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	<title>Schönschrift &#187; Leinwand</title>
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	<description>Notizen zur Kultur</description>
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		<title>Intimität – echt inszeniert &#124; „Häppchenweise“ von Maike Brochhaus</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Apr 2013 21:01:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Katja Grawinkel]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[Köln]]></category>
		<category><![CDATA[Maike Brochhaus]]></category>
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		<description><![CDATA[Jenz und Till habe sich zusammen auf’s Sofa gekauert. Er trägt nur Boxershorts, die seinen steifen Penis eher schlecht als recht bedecken. Jenz’ knallbunte Unterwäsche wird die nächsten Szenen nicht überstehen. Wenn die beiden sich bald stöhnend auf dem Flokati &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/haeppchenweise-film-maike-brochhaus/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Intimit%C3%A4t+%E2%80%93+echt+inszeniert+%7C+%E2%80%9EH%C3%A4ppchenweise%E2%80%9C+von+Maike+Brochhaus+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2644" class="wp-caption alignnone"><img class="size-large wp-image-2644" alt=" © Julian Röder" src="/wp-content/uploads/2013/04/häppchenweise_schönschrift-720x306.jpg" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Foto: Julian Röder, alle Rechte vorbehalten</p></div>
<p>Jenz und Till habe sich zusammen auf’s Sofa gekauert. Er trägt nur Boxershorts, die seinen steifen Penis eher schlecht als recht bedecken. Jenz’ knallbunte Unterwäsche wird die nächsten Szenen nicht überstehen. Wenn die beiden sich bald stöhnend auf dem Flokati wälzen, wird nur das großflächige Tattoo auf der rechten Flanke von ihrer Nacktheit ablenken. Sie wird seinen Penis in den Mund nehmen und rhythmisch den Kopf auf und ab bewegen. Er wird ihre Brüste, ihren Po kneten, schließlich ihre Schamlippen lecken und mit dem Finger in ihre Vagina eindringen.</p>
<p>Es ist die zentrale Szene in Maike Brochhaus Debütfilm <a href="http://www.haeppchenweise.net/">„Häppchenweise“</a>, der jetzt in Köln Premiere feierte. Als „postpornografisches Experiment“ bezeichnet sie, was sie da mit sechs Darstellern und einer kleinen technischen Crew in einem besetzten Haus in Köln Kalk verwirklicht hat. <span id="more-2638"></span>Brochhaus hat Kunst auf Lehramt studiert und promoviert nun zu den Grenzen zwischen Kunst und Pornografie. Der queere Filmemacher <a href="http://berlinergazette.de/tabu-fetisch-bruce-la-bruce/">Bruce LaBruce</a> ist ihr Forschungsgegenstand. „Häppchenweise“ hat nicht viel mit den morbiden Metaphern in LaBruces expliziten Filmen gemeinsam, die auf den großen Filmfestivals gezeigt werden. Es ist ein zärtlicher Film, der Sexualität auf der Leinwand jenseits der Klischees von YouPorn oder Hollywood zeigt.</p>
<p>Um ihn zu verwirklichen, hatte Brochhaus Unterstützung aus dem Internet eingeworben. Via Crowdfunding waren über 10.000 Euro zusammen gekommen, der Mindestbetrag, um das Filmprojekt anzuschieben. Die Postproduktion konnte damit nicht abgedeckt werden, auch keine Honorare für die Darsteller. Das ist bei kleinen Filmprojekten keine Seltenheit. Dass schon vor der Premiere zahlreiche Internetuser den <a href="http://haeppchenweise.net/shop/shop.php">Download des Films</a> vorbestellten und die Tilgung der Kosten in greifbare Nähe rückt, ist dagegen bemerkenswert.</p>
<p>Die Versuchsanordnung, die die Unterstützer neugierig gemacht haben dürfte, sieht so aus: Sechs Personen lernen einander kennen. Sie essen zusammen, trinken Cocktails, reden über Sex und spielen Flaschendrehen. Auf wen die Flasche zeigt, der oder die zieht eine Karte von einem von drei Stapeln. Die Aufgaben und Fragen reichen von harmlos bis scharf: „Wie kann dich jemand beim ersten Treffen überraschen?“„Erzähle, wie du es dir selber machst.“ „Küsse jemanden aus der Runde so, dass er oder sie nicht mehr aufhören will.“ Die Dinge nehmen ihren Lauf, während hinter den Kulissenwänden die Tonbänder mitlaufen und eine Kameracrew durch einseitig verspiegelte Scheiben jede Bewegung filmt. Brochhaus zeigt: Für die Generation YouPorn ist Big Brother eine mediale Kindheitserinnerung, die man für die eigenen Zwecke nach Belieben gebrauchen und dekonstruieren kann.</p>
<p>Ob es das Spiel war, das Jenz und Till eng umschlungen auf dem Teppich hat landen lassen, der Alkohol oder eine authentische Anziehung zwischen den beiden, das erfährt der Zuschauer nicht. Es ist auch egal, denn die Szene ist heiß. Selbst hartgesottene Porno-Routiniers kann sie nicht kalt lassen und das hat etwas mit dem medialen Setting zu tun. Hier versuchen sich weder zwei sogenannte Amateure an einer professionellen Pornoästhetik, noch werden heimlich zwei Unschuldige beim Liebesspiel beobachtet. Darsteller und Zuschauer begegnen sich auf einer Ebene jenseits von Voyeurismus und Exhibitionismus. Sie sind Akteure, die wissen, was sie tun und sich mit Freuden von der Hitze des Augenblicks mitreißen lassen.</p>
<p>Auch wenn Jenz und Till das Zentrum der Szene sind, rührt doch die Spannung, die sie so besonders macht, nicht unwesentlich vom Verhalten der anderen Darsteller her. Nach und nach verlassen sie den Raum und weichen auf die Terrasse aus. Die Absicht, die beiden auf dem Sofa „alleine zu lassen“ wirkt vor dem filmeigenen Setting absurd – aber ehrlich. Die Gruppe überlässt das Paar den Kameraleuten und letztlich den Blicken der Zuschauer, die gerade deshalb einen spannenden Moment von echter, inszenierter Intimität erleben – das ist hier kein Widerspruch.</p>
<p>Das zeigt sich spätestens als der Moment vorbei ist, schneller als man denkt. Jenz hockt auf Tills Schoß, sie zieht seinen Kopf zu sich und raunt, dass sie jetzt viel zu nervös sei. Die zwei tauschen noch ein paar Küsse, ziehen sich dann wieder an und gesellen sich zu den anderen. „Und hattet ihr Sex?“ Die Antwort ist unentschlossen: „Ja, nein, also&#8230; wer weiß das schon?“ Ja, denn es war heißt und innig und erregend und schön. Da würde das geneigte Publikum sofort zustimmen. Nein, denn es kam nicht zum klassischen, heterosexuellen Geschlechtsakt wie er im (Bio-)Buche steht: zur Penetration. So tief sitzen sie, die Muster, wie wir über Sex denken und sprechen. Und sie werden lange nicht nur von der allseits proklamierten Pornofizierung der Gesellschaft geprägt.</p>
<p>Gegen solche Konventionen führt Maike Brochhaus ihren Film ins Feld. Der lebt von den ehrlichen Gesprächen über Sexualität, die die sechs Akteure führen, mindestens ebenso wie von den intimen Szenen. Es geht darin um sadomasochistische Blinddates, um Liebesbeziehungen zu mehr als einer Person gleichzeitig und zu unterschiedlichen Geschlechtern, um schwulen Sex. Und das alles findet in einem Umfeld statt, das einem von der letzten WG-Party bekannt vorkommt – aber eben nur ein wenig. Denn Brochhaus’ Film ist trotz des Experiments, das ihm zugrunde liegt, ein sorgfältig editiertes Werk geworden, das den Namen verdient.</p>
<p>Aus vielen Stunden Material, aufgenommen von neun Kameras während des elfstündigen Drehs, hat die Regisseurin heraus geschält, was sie zeigen wollte. Eine 70-minütige Komposition zum Thema Sexualität, die Intellekt und Instinkt gleichzeitig anspricht und die Trennung zwischen beiden irgendwie absurd erscheinen lässt. Der Film gelingt ohne große tabubrecherische Geste als das, was Till sich in der Eröffnungssequenz von ihm erhofft: „Ein antibürgerliches Statement.“</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien ebenfalls in der <a href="http://berlinergazette.de/brochhaus-post-porno/">Berliner Gazette</a>.</em></p>
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		<title>Lichtbespielte Häuser &#124; „A Wall Is A Screen“ bei der 18. Regensburger Kurzfilmwoche</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Mar 2012 09:16:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Philipp Weber]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Festival]]></category>
		<category><![CDATA[Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[18. Regensburger Kurzfilmwoche]]></category>
		<category><![CDATA[A wall Is A Screen]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Regensburg]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn zwischen 300 und 900 Menschen als Pulk durch eine Stadt ziehen, muss es eine Demo sein. Oder ein Fußballspiel. Da aber keinerlei Polizeikräfte die Seiten flankieren, keine Fahnen geschwungen und Parolen skandiert werden, könnte es sich auch um einen &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/a-wall-is-a-screen-18-regensburger-kurzfilmwoche-2012/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Lichtbespielte+H%C3%A4user+%7C+%E2%80%9EA+Wall+Is+A+Screen%E2%80%9C+bei+der+18.+Regensburger+Kurzfilmwoche+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2471" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/03/a-wall-is-a-screen-regensburg.jpg" alt="Zuschauer in Regensburg" width="720" height="268" /></p>
