen</em> (Regisseurin: <a title="Icíar Bollaín" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ic%C3%ADar_Bolla%C3%ADn">Icíar Bollaín</a>) ist der Wasserkrieg von Cochabamba aus dem Jahr 2000. Es gab mehrere Todesopfer, als damals die Proteste der Bevölkerung gegen die Privatisierung der Wasserversorgung in der bolivianischen Stadt und einen heftigen Preisanstieg eskalierten. Schließlich wurde die Privatisierung gestoppt. Im Film ist der Laiendarsteller Daniel (gespielt von <a title="Juan Carlos Aduviri (Seite nicht vorhanden)" href="https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Juan_Carlos_Aduviri&amp;action=edit&amp;redlink=1">Juan Carlos Aduviri</a>), der im Film-im-Film den Indio-Häuptling <a title="Hatuey" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hatuey">Hatuey</a> spielt, gleichzeitig einer der Anführer des Wasserprotestes. Für Regisseur Sebastián (<a title="Gael García Bernal" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gael_Garc%C3%ADa_Bernal">Gael García Bernal</a>) und Produzent Costa (<a title="Luis Tosar" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Luis_Tosar">Luis Tosar</a>) ist zunächst die einzige Sorge, dass ihr Darsteller nicht mehr unversehrt für die Aufnahmen zur Verfügung stehen könnte. Sie kämpfen mit Überredungskunst und Bestechungsgeld dafür, dass er sich zurückhält und die Proteste bremst. Für den Aktivisten ist der Kampf um das Wasser aber nicht verhandelbar, am Ende muss die Crew aus der vom Militär abgeriegelten Stadt fliehen, der Film wird nicht fertig.</p>
<p>Die Handlung von <em>Und dann der Regen</em> spielt sich auf drei visuellen Ebenen ab: Innnerhalb des Films, der uns die Geschichte erzählt, gibt es den Film-im-Film, dessen Entstehung Teil der Geschichte ist. Parallel gibt es noch eine wackelige Handkamera, mit der eine Mitarbeiterin der Filmcrew ein Making-Of dreht. Während die Ästhetik des Making-Ofs überdeutlich grau und wackelig markiert ist, sind die beiden anderen Ebenen stilistisch nicht zu trennen. Dies führt zu gekonnten Überschneidungen der Situationen und historischen Kontexte. Beim Dreh der zentralen Kreuzigungsszene des Film-im-Film sehen wir als Zuschauer die fertigen Bilder, mit den Indio-Komparsen in historischer Kleidung, die sich gegen die spanischen Eroberer zur Wehr setzen. Nach dem &#8222;Cut!&#8220; des Regisseurs wechselt die Situation ins Jetzt des Films, allerdings ohne dass dies stilistisch sichtbar gemacht würde. Wenn dann die Polizei anrückt, um den Privatisierungsgegner Daniel (immer noch im Lendenschurz) festzunehmen, kann man die Parallelen nicht mehr deutlicher machen. Privatisierung gleich Neo-Kolonialismus.</p>
<p>So weit, so eingängig. Wirklich stark ist <em>Und dann der Regen</em> aber dann, wenn er die Rolle der Filmemacher hinterfragt. Bilder können ein gewaltiger politischer Multiplikator sein. Das weiß auch Regisseur Sebastián, wenn er die Prioritäten klar macht: &#8222;Diesen Aufstand wird man vergessen &#8211; unseren Film nicht.&#8220; Die Möglichkeit, die &#8222;echten&#8220; Wasserproteste mit der Making-Of-Kamera zu dokumentieren nimmt das Filmteam allerdings nicht wahr. Und als Produzent Costa dem Aktivisten Daniel 10.000 US$ bietet, um die Proteste nicht weiter anzustacheln, bis die Dreharbeiten beendet sind, wird deutlich, dass die Realpolitik hinter der Kunst zurückstecken soll. Statt zu multiplizieren drängt die europäische Filmproduktion das Politische zurück.</p>
<p>Auf der wirtschaftlichen Ebene sind die Filmemacher dabei kaum besser als die privaten Globalisierer. Costa prahlt am Telefon vor den Geldgebern des Filmprojektes damit, dass er die Indio-Komparsen mit zwei Dollar am Tag abspeisen kann. Daniel, der das Gespräch mitgehört hat, stellt ihn daraufhin zur Rede &#8211; er hat als Billiglöhner in den USA durchaus Englisch gelernt. Die Globalisierung schlägt hintenrum zu.</p>