<p>Wenn zwischen 300 und 900 Menschen als Pulk durch eine Stadt ziehen, muss es eine Demo sein. Oder ein Fußballspiel. Da aber keinerlei Polizeikräfte die Seiten flankieren, keine Fahnen geschwungen und Parolen skandiert werden, könnte es sich auch um einen überraschend erfolgreichen Flashmob handeln. Die staunenden Gesichter, die am 17.03.2012 aus den Fenstern solch einem Zug nachblickten, konnten sich wohl keinen Reim auf die Aktion machen. Wer hingegen auf der Straße den Zug kreuzte, konnte sich aufklären lassen und sich dem Treiben anschließen. Schließlich war dies eine Aktion der Hamburger Künstlergruppe <a href="http://www.awallisascreen.com/">„A Wall Is A Screen“</a> im Rahmen der <a href="http://www.regensburger-kurzfilmwoche.de/">18. Regensburger Kurzfilmwoche</a>. Der Grund, sich dem Pulk anzuschließen: An ausgesuchten Fassaden im öffentlichen Raum wurden Filme projiziert, die sich mit dem Umfeld in Bezug setzen lassen. <span id="more-2456"></span></p>
<p>Zunächst allerdings wurden die Besucher mit zwei Kurzfilmen darauf eingestimmt, die Stadt nicht mit gewohnten Augen wahrzunehmen, sondern sich auf das Neue einzulassen. <a href="http://www.sixpackfilm.com/en/catalogue/show/1748"><em>Corners</em></a> (Derek Roberts, 2008) zeigt einige Möglichkeiten auf, wie urbane Architektur auch zu erleben sein könnte. In halsbrecherischem Tempo springt der Darsteller über Mülltonnen und Trennwände, schwingt sich über Geländer und lässt seinen Weg von Wandvorsprüngen vorschreiben.</p>
<p>Dass als Leinwand gerade die Fassade eines Kaufhauses am Regensburger Neupfarrplatz herhielt, kam nicht von ungefähr: Aus dem zierlichen Ensemble mittelalterlicher Häuser sticht der große und wuchtige Betonbau aus den 1970ern besonders hervor. Dass sich zudem der Bau, der Elemente des Doms aufnimmt und sich so in das Altstadtensemble zu integrieren versucht, mit der Fassade der ehemaligen Feuerwache schmückt, lässt sich zudem auf die Compositingtechnik des zweiten Films spiegeln. Die Mockumentary <a href="http://www.youtube.com/watch?v=7V34R5An7Ak"><em>The Centrifuge Brain Project</em></a> (Till Nowak, 2011, auch gezeigt im Deutschen Wettbewerb des Festivals) zeigt den Vergnügungspark als Versuchslabor. Die perfekte Illusion der Karusselle und Riesenräder, die sich der Schwerkraft und Logik zu widersetzen scheinen, gelingt im Übergang zwischen realer Aufnahme und digital erzeugten Elementen.</p>
<p>Der Film, letztendlich auch mit dem diesjärigen Publikumspreis ausgezeichnet, lockte auch viel Laufpublikum und so zogen wesentlich mehr Interessierte in freudiger Erwartung zum nächsten Spielort mit. Zwischen Fenstern, die den Wohnraum verbergen, gewährten die Kuratoren einen besonders überraschenden Blick hinter die Wand. Die Highkey-Ästhetik der Bilder von <a href="http://www.youtube.com/watch?v=foYTAmStiJg"><em>A Alma Do Negócio &#8211; Die Seele des Geschäfts</em></a> (José Roberto Torero, 1996) ist der Werbewelt entnommen. Dass jedoch den Zuschauern das Lachen zunehmend im Halse stecken blieb, lag an der blutigen Auseinandersetzung, die sich im Film aus einer gemütlich-harmonischen Frühstückssituation entspinnt. Stets umhüllt mit der Leichtigkeit des überzuckerten Dialogs zwischen ihr und ihm präsentieren sie sich gegenseitig ihre bevorzugten Produkte der Verstümmelung. Dass sich unterhalb des Filmbildes ein korrelierendes Schaufenster eines Einrichtungshauses der gehobenen Klasse befand, aus dem die im Film benutzten Werkzeuge hätten stammen können, ging wohl bei vielen Zuschauern unter.</p>
<p>Dass die Vorliebe für ein Essen nach altem Rezept keinerlei Worte bedarf, zeigt der in einem Stehimbiss spielende Film <a href="http://daazo.com/film/e7819e14-faef-102b-80ef-000e2e531ae0"><em>Szalontüdo</em></a> (Szirmai Márton, 2006), der jedoch nicht an der Wand einer Dönerbude am Alten Kornmarkt gezeigt werden konnte. Der Besucherandrang übertraf die Prognosen der Veranstalter von 200 Personen um ein Vielfaches und so musste kurzerhand ein Restaurant nebenan herhalten.</p>
<p>Während die Menge von einer Stadtführerin durch die Gassen am Domgarten und an den Büroräumen des Bistums vorbei geführt wurde, bauten die Helfer die Projektionstechnik im Hof des Hotels Bischofshof wieder auf. Die Kulisse des Domschatzmuseums und der mächtigen, in den Nachthimmel ragenden Domtürmen dürften wohl eine äußerst spannende wie seltene Leinwand für <a href="http://www.formatcourt.com/2010/08/d-comme-der-da-vinci-timecode/"><em>Der Da-Vinci-Timecode</em></a> (Gil Alkabetz, 2009) dargeboten haben. Der Film fährt in rasant aneinander geschnittenen Standbildern aus der Detailgröße heraus, bis das bekannteste Bild Leonardo da Vincis, das Abendmahl, im Ganzen zu bestaunen ist.</p>
<p>Natürlich darf bei einer Stadtführung das Rathaus nicht fehlen, in dessen Räumlichkeiten knappe 200 Jahre lang der Immerwährende Reichstag Entscheidungen im Namen des Kaisers traf. Ob diese Entscheidungen wohl ähnliche Auswirkungen hatten, wie die Wahl zwischen Braunbär, Löwe oder Pony? Der humorvolle, wortgewaltige Schweizer Film<em> <a href="http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&amp;v=XLpU6e6SG4U">Der Conny ihr Pony</a></em> (Robert Pohle, Martin Hentze) wirkt kindlich naiv und zeigt doch den Balanceakt, den nicht nur kommunale Politik eingehen muss. Ob die Hamburger Künstlergruppe um die seit Jahrzehnten andauernde Diskussionen zu Stadthallenbau und zusätzlichen Donaubrücken weiß? Conny hat sich für das Pony entschieden und muss nun mit der Konsequenz leben, aufgrund der Breite des Ponys und der Breite der Türe nicht den millionenteuren Gelenkbus Nr. 3 benutzen zu können – egal, wie sie das Tier zu falten und drehen versucht.</p>
<p>Ähnlich voll wie der Bus im Film war auch der zentral gelegene Haidplatz, die letzte Station der Stadtführung. Wo früher Ritterturniere oder physikalische Experimente stattfanden und heute regelmäßig Konzerte veranstaltet werden, also schon immer Spektakel und Unterhaltung für einen Massenauflauf sorgen, nimmt sich auch „A Wall Is A Screen“ nicht aus. Der Experimentalfilm <a href="http://www.youtube.com/watch?v=7QWdOlH0oKI"><em>Dubus</em></a> (Alexei Dmitriev, 2005) basiert auf Bildzitaten aus Filmklassikern, die in ihrer Abspielgeschwindigkeit der Dynamik des taktgebenden Elektrojazz von Zelany Rashoho angepasst wurden. Mit kräftigem Applaus bedankten sich die Zuschauer bei den Veranstaltern, die wiederum mit dem gefakten Schlagerhit <a title="Kanu Joe" href="http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&amp;v=qOxbzYPC0pw"><em>Kanu Joe</em></a> (Martin Chramosta, 2010) beschwingt in die Nacht schickten.</p>
<p>Dass die Regensburger Kurzfilmwoche für das städtische Image wertvoll ist, wird von allen Seiten behauptet. Schließlich locken die Wettbewerbe überregionale Besucher an, die sich ansonsten wohl kaum in die Donaustadt verirren würden. Und doch bleiben Besucher leicht im Festivalzyklus hängen, eilen vom Hotel zu den Spielstätten und irgendwann wieder zurück. Die Stadt bleibt als Skyline, als Schemen zurück. Andererseits trifft man auch auf Bewohner, die sich vom Festival nicht angesprochen fühlen. Mit diesem Sonderprogramm hat sich die Regensburger Kurzfilmwoche besonderes charmant in der Stadt präsentiert und zudem Bewohnern wie Touristen eine besondere Stadtführung zukommen lassen.</p>
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		<title>Shame &#124; Wie der nächste Schuss</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Mar 2012 08:02:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Katja Grawinkel]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[Carey Mulligan]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Fassbender]]></category>
		<category><![CDATA[New York]]></category>
		<category><![CDATA[Pornografie]]></category>
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		<category><![CDATA[Steve McQueen]]></category>

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		<description><![CDATA[In den ersten zehn Minuten des Films ist Brandons Penis häufiger im Bild als sein Gesicht. So lernen wir die Hauptfigur in Steve McQueens &#8222;Shame&#8220; kennen. Brandon läuft nackt in kühlem Licht vom Schlafzimmer ins Bad, wobei er eine Namenlose &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/shame-film-kritik/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Shame+%7C+Wie+der+n%C3%A4chste+Schuss+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2446" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-2446" title="Shame" src="https://ssl-account.com/xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/03/shame-film.jpg" alt="Michael Fassbender von hinten" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Foto: Prokino GmbH (alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p>In den ersten zehn Minuten des Films ist Brandons Penis häufiger im Bild als sein Gesicht. So lernen wir die Hauptfigur in Steve McQueens &#8222;Shame&#8220; kennen. Brandon läuft nackt in kühlem Licht vom Schlafzimmer ins Bad, wobei er eine Namenlose zurücklässt. Zu dieser Choreographie fleht die Stimme seiner Schwester vom Anrufbeantworter darum zurückgerufen zu werden. Diese Szene wiederholt sich mehrmals, bevor wir es ausführlicher mit Brandons Antlitz zu tun bekommen. Mit seinem Raubtierblick schaut er im Hausflur und in der U-Bahn Frauen hinterher, verführt in Bars und Clubs gewandter als sein ständig quasselnder Kollege. Mit seinen Augen jagt er, was sein Körper braucht &#8211; Sexpartner in großer Zahl.<span id="more-2394"></span></p>