<p>Am Ende ist es dann aber doch der skrupellose Produzent, der anpackt und Menschenleben rettet, während der Regisseur ratlos zurückbleibt. Es ist also nicht unbedingt die Kunst, die Wirkung zeigt, sondern der Buchhalter, der seine Menschlichkeit wiederentdeckt. Die Kirche, die zur Zeit der spanischen Eroberer so eine zentrale (und fatale) Rolle spielte, bleibt in <em>Und dann der Regen</em> zahnlos. Obwohl Boliviens Bevölkerung <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bolivien#Religionen">zum Großteil christlich ist</a>, spielt die Kirche in der Darstellung des Wasserkonfliktes keines Rolle. Schon zu Beginn des Films, als ein Helikopter ein riesiges Requisiten-Holzkreuz heranschweben lässt, wird klar, dass christliche Symbole hier zur freien Verfügung stehen. Und erst ganz am Ende, als der Kampf gegen die Privatisierung längst beendet und gewonnen ist, läuft ein Priester durch den Schutt und verkündet in leeren Straßen den Sieg. Während im historischen Film-im-Film die Kleriker noch im Mittelpunkt stehen, ist Irrelevanz das einzige, was Drehbuchautor <a title="Paul Laverty" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Laverty">Paul Laverty</a> der Kirche im &#8222;Heute&#8220; noch zugestehen mag.</p>
<p><em>Und dann der Regen</em> ist komplex, kritisch, reflektiert und spannend.</p>
<p><em>Der Film läuft seit dem 29.12.2011 in den deutschen Kinos.<br />
<a href="http://www.und-dann-der-regen.de/">Filmwebsite</a></em><br />
<em> <a href="https://www.youtube.com/watch?v=NJGSFBsSSZw"> Trailer auf YouTube</a></em></p>
<p><em><small>Wer die Film-im-Film-Verschachtelung voll auskosten möchte, sollte sich beim <a title="In guten Händen | Es vögeln nur die Enten" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Und_dann_der_Regen">Wikipedia-Eintrag zum Film</a> anschauen, wie in den Filmdaten die Schauspieler, ihre Filmrollen und ihre Film-im-Film-Rollen, die wiederum teils historische Personen mit eigenen Einträgen sind, aufgelistet sind. Und wenn auf der Filmwebsite unter die <a href="http://www.und-dann-der-regen.de/bilder.php">Szenenbilder</a>, die teils die &#8222;Dreharbeiten&#8220; am Film-im-Film zeigen, noch Making-of-Fotos mit der Regisseurin  gemischt werden, ist der Spaß komplett.</small></em></p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2012/01/notizen-und-dann-der-regen.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-2012" title="Notizen und dann der Regen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/01/notizen-und-dann-der-regen-thumb.jpg" alt="Notizblatt" width="275" height="275" /></a><a href="/wp-content/uploads/2012/01/notizen-und-dann-der-regen.pdf">Notizen für diesen Artikel als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Und+dann+der+Regen+%7C+Kolonialisierung%2C+Privatisierung%2C+Medialisierung+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>I am not your sidekick &#124; The Adventures of Tintin</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Nov 2011 13:09:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[Catch Me If You Can]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Hergé]]></category>
		<category><![CDATA[Performance Capture]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Jackson]]></category>
		<category><![CDATA[Steven Spielberg]]></category>