<p>Wenn Brandon (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Fassbender">Michael Fassbender</a>) keinen Sex hat, dann arbeitet er. Aber auch sein Arbeitsplatz spannt sich im Film zwischen dem Schreibtisch, von dem gerade der mit Pornos verseuchte Computer entfernt wurde, und den Toiletten auf, wo Brandon masturbiert. Wieder zu Hause empfängt er in seiner kargen Wohnung Prostituierte oder trifft sich mit ihnen im Online-Chat. Ohne viele Worte erzählt &#8222;Shame&#8220; von einem Mann, der Sex braucht. Mehr Sex als man vielleicht für normal hält? An Orten, die man vielleicht nicht adäquat findet? Definitiv aber ohne die romantischen Geschichten, in die er normalerweise im Film eingebettet wird.</p>
<p>Als Brandon dann doch so eine romantische Geschichte ausprobiert und sich mit seiner Arbeitskollegin Marianne verabredet, scheitert er ausgerechnet im Bett. Sex, Sympathie und so etwas wie Romantik scheinen bei ihm nicht zusammen zu gehen. Ähnlich ist es bei seiner jüngeren Schwester Sissy (Carey Mulligan), die nach zahllosen unbeantworteten Anrufen plötzlich bei ihm auftaucht. Sie wünscht sich im Gegensatz zu Brandon Liebe und Zuneigung, aber auch bei ihr reicht es nur für Bettgeschichten. Wo sie Halt in der geschwisterlichen Nähe sucht, droht für ihn die emotionale Bindung der beiden seinen wohl geordneten Alltag durcheinander zu bringen.</p>
<p>&#8222;Shame&#8220; erzählt eine merkwürdige Leidensgeschichte. Die Bilder und Episoden aus Brandons ausschweifendem Sex-Leben scheinen vertraut. New York lieferte die Kulisse für so viele urbane Mythen von freien und einsamen geschlechtlichen Wesen, dass man annehmen könnte &#8222;Shame&#8220; sei nur ein weiterer auf der Liste. Dass für Brandon der nächste Orgasmus so etwas wie der nächste Schuss eines Junkies ist &#8211; so zwingend wie unbefriedigend &#8211; erzählt der Film erst eilig im letzten Drittel. Welchen Teil in ihm das Auftauchen seiner Schwester anrührt, bleibt der Spekulation der Zuschauerin überlassen.</p>
<p>Das Leiden der Geschwister ist in der ersten Hälfte von &#8222;Shame&#8220; diffus &#8211; und wirkt in der zweiten, wenn sie außer Rand und Band geraten, hölzern. Brandons Absturz wird anhand eines nächtlichen Besuchs auf der Toilette eines Schwulenclubs erzählt (gar nicht queer!). Sissy schlitzt sich &#8211; ganz das Paradebild von der weiblichen Autoaggression &#8211; im Badezimmer die Pulsadern auf. Und warum? Weil unter dem postmodernen Bild entfesselter Sexualität etwas Unaussprechliches schlummert? Weil es ein schmaler Grad ist, zwischen der Abhängigkeit von Nähe, die den Menschen ausmacht, und einer Sucht nach körperlichen Kicks, die dem Individuum gefährlich wird? &#8222;Shame&#8220; ist schön gefilmt, aber so spärlich erzählt, dass am Ende die Anzahl der Lücken, die man selbst spekulativ füllen muss, Unzufriedenheit auslöst. Ob er provozieren wird, bleibt abzuwarten.</p>
<p><em>&#8222;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Shame_(Film)">Shame</a>&#8220; läuft seit dem 1. März in den deutschen Kinos.</em></p>
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		<title>Mit 18 ist man längst groß &#124; Die Regensburger Kurzfilmwoche</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Mar 2012 22:29:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Festival]]></category>
		<category><![CDATA[Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[18. Regensburger Kurzfilmwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Regensburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regensburger Kurzfilmwoche]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist ein Spagat, den die Regensburger Kurzfilmwoche zu machen scheint: Sie hat sich mit dem internationalen Wettbewerb einen beachtlichen Ruf erarbeitet, der Tausende von Einsendungen und spannende Gäste bringt. Gleichzeitig bezieht sie mit dem Bayern- und dem Regionalfenster lokalen &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/18-regensburger-kurzfilmwoche-2012/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Mit+18+ist+man+l%C3%A4ngst+gro%C3%9F+%7C+Die+Regensburger+Kurzfilmwoche+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2453" title="Regensburger Kurzfilmwoche" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/03/regensburger-kurzfilmwoche-schild.jpg" alt="Kinoschild des Festivals" width="720" height="306" /></p>
<p>Es ist ein Spagat, den die Regensburger Kurzfilmwoche zu machen scheint: Sie hat sich mit dem internationalen Wettbewerb einen beachtlichen Ruf erarbeitet, der Tausende von Einsendungen und spannende Gäste bringt. Gleichzeitig bezieht sie mit dem Bayern- und dem Regionalfenster lokalen Nachwuchs mit ein, der zugegebenermaßen auf einem anderen Niveau agiert, aber nicht minder wichtig genommen wird. Als wären diverse Wettbewerbsprogramme nicht genug, gibt es darüber hinaus jährliche Länder-, Werkschau- und Themenschwerpunkte. Dieses breite Programm wird von einem relativ kleinen Team gestemmt, das aber &#8211; und das macht den Charme des Festivals aus &#8211; von zahlreichen Helfern und allen wichtigen kulturellen Institutionen der Stadt unterstützt wird. Das Festival hat sich eine wichtige Rolle für die Stadt erarbeitet. 2012 ist es nun 18 Jahre alt &#8211; volljährig. Da findet auf der Eröffnung auch ein CSU-Oberbürgermeister ohne Probleme ein paar muntere Worte zum diesjährigen Sonderthema Pornografie (hier: &#8222;Porneaux&#8220;).<br />
<span id="more-2392"></span></p>
<h3>Globale Bewegungen</h3>
<p>Der Internationale Wettbewerb kommt ernsthaft und wichtig daher, mit Programmen, die mit &#8222;Heimatlos&#8220;, &#8222;Außenseiter&#8220; oder &#8222;Mensch und Tier&#8220; überschrieben sind. Die Produktionen, die es auf das Festival geschafft haben, sind oft technisch aufwändig und verhandeln Soziales, international Relevantes. So erzählt <em>El Somriure Amagat</em> (<em>The Hidden Smile</em>) eine Geschichte über Solidarität und Konkurrenz zwischen äthiopischen Straßenkindern. Ein neu hinzugekommener Außenseiter sucht nach einer Schlafstelle, Hilfe und Anerkennung. Der Film beobachtet sehr genau das Oszillieren zwischen kindlichem Spiel und knallhartem Überlebenssinn. Was als Machtspiel und Erpressung beginnt, kann sich durchaus in gemeinsamen Scherzen wieder auflösen. Dass man sich unser westliches Modell einer komfortablen Kindheit erst einmal leisten können muss, mag eine Binsenweisheit sein, der Film zeigt sie dennoch mit einer deutlichen Geschichte. Leider kann es sich das spanische Filmteam nicht verkneifen, die Protagonisten am Ende stumm, ernst und perfekt ausgeleuchtet noch mal für ein Portrait in die Kamera schauen zu lassen &#8211; eine objektifizierende Geste, die der Film zuvor sorgfältig vermieden hat.</p>
<p>Grenzen und Migration sind Teil vieler Geschichten. &#8222;International&#8220; bezeichnet in Regensburg nicht nur den Kreis der teilnehmenden Filmemacher, sondern auch ein Thema. Gleich zwei Filme beschäftigen sich mit mit dem Status des Kosovo, dessen Bürger noch immer nicht ohne Visum innerhalb der EU reisen dürfen. Erden, der Protagonist des Dokumentarfilms <em>Saluti Da Sar Planina</em>, wurde bereits als illegaler Einwanderer wieder aus Italien abgeschoben und schickt nun verzweifelt sarkastische Grüße an die verantwortlichen Polizeibeamten. In <em>The Wedding Tape</em> hingegen arbeitet Fis noch fieberhaft am letzten Beweisstück, das ihm die Aufenthaltserlaubnis in Deutschland bringen soll: dem gefälschten Video seiner Zweckhochzeit mit einer Deutschen.</p>
<h3>Lokale Kuriositäten?</h3>
<p>Wie als Gegenstück erscheint im Deutschen Wettbewerb dazu die Filmreihe Nr. 1 &#8222;Typisch Deutsch&#8220;. Neben eher schlichten Kuriositätenschauen wie <em>13. Deutsche Hirschrufermeisterschaft</em> oder <em>SM Heinzbert</em>, kommt auch politische Kost auf den Tisch. <em>Nazi Goreng</em> packt das Neonazi-Thema leicht und humorvoll an, die überzeugende Mockumentary <em>Vaterlandsliebe</em> bleibt da lieber eiskalt ambivalent und zwingt zum genauen Hinschauen. Die höfliche Kunstfigur Jens ist zwar latent homophob und rassistisch, aber ein Nazi ist er nicht. Die schwarze Haut seiner kenianischen Freundin ist doch Beweis genug. Mit ihr teilt er auch sein tief traditionelles Familienbild, in dem man &#8222;nicht immer alles hinterfragen muss&#8220;, was der Mann von der Frau will. Genau so wenig wie man diese Figur klar und deutlich politisch einsortieren kann, zeigen sich eben auch Sexismus, Rassismus und Homophobie immer deutlich, vielmehr tauchen sie im Alltag oft in kleinen, mehrdeutigen Gesten auf. <em>Vaterlandsliebe</em> lässt sich als Ansporn lesen, genau hinzuschauen und sich nicht auf ein klares Neonazi!-Feindbild zu verlassen.</p>
<p>Einen Überblick über das komplette Angebot der Regensburger Kurzfilmwoche zu bekommen, wäre dank einer klugen und systematischen Programmierung zwar möglich, aber nur mit einer großen Portion Disziplin und Koffein. Aber bereits stichprobenhaft lässt sich sagen: Alle Sektionen sind vielfältig kuratiert und zeigen wichtige aber auch unterhaltsame Highlights. Gelegentliche Enttäuschungen und stark variierende Projektionsqualität sind zu verschmerzen &#8211; und ohnehin normal für ein Kurzfilmfestival.</p>
<p><em><a href="http://kurzfilmwoche.de/">18. Regensburger Kurzfilmwoche</a>. 14.-21. März 2012. Ostentorkino, Filmgalerie, Kunstverein Graz, Kinokneipe in Regensburg</em>.</p>
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		<title>Cherry &#124; Porno, Film und Festivals (62. Berlinale)</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Mar 2012 17:14:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Festival]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Leinwand]]></category>
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		<category><![CDATA[Berlinale]]></category>
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		<category><![CDATA[Jacob Appelbaum]]></category>
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		<category><![CDATA[Pornografie]]></category>
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		<category><![CDATA[Sex-Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Stephen Elliott]]></category>
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		<category><![CDATA[transmediale 2k12]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8222;Cherry&#8220; heißt eigentlich Angelina und ist ein braves Hollywood-Mädchen. Sie erträgt stoisch die zerrütteten Verhältnisse zu Hause und macht nur eine kleine Szene als ihr Freund (Nr. 1) sie für eine saftige Provision an einen Kumpel vermittelt, der Nacktfotos von &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/cherry-62-berlinale-fucking-different-xxx-film/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Cherry+%7C+Porno%2C+Film+und+Festivals+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2345" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-2345" title="Cherry" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/cherry-film-berlinale.jpg" alt="Cherry und Rosenkavalier" width="720" height="322" /><p class="wp-caption-text">Foto: Rumpus Films (alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p>&#8222;Cherry&#8220; heißt eigentlich Angelina und ist ein braves Hollywood-Mädchen. Sie erträgt stoisch die zerrütteten Verhältnisse zu Hause und macht nur eine kleine Szene als ihr Freund (Nr. 1) sie für eine saftige Provision an einen Kumpel vermittelt, der Nacktfotos von ihr macht. Bei der ersten sich bietenden Gelegenheit türmt sie nach San Francisco, um endlich ein selbst bestimmtes Leben zu führen. Sie knüpft Kontakte zur Porno-Szene und verdient fortan ihre Brötchen als &#8222;Cherry&#8220; in pornografischen Filmen für eine Internetplattform. Und da hört das Hollywood-Dasein auf. Allen kulturellen Codes entsprechend müsste die schöne Blonde nun mindestens mit Koks vollgepumpt, verprügelt und vergewaltigt werden, bis sie begreift, in welchen Moloch sie geraten ist und sich eines Besseren besinnt. Der lupenreine Retter würde vor den Toren der pornografischen Alptraumfabrik bereits auf sie warten  &#8211; aber das passiert nicht.</p>
<p>Und genau das können einige Kritikerinnen dem Film <a href="http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/datenblatt.php?film_id=20126575">&#8222;Cherry&#8220;</a> von Stephen Elliott, der bei der 62. Berlinale Weltpremiere feierte, nicht verzeihen. <span id="more-2312"></span>Es ist fast rührend, wie die wenigen vorhandenen Kritiken zum Film nach dem Bösen suchen, das der Film scheinbar &#8222;offensichtlich&#8220; ausspart. So <a href="http://blogs.indiewire.com/theplaylist/berlinale-2012-review-however-hard-it-tries-cherry-fails-to-convince-us-that-a-career-in-porn-is-the-best-idea-ever">schreibt Jessica Kiang auf The Playlist</a>:</p>
<blockquote><p>In presenting the porn industry, without shading, as a refuge from addiction and exploitation and a career choice with great opportunities for upward mobility, at some point the film leaves the realm of believable narrative and enters that of propaganda (pornaganda?)</p></blockquote>
<p>In der Tat, die dunkle Seite der Pornoindustrie ist in &#8222;Cherry&#8220; keine interne Angelegenheit. Sie besteht vielmehr im Verhältnis zwischen der Welt der moralisch Überlegenen zum kulturellen Nichtort der Pornografie und allen, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Dass sogar Angelinas alkoholsüchtige Mutter und der koksende Boyfriend (Nr. 2) sich über sie und ihren Job erheben, zeigt die Distanz, die zwischen Sex-Arbeit und dem gesellschaftlich Anerkannten liegt. Stephen Elliott und seine Co-Autorin <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Lorelei_Lee_(pornographic_actress)">Lorelei Lee</a> wissen, wovon sie sprechen, beide sind oder waren selbst als Sex-Arbeiter tätig. Sie erzählen von der Porno-Industrie nicht als ausbeuterischem Moloch, sondern als routiniertem Business, in dem Frauen längst nicht nur vor der Kamera und schon gar nicht nur als hilflose Opfer agieren.</p>
<p>Auf einem anderen großen Berliner Festival, der <a href="http://schönschrift.org/tags/transmediale/">Transmediale</a>, sprach erst kürzlich der Netzaktivist <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jacob_Appelbaum">Jacob Appelbaum</a> im Rahmen des <a href="http://schönschrift.org/artikel/sex-und-arbeit-resource-for-transmedial-culture-transmediale-2k12/">reSource: sex-Programms</a> über seine Arbeit bei der Pornoproduktionsfirma kink.com. (Deren Hauptsitz in San Francisco dient übrigens als Kulisse in &#8222;Cherry&#8220;.) Appelbaum sprach von ziemlich normalen, keineswegs schmuddeligen Arbeitsverhältnissen. Normal allerdings auch im Sinne eines kapitalistischen finanziellen Drucks. Derselbe lastet auf Angelina in &#8222;Cherry&#8220;. Sie braucht Geld und trifft eine Wahl. Dass der Film diese Wahl (und jeden einzelnen damit verbundenen Schritt) beschreibt, ist sein großer Verdienst. Dass Kritikerinnen ihm genau das vorwerfen, zeigt auch ihre eigene Engstirnigkeit. Es zeigt sich aber in erster Linie die unumstößliche Grenze, die das Normale von der Pornografie trennt und auf der unsere (Hollywood-sozialisierte) Kultur basiert.</p>
<p>Auf der Ebene der Bilder überwindet &#8222;Cherry&#8220; diese Grenze selbst nicht. Die  skandalisierten Pornobilder bleiben klar aussortiert, sie werden im Film nicht gezeigt, die Hardcore-Drehs bleiben schön angedeutet. Die Kino-Zuschauer bleiben mit dem, was sie sehen dürfen, deutlich von dem fiktiven Porno-Publikum unterschieden, dem die fiktiven expliziten Aufnahmen vorbehalten sind. Das ist dem Filmmarkt geschuldet, der eine der prominentesten Bühnen für die Trennung zwischen Kunst und Porno ist. Tatsächlich pornografische Bilder hätten es auf die (eigentlich ja als mutig geltende) Berlinale wohl eher nicht geschafft.</p>
<p>Solche Bilder waren während der Berlinale-Woche statt dessen anderswo zu sehen. Parallel zu den Filmfestspielen zeigte das Kino Moviemento, in dem jährlich das <a href="http://schönschrift.org/tags/pornfilmfestival/">Berliner Pornfilmfestival</a> stattfindet, den Film &#8222;Fucking Different XXX&#8220;. Die Vorläufer der Queer-Crossover-Reihe &#8222;Fucking Different New York&#8220; und &#8222;Fucking Different São Paulo&#8220; waren noch im Berlinale Programm gelaufen &#8211; die enthielten aber auch keine explizite Pornografie, auf die sich die XXX-Version nun eingelassen hat. Vielleicht liegt es aber auch nicht an den Bildern allein, sondern an der allgemeinen Einfallslosigkeit des Kompilationsfilms. Die Idee schwule Regisseure lesbische Szenen inszenieren zu lassen (und umgekehrt) mag ihre identitätspolitische Schlagkraft verloren haben, das strenge Konzept wirkt nur mehr schematisch. Da können auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Todd_Verow">Todd Verow</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bruce_LaBruce">Bruce LaBruce</a> mit den bei weitem interessantesten Beiträgen nicht mehr viel reißen.</p>
<p>Im Berliner Festivalfrühjahr hat die Beschäftigung mit Sexualität und ihrer Medialisierung ihren Platz gefunden. Die kulturkonstituierende Unterscheidung zwischen Pornografie und hehrer Kunst ist damit noch nicht überwunden. Die Auseinandersetzung könnte differenzierter sein, auch mutiger, aber im besten Fall ist das ja erst der Anfang. Der Anfang der Revision einer Trennung zwischen Hollywoodheiligen und Huren, zwischen guten Bildern für den roten Teppich und schmutzigem Hinterzimmer-Kino. Den Forderungen der Sex-Arbeiter-Vereinigungen (z.B. <a title="Sex und Arbeit oder: Das Unsichtbare sichtbar machen | reSource for transmedial culture (transmediale 2k12)" href="/artikel/sex-und-arbeit-resource-for-transmedial-culture-transmediale-2k12/">NSWP</a>) käme so ein Aufbruch jedenfalls entgegen.</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-cherry-fucking-different-xxx.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-2347" title="Notizen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/notizen-fucking-different-xxx-thumb1.jpg" alt="Handschriftliche Notizen, Ausschnitt" width="275" height="275" /></a> <a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-cherry-fucking-different-xxx.pdf">Notizen zu diesem Artikel als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Cherry+%7C+Porno%2C+Film+und+Festivals+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>The Convoy &#124; Mission in Moskau (62. Berlinale)</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Feb 2012 07:05:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Festival]]></category>
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		<category><![CDATA[62. Berlinale]]></category>
		<category><![CDATA[Alexey Mizgirev]]></category>