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		<description><![CDATA[Da ist er nun also, der erste Teil des Projekts eines Blockbuster-Dreamteams: Regisseur Steven Spielberg und Produzent Peter Jackson liefern mit The Adventures of Tintin (Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn) den ersten von drei &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/the-adventures-of-tintin-tim-und-struppi/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=I+am+not+your+sidekick+%7C+The+Adventures+of+Tintin+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1866" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-1866" title="Tintin" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/11/tintin.jpg" alt="Tim, Haddock und Struppi. Rettungsboot kieloben." width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Bild: DW Studios L.L.C. (alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p>Da ist er nun also, der erste Teil des Projekts eines Blockbuster-Dreamteams: Regisseur Steven Spielberg und Produzent Peter Jackson liefern mit <em>The Adventures of Tintin</em> (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Abenteuer_von_Tim_und_Struppi_%E2%80%93_Das_Geheimnis_der_Einhorn#Darsteller_und_Synchronisation"><em>Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn</em></a>) den ersten von drei geplanten Teilen einer Verfilmung von Hergés Comicreihe. Deren erster Band erschien bereits 1929. &#8222;Klassische&#8220; Zeichentrickverfilmungen gab es auch schon mehrere. Insofern ist insbesondere die Ästhetik interessant, mit der sich die neue, computergenerierte Umsetzung nun den Geschichten um den jungen (manche sagen: alterslosen) Journalisten nähert. <span id="more-1839"></span></p>
<p>Zu Beginn verabschiedet sich <em>The Adventures of Tintin</em> sehr gemächlich vom alten Look. Im animierten Vorspann, der stilistisch eigentümlicherweise nicht auf Hergé sondern auf den Vorspann von Spielbergs Film <em>Catch Me If You Can</em> verweist (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=gaLDyrun_Cc">hier bei YouTube</a>), tauchen ein paar der originalen Comic-Panels auf &#8211; sie dürfen allerdings nur etwas einfallslos durchs Bild fliegen. Wirklich originell ist aber ein visuelles Zitat zu Beginn der Filmhandlung: Bevor wir den &#8222;neuen&#8220; Tim richtig kennenlernen dürfen, sehen wir ihn auf einem Markt bei einem Portraitzeichner sitzen. Das fertige Portrait &#8211; wir ahnen es &#8211; ist dann Tim, wie wir ihn aus der Feder von Hergé kennen.</p>
<p>Diese neue, komplett computergenerierte Vision, in die Spielberg und sein Team die Comics übersetzt haben, überzeugt insgesamt. Die Klarheit und Reduziertheit, mit der Hergé seinen unbewegten Bildern dennoch große Dynamik verleihen konnte, ist gekonnt in eine überspitzte 3D-Realität übersetzt. Der Film leugnet seine Künstlichkeit nicht, kann aber dank des Performance-Capture-Verfahrens, das die Aktionen von Schauspielern auf die animierten Figuren überträgt, sehr nah und organisch erzählen. Das <a href="http://www.itsartmag.com/features/makingoftintin/">Making Of</a> gibt einen Einblick in diese Arbeitsweise. Wenn man gleichzeitig liest, wie Filmkritiker die Schauspieler wie bei fotografisch gedrehten Filmen aufführen, ohne den sonst bei Animationsfilmen üblichen Zusatz &#8222;Tim (Stimme: Jamie Bell)&#8220;, wird deutlich, dass die technische Entwicklung hier bestehende Kategorien verschwimmen lässt. Und der Film genießt das merklich: Der Comic-Humor wird in neue visuelle Spitzen überführt. Da wird im Zoom aus einer Londoner Pfütze ein Szenenwechsel aufs Meer, oder eine Erinnerungssequenz oszilliert zwischen Wellen und Dünen, zwischen Realität und Delirium.</p>
<p>Der Rahmen für die Geschichte ist die Suche nach dem Schatz der &#8222;Einhorn&#8220;, dessen Spur sich Tim durch eine in einem Modellschiff verborgene Schatzkarte eröffnet. Es werden Geschichten und Figuren aus mehreren Comicbänden verwoben. Die Kommissare Schulze und Schultze sind mit dabei und liefern sich ihren üblichen Schlagabtausch, darunter den großartig selbstreflexiven Satz &#8222;I am not your sidekick!&#8220;. Der cholerische Kapitän Haddock und sein Schiff spielen für die Schatzsuche in <em>The Adventures of Tintin </em>eine Hauptrolle. Leider fehlt sein zerstreutes akademisches Gegengewicht Professor Bienlein.</p>
<p>Insgesamt trägt diese Best-Of-Dramaturgie leider nicht bis zum Ende des Films. Zwischenzeitlich können genüsslich übertriebene Actionsequenzen das noch überspielen, am Ende sind die Twists der Handlung dann aber  zu viel und ermüdend. Der Schatz wird wohl erst im Sequel gefunden. Spielberg hat Tintin auf visueller Ebene erfolgreich neu erfunden, sich bei der Handlung aber nicht allzu viel Mühe gegeben. Ideologische Klippen werden zwar umschifft, die eurozentrische und patriarchale Weltsicht, die der Vorlage vorgeworfen werden kann, aber keinesfalls modernisiert. Ein technisches Spektakel also, das es aber nicht schafft auch eine größere, politische Ebene zu bespielen.</p>
<p><em>Der Film läuft seit dem 27. Oktober 2011 in den deutschen Kinos</em><br />
<a href="http://www.youtube.com/watch?v=5K7ULfweTr0"><em>Trailer auf YouTube</em></a></p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2011/11/notizen-tintin.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-1870" title="Notizen Tintin" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/11/notizen-tintin-thumb.jpg" alt="Handschriftliche Notizen" width="275" height="275" /></a><a href="/wp-content/uploads/2011/11/notizen-tintin.pdf">Notizen zu diesem Artikel als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=I+am+not+your+sidekick+%7C+The+Adventures+of+Tintin+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Reflexion 3 &#124; Digitaler Selbstverlag</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Nov 2011 15:11:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Reflexion]]></category>
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		<description><![CDATA[Texte zu verfassen ist eine beliebte Aufgabe. Wir alle können es, mehr oder weniger. Wer damit allerdings seinen Lebensunterhalt verdienen möchte, begibt sich auf einen gefüllten Markt. Wer einen der diversen Journalismus-, Kultur- oder Medienstudiengänge absolviert hat, darf um Praktikumsplätze, &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/reflexion-3-digitaler-selbstverlag/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Reflexion+3+%7C+Digitaler+Selbstverlag+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-1800" title="Druckerpresse" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/11/druckerpresse.jpg" alt="" width="720" height="306" /></p>
<p>Texte zu verfassen ist eine beliebte Aufgabe. Wir alle können es, mehr oder weniger. Wer damit allerdings seinen Lebensunterhalt verdienen möchte, begibt sich auf einen gefüllten Markt. Wer einen der diversen Journalismus-, Kultur- oder Medienstudiengänge absolviert hat, darf um Praktikumsplätze, Volontariate und ein paar wertvolle bezahlte Zeilen kämpfen. Jobs sind knapp und die gedruckten Seiten sind begrenzt. Online ist hingegen viel Platz. In Sekunden lässt sich mehr Text laden, als man jemals lesen könnte. <span id="more-1597"></span></p>
<p>Unzählige Formate und Dienste sind textbasiert. Und rein technisch gesehen haben alle Autoren den gleichen Ausgangspunkt: http://schönschrift.org und http://spiegel.de sind beides URLs (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Uniform_Resource_Locator">Uniform Resource Locator</a>) &#8211; einheitliche Quellenanzeiger. Schon im Begriff steckt eine technische Gleichberechtigung aller URLs. Druckauflage oder Distribution sind kein Thema.</p>