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		<description><![CDATA[Weil er sich in einer Schlägerei viel zu rabiat verhalten hat, wird Ignat, Hauptmann bei der russischen Armee, auf eine Strafmission geschickt: Er soll zwei Deserteure zurückholen, die Geld aus der Kaserne gestohlen haben und damit auf dem Weg Richtung &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/the-convoy-film-berlinale/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=The+Convoy+%7C+Mission+in+Moskau+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2295" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-2295" title="The Convoy" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/the-convoy-film-berlinale.jpg" alt="Ignat und Artyom" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Foto: Anna Khushvakhtova (alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p>Weil er sich in einer Schlägerei viel zu rabiat verhalten hat, wird Ignat, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dienstgrade_der_Russischen_Streitkr%C3%A4fte#Landstreitkr.C3.A4fte">Hauptmann</a> bei der russischen Armee, auf eine Strafmission geschickt: Er soll zwei Deserteure zurückholen, die Geld aus der Kaserne gestohlen haben und damit auf dem Weg Richtung Moskau sind. Ignat wird als geheimnisvoller Charakter etabliert: Er ruft nach einer unsichtbaren &#8222;Tanya&#8220;, hat Migräne und fällt manchmal einfach um. Der Film <em>The Convoy</em> (dt.<em> Die Überführung</em>) im Panorama der Berlinale verspricht ein raues Roadmovie zu werden. <span id="more-2294"></span></p>
<p>Der <a href="http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/datenblatt.php?film_id=20123849">Katalogtext</a> feiert ihn als &#8222;Bitter, dunkel, kalt, blutig, dreckig, erbarmungslos und ohne Hoffnung auf Erlösung&#8220; mit Armee und Polizei als &#8222;Projektion einer Gesellschaft, deren Basis vom Verhältnis zwischen Macht und Unterwerfung, Dienstalter und Disziplin, physischer Gewalt und hierarchischem Statusdenken bestimmt wird.&#8220;</p>
<p>Die Bilderwelt des Films ist in der Tat düster und kalt und die Geschichte kreist um sich selbst. Einer der Deserteure begeht alsbald Suizid, der andere bildet gemeinsam mit Ignat und dessen Feldwebel von nun an eine lose Reisegesellschaft mit verschiedenen diffusen Interessen. Dass die drei nach einer kurzen Zeit in Moskau wieder in ihrer Kaserne landen ist von Anfang an zu ahnen. Es geht auch nicht um ein klares Ziel. Dass am Ende rein formal die Mission erfüllt ist, bleibt Nebensache.</p>
<p>Vielmehr kreiert Regisseur Alexey Mizgirev in einem Netz aus verschiedenen Machtverhältnissen, Wünschen und Werten einige wenige menschliche Momente. In fast allen Situationen sind die Verhältnisse klar: entweder ist durch die Institutionen die Hierarchie geklärt (&#8222;Die Polizei wird dich als Armeeangehörigen in Ruhe lassen&#8220;) &#8211; oder sie wird durch das Recht des Stärkeren mit Gewalt übergangen. Dem traumatisierten, verschlossenen Ignat stellt der Film Artyom, den zweiten Fahnenflüchtigen, zur Seite. Der junge, ursprünglich freiwillige Soldat versucht konsequent jede komplizierte Situation mit einem Lächeln und einem mittelmäßigen Witz zu retten. Sogar als er blutend am Boden liegt, klammert er sich noch an seinen Humor. Diese Lebenseinstellung repräsentiert im Film &#8211; mäßig originell &#8211; eine Clownsnase.</p>
<p>In einer der wenigen emotionalen Szenen des Films bekommt Ignat von Artyom ebenfalls eine Metapher für seinen Schmerz: einen Stein, den er in einer therapeutischen Geste wegwerfen soll. Er wird ihn bis zum Ende des Film bei sich tragen.</p>
<p>Zwischen den beiden ziellosen Charakteren spannt sich ein Zeitfenster der Zwischenmenschlichkeit auf. Am Ende aber sind weder die Clownsnase noch der Stein eine Antwort. Es dominiert der militärische Apparat.</p>
<p>Für eine direkte Kritik an Lebens- und Machtverhältnissen ist The Convoy zu klug. Wenn überhaupt, werden abstrakte Konzepte von Strafe und Kontrolle untersucht und ihre Willkür herausgestellt. Insgesamt verliert sich der Film aber in seinen überzeichneten Metaphern und den komplexen psychologischen Konzepten seiner Figuren.</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-convoy-berlinale.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-2304" title="Notizen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/notizen-convoy-berlinale-thumb.jpg" alt="Handschriftliche Notizen" width="275" height="275" /></a> <a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-convoy-berlinale.pdf">Notizen zu diesem Artikel als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=The+Convoy+%7C+Mission+in+Moskau+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Angriff auf die Demokratie &#8211; Eine Intervention &#124; Romuald Karmakar zur Lage des Globalen (62. Berlinale)</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Feb 2012 10:04:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Philipp Weber]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Festival]]></category>
		<category><![CDATA[Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[62. Berlinale]]></category>
		<category><![CDATA[Berlinale]]></category>
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		<category><![CDATA[Haus der Kulturen der Welt]]></category>
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		<category><![CDATA[Romuald Karmakar]]></category>

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		<description><![CDATA[Das System der Politik krankt – und damit alles, vom globalen, multinationalen, nationalen bis zum lokalen System. Schuld daran ist die Inszenierung. Dies ist eine der Botschaften die der Filmemacher Romuald Karmakar in seinem Berlinale-Beitrag aufzeigt. Dabei widersetzt er sich &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/angriff-auf-die-demokratie-eine-intervention-romuald-karmakar-62-berlinale/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Angriff+auf+die+Demokratie+%26%238211%3B+Eine+Intervention+%7C+Romuald+Karmakar+zur+Lage+des+Globalen+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2273" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-2273" title="angriff auf die demokratie" src="https://ssl-account.com/xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/angriff-auf-die.jpg" alt="" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Bild: Pantera Film (alle Rechte Vorbehalten)</p></div>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Das System der Politik krankt – und damit alles, vom globalen, multinationalen, nationalen bis zum lokalen System. Schuld daran ist die Inszenierung. Dies ist eine der Botschaften die der Filmemacher <a href="http://www.romuald-karmakar.de/">Romuald Karmakar</a> in seinem Berlinale-Beitrag aufzeigt. Dabei widersetzt er sich der Erwartungshaltung des Kinogängers, denn Karmakar hält sich als Filmemacher zurück, verwehrt sich einer filmischen Inszenierung im Sinne eines Eingriffs in das Quellmaterial. So wird aus dem Kinosaal ein Vortragssaal und aus dem Kinogänger ein Zuhörer einer Veranstaltung. Das Publikum im Kinosaal honoriert die Aussagen mit Applaus, ganz so, als wäre es selbst vor Ort, ganz so, als wäre es keine Aufzeichnung, sondern eine Liveübertragung. Der Film „<a href="http://www.facebook.com/events/203728626392884/">Angriff auf die Demokratie &#8211; eine Intervention</a>“ ist ein ungeschminkter Mitschnitt der gleichnamigen <a href="http://www.hkw.de/de/programm/2011/andere2011/veranstaltungen_53180/veranstaltungsdetail_69747.php">Veranstaltung</a> im Haus der Kulturen der Welt aus dem Jahr 2011, der so nicht geplant war, wie Karmakar im Anschluss an den Film erläutert.<span id="more-2272"></span></p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Erst im Nachhinein wurde aus dem hausinternen Mitschnitt und dem Rohmaterial für einen TV-Beitrag der Ablauf rekonstruiert, weshalb die Vortragenden nun überlebensgroß von der Leinwand blicken. Eine filmische Geste, die an anderer Stelle zu Diskussionen führen mag, sich in diesem Fall jedoch tatsächlich nur zufällig in die Präsentationsform einschreibt und zudem durch die Positionierung der Vortragenden zum gestellten Thema zusätzlich abgeschwächt wird. In alphabetischer Reihenfolge referieren also zehn Intellektuelle, Künstler und Publizisten vor einem schwarzen Hintergrund zur Lage der Demokratie, vor allem angesichts der Eurokrise.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Eine heikle Situation für die nichtgewählten Repräsentanten, die nun an unserer Stelle das aussprechen und damit auch greifbar machen sollen, was als Drohung in den alltäglichen Nachrichten mitschwingt. Wer kennt noch die Spielregeln, wer kann noch das System entwirren, fragen die Referenten und reihen sich mitsamt den Entscheidungsträgern und den Normalbürgern in die Reihe der Ahnungslosen ein. In Anbetracht der Rolle, die die Politik sowohl in der Bankenkrise als auch in der Finanzkrise spielt, und das sehr wahrscheinlich schon seit längerem, kann ihre Bilanz auch kaum anders ausfallen. Die geschlossene Gesellschaft aus Markt und Politik verquickt sich bis zur Unkenntlichkeit der Verantwortlichkeiten. So entziehen sich EU-Mitgliedsstaaten durch bilaterale Abkommen den Regularien des EU-Parlaments, verweisen jedoch an anderer Stelle auf eben diese Regularien. Das Ordnungssystem Demokratie entzieht sich zusehends seinen Souveränen, wenn es nicht wie beispielsweise die EU als von oben herab handelnd aufgefasst wird.