<p>Aber wirklich einfach wird es nie: Die Mechanismen der Aufmerksamkeitsökonomie gelten mit aller Macht weiter. Schönschrift ist eine Textquelle unter Millionen. Und Gestaltung, Marketing, Lizenzen haben im Digitalen genau die gleiche Relevanz.</p>
<p>Wir haben uns bewusst dafür entschieden, Schönschrift im Format <em>Blog</em> unter einer eigenen Domain zu betreiben. Wir wollen die Aufmerksamkeit, die den Beiträgen gewidmet wird, nicht einer großen werbefinanzierten Plattform schenken. Wir wollen nicht, dass unsere Besucher nach unbekannten Datenschutzregeln auf Servern in den USA analysiert werden. Wir wollen nicht, dass unsere Artikel irgendwelchen allgemeinen Geschäftsbedingungen einer Blogplattform gehorchen müssen. Und nicht zuletzt wollen wir die Gestaltung der Seite bis ins letzte Detail in der Hand haben.</p>
<h3>Echte Unkosten sind kein großes Thema</h3>
<p>Diese Unabhängigkeit kostet wenig. Ein klassisches Webhostingpaket und zwei Domains (zusätzlich zu schönschrift.org noch schoenschrift.org für weniger umlautbegabte Browser) schlagen jährlich mit 50 bis 60 Euro zu Buche. Das ist zu verschmerzen und dank der ersten und einzigen Einnahme, dem Preisgeld <a href="/artikel/mission-erfuellt-battle-gewonnen-freischwimmer-festival-2011/">vom Freischwimmer-Blogbattle</a> ohne Probleme gedeckt. Auf der Softwareseite entstehen dank dem vielseitigen <a href="http://wordpress.org/">WordPress-Paket</a>, das als <a title="Free and Open Source Software" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Free/Libre_Open_Source_Software">FOSS</a> kostenlos ist, keine Kosten. Und die Bildredaktion kommt mit dem ebenfalls freien <a title="GNU Image Manipulation Program" href="http://www.gimp.org/">GIMP</a> auch längst ohne Photoshop-Lizenz aus.</p>
<p>Viel schwieriger wird die Frage nach dem personellen Aufwand. Wie viel technisches Wissen und wie viel Verwaltungsaufwand sind die Bedingung dafür, auf einer unabhängigen Plattform &#8222;einfach nur schreiben&#8220; zu können? Im schoenschrift-Theme, dem gestalterischen Gewand des Blogs, stecken viele Stunden Arbeit &#8211; und als Vorbedingung Wissen und Erfahrung in Sachen Webentwicklung. Wer sich nicht mit einem vorgefertigten Blogdesign zufriedengeben möchte, muss sich zumindest ansatzweise mit Templates, Style Sheets und dergleichen auseinandersetzen. Um das eigene Schreiben zu ermöglichen bedarf es also zunächst auch einer Portion digitaler Professionalität.</p>
<h3>Müssen und dürfen</h3>
<p>Ein paar juristische Rechte und Pflichten bringt die kleine Publikation auch noch mit sich. Neben einem korrekten <a title="Impressum" href="/impressum/">Impressum</a> steht dabei die Lizenzierung der eigenen und fremden Inhalte im Mittelpunkt. Weil wir uns einig sind, dass kreative, unabhängige Medienproduktion sich gegenseitig referenzieren kann und soll, veröffentlichen wir unsere Texte und eigene Fotos unter einer <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/">Creative Commons Attribution-Share-Alike-Lizenz</a>. Diese Variante aus dem weltweit anerkannten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons">Lizenzbaukasten</a> erlaubt es Anderen, unsere Inhalte auch jenseits des Zitatrechtes ganz oder teilweise weiterzuverwenden &#8211; solange die Quelle verlinkt wird und das Endprodukt ebenfalls unter einer solchen Lizenz veröffentlicht wird. Wenn unsere Texte dadurch mehr Leser finden, ist das genau in unserem Sinne.</p>
<p>Sich im Bereich der Creative Commons-Lizenzen zu bewegen bringt einen großen Vorteil mit sich: Wir können uns selbst ebenfalls bei all jenen Arbeiten &#8222;bedienen&#8220;, die unter einer passenden Lizenz veröffentlicht wurden. Ein Symbolbild von Köln, mangels Pressebildern vom <em>Tatort</em>? Die <a href="http://www.flickr.com/search/?q=k%C3%B6ln&amp;e=667931&amp;l=commderiv">Suchfunktion der Fotoplattform Flickr.com</a> hilft weiter. Das Ergebnis: Wir haben einen ansprechend <a href="/artikel/tatort-altes-eisen-in-der-ard-koeln/">bebilderten Artikel</a>, der Fotograf einen Bildnachweis samt Link.</p>
<p>Das Thema Lizenzen birgt allerdings Detailfragen: Viele Menschen schließen mit dem Creative Commons-Zusatz &#8222;NC&#8220; (non-commercial) eine kommerzielle Verwendung ihrer Inhalte aus. Ist Schönschrift kommerziell? Dürfen wir jene Inhalte nicht verwenden? Das deutsche Recht ist bei der Definition schwammig. Klauseln wie &#8222;in der Regel gegen Entgelt&#8220; sind schwer anzuwenden. Sind Filmkritiken normalerweise nur gegen Entgelt zu haben? Sobald ein Blog in irgend einer Form Werbung schaltet (und sei es nur, um die oben skizzierten 60 Euro jährliche Serverkosten wieder einzuspielen), ist es kommerziell. Und diese Möglichkeit wollen wir uns offenhalten. &#8222;NC&#8220;-linzenziertes Material ist also Tabu.</p>
<p>Eine weitere Detailfrage ist die Bearbeitung von Inhalten. Der Creative Commons-Lizenzbaustein &#8222;ND&#8220; (no derivatives) erlaubt nur eine unbearbeitete Verwendung. Die Schönschrift-Artikelbilder haben alle ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Cinemascope">Cinemascope</a>-Format, mit dem Seitenverhältnis 2,35:1. Eigene Fotos oder zur Verfügung gestellte Pressebilder können ohne Probleme auf dieses Format zugeschnitten werden. Aber: Die Formatänderung ist eine Bearbeitung und kommt somit für &#8222;ND&#8220;-Bilder nicht in Frage. Diese dürfen wir nur im Originalformat übernehmen.</p>
<p>Die Teilhabe am Creative Commons-Universum muss also wohl durchdacht sein, bringt dann aber den großen Vorteil mit sich, dass juristisch belastbar festgelegt ist, wer welche Inhalte wie nutzen darf.</p>
<h3><del>Und wie hoch ist die Auflage?</del> Und liest das auch jemand?</h3>
<p>Bisher beschränkt sich das Marketingkonzept von Schönschrift darauf, von rezensierten Projekten in den Pressespiegel aufgenommen zu werden, bei thematisch passenden anderen Blogs Kommentare und ergänzende Links zu platzieren, sowie bei <a href="http://identi.ca/schnschrft">identi.ca</a> und <a href="http://twitter.com/schnschrft">Twitter</a> per Microblogging auf neue Beiträge aufmerksam zu machen.</p>
<p>Aber Texte wollen gelesen werden. Und natürlich interessiert uns, welche Themen besonders gut ankommen, wie die Navigation auf der Seite genutzt wird und welche Seiten auf uns verlinken. Diese Neugier soll aber nicht in Datenschutzprobleme ausarten, die Nutzung eines externen Dienstes wie etwa GoogleAnalytics kommt daher nicht in Frage. Statt dessen nutzen wir das freie Tool <a href="http://piwik.org/">Piwik</a>, das direkt auf dem Schönschrift-Server läuft. So haben wir einen Einblick in die Nutzung der Seite, ohne Datenberge anzuhäufen oder individuelle IP-Adressen zu speichern.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1796" title="Monatliche Besucherzahlen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/11/besuchsgrafik-2011-11-.png" alt="Diagramm monatlicher Besucherzahlen." width="523" height="170" /></p>
<p>Die in den etwa achteinhalb Monaten seit dem Start von 13 Autorinnen geschriebenen 78 Texte haben 9308 Seitenbesuche angelockt. Das ist für Internet-Zugriffszahlen keine große Kragenweite, aber zeigt uns doch: Die Texte werden gelesen. Vor allem die Berichterstattung rund um das <a href="/tags/freischwimmer-festival-2011/">Freischwimmer-Festival</a> im März hat viele Artikel in schneller Folge und damit auch viele Zugriffe gebracht.</p>