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Der Tenor der Vortragenden ist einstimmig: Die Politik findet sich in den Fängen der Märkte, genauer der Finanzmärkte, wieder. Ratingagenturen und Börsenwerte bestimmen den Wert des Einzelnen und des Gemeinwohls schlechthin. Die Spekulation auf Gewinnerwartungen soll gerade jene Probleme lösen, die durch die Spekulation auf Gewinnerwartungen ausgelöst werden. Dass Demokratie jedoch Zeit braucht, um eine Lösung zu finden, die für den Souverän tragbar ist, Märkte jedoch keine Zeit haben, da die Börse ja bereits am nächsten Morgen aufmacht, ist ein Problem, das nicht nur <a href="http://www.reporter-forum.de/index.php?id=22&amp;tx_rfartikel_pi1[showUid]=360&amp;cHash=7282cdd97a04f5449661120ec3aa5fcf">Julia Encke</a> ausmacht. Auch das perfide Vorgehen der Politik, sich in der Bankenkrise ausgerechnet die Expertise von Bankern einzuholen, wird immer wieder aufgegriffen. So verkommt die Politik zusehends zur Zurschaustellung, der Politiker selbst zum reinen Entwurf, dessen äussere Verpackung mehr Aufmerksamkeit bekommt, als die Auseinandersetzung mit dem Inhalt.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY"><a href="http://www.friedrichvonborries.de/">Friedrich von Borries</a> Analyse des Politikers als Designprodukt könnte auf der Bühne des politischen Kabaretts gespielt sein. Allein nichts davon ist Satire, sondern mit dem Verweis auf die mediale Aufbereitung von Nichtigkeiten, wie die Kleiderwahl Merkels oder Schröders Haarfarbe, weitet sich die Kritik auf die alltägliche Wahrnehmung und damit die Konsumentenhaltung der Wahlbürger aus.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Das <a href="http://beauty.excite.de/lisa-kirk-revolution-ndash-tranengas-als-parfum-N38278.html">Luxusparfum in Form eines Molotowcocktails</a> als Sinnbild einer kommerziell ausgeweideten Kapitalismuskritik ist nur eine Form unter vielen. Werbung suggeriert Nähe zum Verbraucher, um den Verbraucher zu binden. Emotionen helfen, um aus dem Gegenlaufenden einen Mitlaufenden zu machen. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=KT16DcHcjRA">Levi&#8217;s</a> lässt grüßen. Schwerwiegender erscheint dabei das Schweigen der Journalisten, das Versagen der Gelehrten, also das Duckmäusertum der sogenannten Eliten. <a href="http://www.kwi-nrw.de/home/profil-hwelzer.html">Harald Welzer</a> hinterfragt den blinden Fleck, den der Selbsterhaltungstrieb auslöst und den er selbstkritisch auch an seiner eigenen Biografie aufzeigt. Argumentativ unterfüttert mit systemtheoretischen Erkenntnissen zur <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Wenn-147-Konzerne-die-ganze-Wirtschaft--kontrollieren-/story/24530287">globalen Wirtschaftsvernetzung</a>, die an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich gewonnen wurden, lässt sich so ein eiserner Vorhang zwischen 149 Global Players und dem faktischen Rest der Welt ausmachen. Wen wundert es da noch, wenn die Politik sich als machtlos erweist? Oder, wie <a href="http://www.faz.net/redaktion/nils-minkmar-11104351.html">Nils Minkmar</a> anmerkt, nicht mehr die Politikressorts über Politik berichten, sondern Journalisten aus den Ressorts Wirtschaft und Finanzen von den zahlreichen und doch zahnlosen Gipfeln zur Rettung der Welt berichten?</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Der Film lässt Fragezeichen im Raum stehen. Bewusst. Denn der Film ist eine Speerspitze, die sich nicht nur gegen ein Oben auflehnt, sondern sich auch gegen den Speerträger richtet. Die Vortragenden hinterfragen ihre eigene Professionen und damit auch die Position der Zuschauer, die als Konsumenten von Waren und Dienstleistungen, als vermeintliche Nutznießer von Sparangeboten und hohen Renditen dem System bislang unkritisch gegenüberstehen.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY"><a href="/wp-content/uploads/2012/02/angriff-demokratie-qa-karmakar.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-2289" title="Romuald Karmakar" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/angriff-demokratie-qa-karmakar-445x296.jpg" alt="Romuald Karmakar auf der Bühne" width="445" height="296" /></a>Was passiert nun anschließend mit diesem Film? Wird er in Programmkinos ein Schattendasein fristen? Derzeit, so Karmakar in der abschliessenden Publikumsdiskussion, laufen Gespräche mit den Produzenten über eine eventuelle TV-Ausstrahlung oder als Beileger in einer Tageszeitung, um so eine kostengünstige Distribution zu ermöglichen. Da unter den Produzenten auch ZDF und 3sat vertreten sind, sollte die Bereitstellung in der Mediathek möglich sein. Ob es jedoch zeitversetzt auch zu einer legalen kostenfreien Verteilung kommen wird, ließ der Filmemacher unbeantwortet. Es wäre wünschenswert, denn „Angriff auf die Demokratie &#8211; eine Intervention“ dient als Basis zu weiterführenden Diskussionen und damit auch zur Reflexion des eigenen Handelns.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY"><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen_angriff_auf_die_demokratie.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-2284" title="Notizen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/notizen_angriff_auf_die_demokratie.jpg" alt="Handschriftliche Notizen" width="275" height="275" /></a>  <a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen_angriff_auf_die_demokratie.pdf">Notizen zu diesem Artikel als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Angriff+auf+die+Demokratie+%26%238211%3B+Eine+Intervention+%7C+Romuald+Karmakar+zur+Lage+des+Globalen+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Empört euch, friedlich! &#124; Tony Gatlifs &#8222;Indignados&#8220; als Panorama-Eröffnungsfilm auf der 62. Berlinale</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Feb 2012 18:30:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Festival]]></category>
		<category><![CDATA[Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[62. Berlinale]]></category>
		<category><![CDATA[Berlinale]]></category>
		<category><![CDATA[Occupy]]></category>
		<category><![CDATA[Stéphane Hessel]]></category>
		<category><![CDATA[Tony Gatlif]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8222;Neues schaffen heißt Widerstand leisten. Widerstand leisten heißt Neues schaffen.&#8220; (Dieses und alle folgenden Zitate: EMPÖRT EUCH! von Stéphane Hessel, Berlin, 2011) &#8222;Die Gründe, sich zu empören, sind heutzutage nicht so klar auszumachen  die Welt ist zu komplex geworden. Wer &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/indignados-berlinale-gatlif-hessel/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Emp%C3%B6rt+euch%2C+friedlich%21+%7C+Tony+Gatlifs+%26%238222%3BIndignados%26%238220%3B+als+Panorama-Er%C3%B6ffnungsfilm+auf+der+62.+Berlinale+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2266" title="Occupy Berlinale" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/indignados-occupy-berlinale.jpg" alt="Zelte neben dem roten Teppich" width="720" height="306" /></p>
<blockquote><p>&#8222;Neues schaffen heißt Widerstand leisten. Widerstand leisten heißt Neues schaffen.&#8220;<br />
<small>(Dieses und alle folgenden Zitate: <em>EMPÖRT EUCH! </em>von Stéphane Hessel, Berlin, 2011)</small></p></blockquote>
<p>&#8222;Die Gründe, sich zu empören, sind heutzutage nicht so klar auszumachen  die Welt ist zu komplex geworden. Wer befiehlt, wer entscheidet?&#8220;(S. 13). Das Jahr 2011 brachte Bewegung in die trägen, unzufriedenen Massen unserer globalisierten, post-demokratischen Welt. <a href="http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/datenblatt.php?film_id=20126540"><em>Indignados</em></a> lässt die Energie des gewaltlosen Widerstands spüren, nimmt Anteil und ruft zur Partizipation am Protest auf. <span id="more-2262"></span> Inspiriert durch die Worte des Mitglieds der französischen Résistance Stéphane Hessel, der mit seinem Pamphlet <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emp%C3%B6rt_euch"><em>Empört euch!</em></a> (<em>Indignez-vous !</em>) eine generationsübergreifende und internationale Protestbewegung inspiriert hat, entschloss sich der Regisseur Tony Gatlif, die Streitschrift in seinem Film weiterleben zu lassen und die Botschaft des gewaltlosen Widerstands gegen soziale Ungerechtigkeit und die Diktatur der Finanzmärkte in die Welt zu tragen.</p>
<p>Zum sehr trocken moderierten, dafür aber umso charmanter übersetzten Gespräch im direkten Anschluss an den Film waren nicht nur der Regisseur und zwei seiner Darstellerinnen anwesend, sondern auch der mittlerweile über 90-jährige Autor des Buches, der mit seiner lebendigen und charismatischen Art beeindruckte und den für ihn bereit gestellten Sessel auf der Bühne keines Blickes würdigte. Selbst überrascht und begeistert vom Erfolg seines Buches und dem Gelingen des Films warnte Hessel jedoch vor übereiltem Enthusiasmus und forderte das Publikum mit erhobenen Händen auf, die Theorie Realität werden zu lassen. Gatlif bedankte sich bei Hessel für die Inspirationsquelle und betonte noch einmal, das Pamphlet des Autors als Ausgangspunkt für sein Skript verwendend, im &#8222;service de la réalité&#8220; zu handeln. Die so entstandene spannende Bildcollage in <em>Indignados</em> ist ein Resultat, das sowohl den Autor des Buches als auch Regisseur selbst sehr zufrieden stellt.</p>
<p>Der Film verbindet verschiedene Arten von Bildern: Mitschnitte von Aktionen der Occupy-Bewegung aus ganz Europa, Medienberichte über den <em>Arabischen Frühling</em>, dokumentarische Beobachtungen und inszenierte Szenen. Die Geschichte der jungen Westafrikanerin Betty, die als illegal Einreisende die traurige Realität der europäischen Flüchtlingspolitik zu spüren bekommt, führt den Zuschauer durch <em>Indignados</em>.</p>
<p>Das ersehnte Ziel Europa verwandelt sich nach der Ankunft in Griechenland schnell in einen Alptraum aus Matratzenlagern, Hunger, Perspektivlosigkeit, Stacheldraht und unwürdiger Behandlung durch Polizisten und Institutionen. Betty: &#8222;Better to be an animal, being a human is illegal here&#8220;. Trotzdem wird die Protagonistin von der Hoffnung angetrieben, dass am Ende alle gut werden wird. L&#8216;Espoire, die Hoffnung –  das ist auch ein starkes Motiv im Manifest Hessels.  Von Griechenland aus gelangt Betty nach Frankreich, wo sie aufgegriffen wird und nach einem kurzem Aufenthalt in einem Käfig-artigen Gefängniskomplex gewaltsam wieder nach Griechenland zurück geschickt wird. Und auch wenn Bettys Geschichte einem Drehbuch entstammt: Hier zeigt sich die Festung Europa, wie sie für viele Flüchtlinge traurige Realität ist. Ein mit Stacheldraht bestückter Zaun trennt die Flüchtlinge von der Fähre, die Touristen von der griechischen Insel zum Festland oder in europäische Nachbarländer bringen soll. Eine paradoxe und monströse Trennung:  Wie gefangene Tiere hinter Gittern beobachten die Gestrandeten das Verladen der schicken Autos und Motorräder auf das gigantische Schiff, das ironischerweise die Aufschrift „superfast.com“ trägt und dann schließlich im Zeitraffer ablegt. Betty gelingt schließlich der Versuch, den Zaun zu überqueren, sie gelangt per Fähre nach Spanien. Dort gerät sie in den zornigen aber fröhlichen Sog der aufgebrachten Protestierenden der <em>Democracia Real Ya</em>-Bewegung, marschiert mit in den pulsierenden Massen, tanzt zu den Trommeln, ruft die Slogans und tankt Energie, um dann schließlich doch wieder alleine auf einer Pappe in der Garage eines verlassenen Touristendorfs Schlaf zu finden.</p>
<p>Immer wieder wird der Zuschauer durch Bettys Augen auf die absurde und traurige Realität der sozialen Ungerechtigkeit gestoßen. Gatlif konfrontiert uns mit Tatsachen, die zwar nicht neu sind, in ihrer Drastik vor Augen geführt jedoch fordern: <em>Empört euch!</em> Es gibt genügend Gründe dafür. Hessel proklamiert zwei große neue Aufgaben an die Menschheit. Zum einen ruft er dazu auf, die immer größere Kluft zwischen Arm und Reich  zu bekämpfen. Zum anderen prangert er die leeren Versprechungen zur Umsetzung der Menschenrechte an und ruft die Gesellschaft auf, diese Rechte für alle einzufordern: &#8222;Noch nie war der Abstand zwischen den Ärmsten und den Reichsten so groß. Noch nie war der Tanz um das goldene Kalb –  Geld, Konkurrenz –  so entfesselt&#8220; (S. 9).</p>
<p>Immer wieder greift Gatlif in die ästhetische Zauberkiste eines Filmemachers. Berührend und verstörend ist z.B. die Passage, in der die Kamera die unzähligen improvisierten Schlafstätten der Flüchtlinge unter Brücken und Vorsprüngen an Bettys Ankunftsort in Griechenland besucht. Eingeblendete Texttafeln informieren den Zuschauer ansonsten kommentarlos über den Bewohner des jeweiligen Lagers und sein Alter: ganze Familien, von Teenagern bis zu 70-Jährigen hausen in erbärmlichen Zelten, Verschlägen oder einfach nur auf Matratzen oder improvisierten Unterlagen aus Pappe. Malerisch hingegen zeigt sich die Szene mit hunderten von Orangen, die fast enthusiastisch hüpfend, immer schneller werdend orientalisch anmutende  Gassen hinunter purzeln, oder das Zitat an die Wiederstandsbewegung im dritten Reich, als ein Regen aus bunten Flugblättern auf eine wütende Flamencotänzerin inmitten Grafitti-besprühter, brachliegender Hochhäuser hinunter segelt. Etwas dick aufgetragen hingegen wirken die vielen fliegenden Bücher und Zeitungen, die metaphorisch aufgeladen durch die Luft schwirren.</p>
<p>Medien spielen eine tragende Rolle in Indignados. Handys tragen die Szenen des Arabischen Frühlings zu den jungen unzufriedenen Bewohnern des südlichen Europas, die sich wiederum über Textnachrichten und Netzwerke wie Facebook versammeln und organisieren, aufbegehren und protestieren.</p>
<p>Wie der Autor ruft auch Gatlif zum unbewaffneten Widerstand auf. &#8222;Mischt euch ein, empört euch! Die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, die Intellektuellen, die ganze Gesellschaft dürfen sich nicht kleinmachen und kleinkriegen lassen von der internationalen Diktatur der Finanzmärkte, die es soweit gebracht hat, Frieden und Demokratie zu gefährden&#8220; (S. 10). Der Film präsentiert eine Menschen-unfreundliche Welt, in der verloren gegangene Individuen nach einem kleinen Platz im System suchen. Doch wie Hessel beruft sich auch Gatlif auf Hoffnung durch Bewegung, die den alarmierenden Zustand des Strebens nach einem Immer-Mehr, nach einem allgegenwärtigen, alles dominierenden materialistischen Maximierungsgedanken, der die Welt in die Krise gestürzt hat, besiegen kann: &#8222;Es ist eine Botschaft der Hoffnung, dass die Gesellschaften unserer Zeit Konflikte durch gegenseitiges Verständnis in wachsamer Geduld werden lösen können – auf der Grundlage unabdingbarer Rechte, deren Verletzung, von welcher Seite auch immer, unsere Empörung auslösen muss&#8220; (S. 19).</p>
<p>Das Mini-Occupy-Camp zu den Seiten des Roten Teppichs vor dem Eingang des Kino International bot einen schönen Kontrast zum gediegenen Berlinale-Glamour.</p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Emp%C3%B6rt+euch%2C+friedlich%21+%7C+Tony+Gatlifs+%26%238222%3BIndignados%26%238220%3B+als+Panorama-Er%C3%B6ffnungsfilm+auf+der+62.+Berlinale+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>The Artist &#124; Wir müssen reden</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 14:25:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Christoph Krenzer]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[Berenice Bejo]]></category>
		<category><![CDATA[Jean Dujardin]]></category>
		<category><![CDATA[Michel Hazanavicius]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstreferenz]]></category>
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		<category><![CDATA[Ton]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Leinwand öffnet sich. Wir sehen einen Stummfilm, begleitet von Orchestermusik. Die Kamera fährt zurück und man begreift, dass der Stummfilm auf einer Kinoleinwand vor Publikum gezeigt wird und die Kapelle live im Kinosaal aufspielt. Dann ein Blick hinter die &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/the-artist-film-stummfilm/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=The+Artist+%7C+Wir+m%C3%BCssen+reden+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2167" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-2167" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/the-artist.jpg" alt="Filmbild mit den Hauptdarstellern" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Foto: Delphi Filmverleih (Alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p>Die Leinwand öffnet sich. Wir sehen einen Stummfilm, begleitet von Orchestermusik. Die Kamera fährt zurück und man begreift, dass der Stummfilm auf einer Kinoleinwand vor Publikum gezeigt wird und die Kapelle live im Kinosaal aufspielt. Dann ein Blick hinter die Leinwand, wo der Star des Films, George Valentin (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Dujardin">Jean Dujardin</a>), steht und seine eigene überlebensgroße Projektion betrachtet. Kurz darauf ist der Film zu Ende, das Orchester spielt die letzten Takte. Wir sehen das Publikum in frenetischen Applaus ausbrechen, als George vor die Leinwand tritt, und wir hören: gar nichts. Erst ein paar Sekunden später setzt die Begleitmusik wieder ein. Der Film, den wir sehen heißt „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_Artist_%28Film%29">The Artist</a>“ und ist ein Stummfilm. Zumindest tut er so. <span id="more-2166"></span></p>
<p>Die Handlung in Kurzform: 1927. Der Stummfilmstar George Valentin ist auf dem Höhepunkt seines Ruhms angelangt, die Filmindustrie liegt ihm genauso zu Füßen wie die Boulevard-Presse und die schönen Frauen. Doch das Unheil für George naht in Form des Tonfilms, dem er sich stur so lange verweigert, bis ihn der finanzielle und künstlerische Bankrott ereilt. Nur die junge aufstrebende Tänzerin und Schauspielerin Peppy Miller (gespielt von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%A9r%C3%A9nice_Bejo">Berenice Bejo</a>), der George einst zu ihrer ersten Rolle verhalf und die inzwischen der neue Star der „Talkies“ ist, rettet George am Ende vor sich selbst. Und dann wird alles gut.</p>
<p>Neben einer klassischen Liebesgeschichte erzählt der Film von Regisseur <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Michel_Hazanavicius">Michel Hazanavicius</a> also von einer unaufhaltsamen Medienrevolution. Wer sich dem technischen Fortschritt verweigert, so erfährt man, sei es aus Ignoranz oder aus Selbstüberschätzung, der wird untergehen. Die Handlung wird getragen von einem fantastisch aufspielenden Ensemble, angeführt von Jean Dujardin, der für seine Leistung bereits mit dem Golden Globe und dem Screen Actors Guild Award ausgezeichnet wurde und damit auch als ein Favorit ins Rennen um den Oscar geht. Es ist beeindruckend, wie alle Beteiligten scheinbar mühelos Stil und Gestus einer eigentlich nicht mehr praktizierten Schauspielform aufgreifen und wieder zum Leben erwecken.</p>