<h3>Weiter!</h3>
<p>Der technische und organisatorische Aufwand, diese eigene Plattform ins Leben zu rufen, war nicht zu unterschätzen. Mit den einmal etablierten Rahmenbedingungen bietet <em>Schönschrift</em> nun aber genau das, was wir wollten: Eine Gelegenheit, eigene Texte mit Sorgfalt aber ohne äußere Einschränkungen veröffentlichen zu können.</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2011/11/notizen-publizisten.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-1793" title="Notizen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/11/notizen-publizisten-thumb.jpg" alt="Notizblatt zu diesem Text" width="275" height="275" /></a><a href="/wp-content/uploads/2011/11/notizen-publizisten.pdf">Notizen zu diesem Text als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Reflexion+3+%7C+Digitaler+Selbstverlag+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>I&#8216;m not a f**king princess &#124; Bildermacht macht Bildermacht</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Nov 2011 10:23:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[Anamaria Vartolomei]]></category>
		<category><![CDATA[Eva Ionesco]]></category>
		<category><![CDATA[Isabelle Huppert]]></category>

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		<description><![CDATA[I&#8216;m not a f**king princess ist einer dieser Filme, an denen der autobiografische Hintergrund zwangsläufig fasziniert: Die Regisseurin Eva Ionesco wurde von ihrer ehrgeizigen Mutter mit elf Jahren als Aktmodell missbraucht. Und das im großen Stil und mit viel Erfolg: &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/im-not-a-f-king-princess-film/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=I%26%238216%3Bm+not+a+f%2A%2Aking+princess+%7C+Bildermacht+macht+Bildermacht+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1766" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-1766" title="I'm not a f**king princess" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/11/princess.jpg" alt="Anamaria Vartolomei und Isabelle Huppert" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Bild: X Verleih AG (Alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p><em>I&#8216;m not a f**king princess</em> ist einer dieser Filme, an denen der autobiografische Hintergrund zwangsläufig fasziniert: Die Regisseurin Eva Ionesco wurde von ihrer ehrgeizigen Mutter mit elf Jahren als Aktmodell missbraucht. Und das im großen Stil und mit viel Erfolg: Der italienische Playboy (1976) und auch DER SPIEGEL (1977) druckten die Skandalbilder. Die von der Kunstszene der 70er besessene Fotografin Hannah wird nun von Superstar Isabelle Huppert als eiskalte Diva gezeigt. Damit ist dem Regiedebüt Aufmerksamkeit gewiss. <span id="more-1759"></span></p>
<p>Dass das Mädchen, das im Film Violetta heißt, von der Mutter in Posen und Situationen inszeniert wird, die sie selbst nicht versteht und dennoch die Aufmerksamkeit genießt, die ihr zuteil wird, ist schnell erzählt. Die Kritik an dem pädagogischen Fehlgriff muss nicht einmal explizit erfolgen. Violetta lebt mit ihrer Mutter Hannah und ihrer Ur-Großmutter Mamie in prekären Verhältnissen in Paris. Aus Geltungssucht aber auch Geldnot bezieht Hannah ihre Tochter immer mehr in die erotisch-morbiden Fotoshootings in ihrem improvisierten Atelier mit ein. Großer Erfolg stellt sich ein, aber nach anfänglichem Interesse an der Welt der Mutter bleibt auch der Protest Violettas nicht aus. Das Mädchen verliert zunehmend den Anschluss zu Freunden und Schule, während Hannah trotz Eingriff einer Sozialarbeiterin nicht aufhört, die Fotos zu vermarkten. Zentral ist das komplexe Verhältnis der beiden, wechselnd zwischen Liebe und Geschäftssinn, Naivität und Verblendung.</p>
<p>Tatsächlich interessant aber wird es, wenn der Blick der Filmkamera und unsere Perspektive als Zuschauer ins Spiel kommen. Schließlich ist diese Geschichte über Inszenierungen wiederum für uns inszeniert. Und der Kontext, in dem Bilder entstehen und gezeigt werden, scheint elementar wichtig zu sein. Schon beim Filmtitel, der im Original <em>My Little Princess</em> lautet, hat sich der deutsche Filmverleih anscheinend lieber für die rebellische Einordnung <em>I&#8216;m not a f**king princess</em> entschieden.</p>
<p>Dafür dass der Film den Entstehungsprozess von Bildern rekonstruiert und kritisiert, erliegt er selbst an vielen Stellen der Lust der Ästhetisierung. Glamouröse Kostüme und morbide Kulissen sind eben nicht nur für Hannahs Fotokamera interessant, sondern auch für die Filmkamera (geleitet von Jeanne Lapoirie). Und wenn Violetta und Hannah in perfekter Symmetrie in Leinen gehüllt im Gegenlicht dahinsinken, tun sie das nur für uns. Eine Portion Musik tut ihr Übriges, ein Rundum-Retro-Paket zu schnüren.</p>
<p>Die Frage ist: Funktioniert die Reflexion über die Kontextualisierung der Bilder? Wenn Hannah alle Bedenken mit &#8222;Aber es ist doch Kunst&#8220; erschlägt, möchte man diese Rechtfertigung nicht gelten lassen. Aber was ist mit der jungen Schauspielerin Anamaria Vartolomei, die im knappen Kostüm unter der Leitung von Regisseurin Eva Ionesco agiert? Versteht sie wohl ihre komplexe Rolle in diesem Film? Die Ausbeutung, die Eva Ionesco erfahren hat, darf man nicht gleichsetzen mit einer Rolle in einer professionell geleiteten Filmproduktion. Aber ein Film, der sich mit diesen Bildern und ihrer Entstehung beschäftigt, darf die eigene Produktion nicht ausblenden.</p>
<p><em>I&#8216;m not a f**king princess</em> stellt seine Gemachtheit nicht aus. Es gibt keine Brüche in seiner visuellen Oberfläche. Die problematischen Inszenierungen nehmen selbst großen Raum ein. Kleine Spannungen und Gegensätze bleiben selten und sehr dezent. Als Hannah die Badezimmertür aufreißt und ihre Tochter auf dem Klo fotografiert, ist der Übergriff deutlich. Wenn einige Minuten später dann die Filmkamera Violetta selbstverständlich auf die Schultoilette folgt, deutet sich ganz leicht an, was eigentlich die Stärke dieses Films hätte sein können: Moral, Ästhetik und Verantwortung mit ihrer Macht und Gemachtheit in Verbindung zu setzen.</p>
<p>Stattdessen belässt Ionesco es bei einer gelegentlichen Überinszenierung, etwa wenn sie Violetta und den klischeehaft gezeichneten Popstar Updike in Vogelperspektive perfekt küssend auf den Rasen drapiert zeigt (inklusive dem aufgeschlagenen Edgar Ellen Poe-Gedichtband). Diese bunten Spektakel funktionieren aber kaum als Gegenstrategie zu eben jenen Bildern, deren Entstehung hier thematisiert wird. So bleibt dann doch nur ein psychologischer Thriller, der zwar die Mutter-Tochter-Abhängigkeiten solide erzählt, am Ende aber in einer grotesken psychoanalytischen Erklärung gipfelt.</p>
<p><em>&#8222;I&#8216;m not a f**king princess&#8220; läuft seit dem 20.10.2011 im Kino</em></p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2011/11/notizen-princess.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-1812" title="Notizen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/11/notizen-princess-thumb.jpg" alt="Handschriftliche Notizen, Ausschnitt" width="245" height="245" /></a><a href="/wp-content/uploads/2011/11/notizen-princess.pdf">Notizen zu diesem Artikel als PDF</a></p>
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