<p>Was den Film neben der schauspielerischen Leistung sehenswert macht, ist das Spiel mit der Selbstreferenz, das kunstvoll auf mehreren Ebenen gespielt wird. Denn „The Artist“ ist kein Stummfilm. Es ist ein Tonfilm, der in einer Stummfilm-Welt spielt. Die Figuren verhalten sich wie die Akteure eines Stummfilms, die Handlung wird mit den Mitteln des Stummfilms erzählt (über Zwischentitel und abgefilmte Zeitungsartikel wird man immer wieder über wichtige Entwicklungen informiert). Kurz: Die Oberfläche des Films lässt auf den ersten Blick keine Zweifel daran, dass es sich um eine liebevoll gemachte Hommage an eine vergangene Film-Ära handelt. Aber hinter der traditionell anmutenden Inszenierung verbirgt sich ein absolut heutiger Sinn für Ironie und Selbstreferenz. Der Klang der Welt scheint nur darauf zu warten, durch die stumme Oberfläche des Films zu brechen – und tut dies auch immer wieder, beispielsweise wenn George in einer Sequenz des Films auf einmal seine Umgebung hören kann. Das Stuhlbein kratzt plötzlich hörbar über den Boden, von draußen hört man Autos und die Stimmen von Menschen und auch das Whiskeyglas macht nun Geräusche, wenn man es auf den Tisch stellt. Nur George selbst bleibt unhörbar, ein Gefangener der stummen Welt. Gut, dass sich alles nur als böser Traum herausstellt und die Welt am nächsten Morgen wieder den Gesetzen des Stummfilms gehorcht.</p>
<p>Neben solchen Szenen, in denen der Selbstbezug auf der Formebene stattfindet, ist auch die Handlung des Films durchzogen von mal mehr, mal weniger offensichtlichen Selbstreferenzen und ironischen Kommentaren. So etwa, wenn Tonfilmdiva Peppy mit ausladender Gestik und Mimik in einem Interview verkündet, dass der neue Tonfilm ebendieses übertriebene Spiel ja nun glücklicherweise unnötig gemacht habe. Oder wenn Georges Ehefrau ihn per Zwischentitel doppeldeutig auffordert: „We have to talk, George.“ Die große Leistung des Films besteht bei all dieser Selbstbezüglichkeit darin, dass diese niemals aufgesetzt wirkt und gleichzeitig aus einer netten, unterhaltsamen Genre-Hommage einen wirklich interessanten, vielschichtigen Film macht.</p>
<p><em>„The Artist“ ist seit dem 26.01. 2012 in den deutschen Kinos zu sehen.<br />
(<a href="http://theartist-derfilm.de/">Filmwebsite und Trailer</a>)<br />
</em></p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-the-artist.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-2168" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/notizen-the-artist-thumb.jpg" alt="Handschriftliche Notizen, Ausschnitt" width="275" height="275" /></a><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-the-artist.pdf">Notizen zu diesem Artikel als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=The+Artist+%7C+Wir+m%C3%BCssen+reden+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Die Entdeckung Deutschlands durch die Marsbewohner &#124; Vortrag von Britta Lange über eine fiktive Ethnografie</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Jan 2012 17:30:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Gastautor]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dieser Text ist das Ergebnis eines Schönschrift-Experiments. Im Rahmen der Vorlesungsreihe Konstruktiv. Gender, Class, Race &#38; Bodies. an der Fachhochschule Potsdam durften wir unseren Blog präsentieren. Alle Besucher des anschließenden Vortrags waren eingeladen, diesen Text in Kollaboration zu erstellen. So &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/die-entdeckung-deutschlands-durch-die-marsbewohner-eine-fiktive-ethnografie-britta-lange-vortrag/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Die+Entdeckung+Deutschlands+durch+die+Marsbewohner+%7C+Vortrag+von+Britta+Lange+%C3%BCber+eine+fiktive+Ethnografie+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2020" class="wp-caption alignnone"><a href="/wp-content/uploads/2012/01/entdeckung-mars-nachrichten-full.jpg"><img class="size-full wp-image-2020" title="entdeckung-mars-nachrichten" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/01/entdeckung-mars-nachrichten.jpg" alt="" width="720" height="306" /></a><p class="wp-caption-text">Die Redaktion der Marszeitung: &quot;Der Sonnensee&quot; (Bild: Lichtbildbühne Nr. 8, 24.2.1917, Anzeige, S. 14-15. Alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p><em>Dieser Text ist das Ergebnis eines Schönschrift-Experiments. Im Rahmen der Vorlesungsreihe <a href="http://interflex.incom.org/projekt/41"><strong>Konstruktiv. Gender, Class, Race &amp; Bodies.</strong></a> an der Fachhochschule Potsdam durften wir unseren Blog präsentieren. Alle Besucher des anschließenden Vortrags waren eingeladen, diesen Text in Kollaboration zu erstellen. So kommt es, dass dieser Artikel vier Autor_innen hat: Till Claassen, Katja Grawinkel, Johanna Heide und Philipp Weber.  Alle Notizen wurden dazu miteinander geteilt, sie sind unten zu sehen. Der Text entstand dann im Echtzeit-Kollaborations-Tool <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Etherpad">Etherpad</a>.</em></p>
<p>Der Vortrag &#8222;Die Entdeckung Deutschlands durch die Marsbewohner. Eine fiktive Ethnografie&#8220; von Britta Lange behandelte einen Science-Fiction-Propagandafilm von 1917. <span id="more-2018"></span>Der ursprünglich etwa einstündige Film existiert heute nur noch in einem ca. 18 Minuten langen Zusammenschnitt einer niederländischen Kopie. Das vorhandene Material wurde im Laufe des Vortrags komplett gezeigt, den verlorenen Rest des Films rekonstruierte Lange anhand der in einer Zensurkarte von 1924 überlieferten Zwischentitel des Stummfilms. Der Vortrag war damit nicht nur eine rare Präsentation von gut gehütetem Material, sondern auch ein Lehrstück in medienhistorischer Quellenkunde &#8211; und dabei unterhaltsam.</p>
<p>Die Ankunft von Marsbewohnern auf der Erde ist im Fahrwasser der Moderne ein beliebtes Thema. Auch &#8222;Die Entdeckung Deutschlands durch die Marsbewohner&#8220; greift den Mythos der überlegenen Wesen aus dem All auf und verortet den Ursprung der Außerirdischen ebenso auf dem Mars. Auf Grund seiner Helligkeit konnten Phänomene auf der Oberfläche schon zu <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Kepler">Johannes Kepplers</a> Zeiten beobachtet werden, die  Erklärungsansätze trieben die Spekulation auf außerirdisches Leben an. So wurden variierende Flecken im 18. Jahrhundert als Vegetationszonen beschrieben, wenig später wurden Gräben entdeckt, die von der Sensationspresse kurzerhand als künstliche Kanäle und damit zur Leistung von Ingenieuren erhoben wurden.  Dass der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mars_%28Planet%29">rote Planet</a> von den Erdlingen den Namen des Kriegsgottes erhielt, färbt auch auf die Vorstellungen von den Marsbewohnern ab, die fortan als technologisch überlegene, die Menschheit bedrohende Lebensform gesehen wurden. In H. G. Wells &#8222;<a href="http://www.gutenberg.org/ebooks/36">The War of the Worlds</a>&#8220; von 1898 steht die menschliche Zivilisation vor der Vernichtung durch die Marsianer. In Anbetracht der zahlreichen Konflikte und des sich anbahnenden Ersten Weltkrieges, lässt sich der Mythos des Außerirdischen zusammenfassen: Das Fremde kommt bedrohlich näher und ist uns weit überlegen!</p>
<div id="attachment_2026" class="wp-caption alignright"><a href="/wp-content/uploads/2012/01/entdeckung-mars-landung.jpg"><img class="size-medium wp-image-2026" title="entdeckung-mars-landung" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/01/entdeckung-mars-landung-445x335.jpg" alt="" width="445" height="335" /></a><p class="wp-caption-text">Bild: Lichtbildbühne Nr. 8, 24.2.1917, Anzeige, S. 14-15. Alle Rechte vorbehalten.</p></div>
<p>Nicht zuletzt dadurch erscheint der friedliche Besuch der Marsianer im Film besonders bemerkenswert. Kann doch der einzige &#8222;neutrale&#8220; Beobachter zu Zeiten des Ersten Weltkriegs nur von Außen kommen &#8211; und damit aus dem Weltraum. Dort wird verlautbart, die Deutschen befänden sich nach zwei Jahren des Krieges in der Krise und stünden kurz vor der Niederlage. Das kann natürlich weder das zeitgenössische Kinopublikum glauben noch die außerirdischen Erden- (und Deutschen-)Freunde. Die Expedition zur Erde soll Klarheit verschaffen. Und sie tut es, gemäß der propagandistischen Zielsetzung. So werden nicht nur Nahrung und Luxusgüter in Hülle und Fülle &#8211; und in authentisch anmutenden Filmbildern &#8211; gezeigt, sondern auch die Herstellung von Kriegsgerät in den Krupp-Werken oder der Verweis auf die technologischen Fähigkeiten im U-Bootbau oder der intakten Verkehrsinfrastruktur der Reichsbahn.</p>
<p>Wohlgemerkt sieht die Realität im Frühjahr ganz anders aus: Der Winter 1916/17 gilt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/1._Weltkrieg#Kriegswirtschaft_1914_bis_1916">als Ernährungskrise</a>, da nicht nur Ernteausfälle des Vorjahres die Bevölkerung treffen, sondern auch die Versorgung der Großstädte im Winter durch Verkehrsschwierigkeiten zusammenbricht. Wie passt hier die erlebte Realität und die filmische Welt zusammen? Ist der Film also nur bedingt für den deutschen Kinomarkt produziert worden? Die im Bundesarchiv aufgetauchten 18 Minuten haben niederländische Zwischentitel, insofern liegt die Vermutung nahe, dass der Film hinter und in der Nähe der feindlichen Linien ein starkes Deutsches Reich präsentieren soll.</p>
<p>Die Kulturwissenschaftlerin Lange ordnet &#8222;Die Entdeckung Deutschlands durch die Marsbewohner&#8220; in einen Kontext medienbasierten Wissens über das Eigene und das Fremde ein. So waren zu Beginn des 20. Jahrunderts filmische Dokumente aus ethnografischen Forschungsreisen populär, die &#8222;Wilde&#8220;, &#8222;Zigeuner&#8220; oder &#8222;Neger&#8220; zeigten &#8211; und nebenbei Zeugnis von der Überlegenheit der eigenen Wissenschaft und Medientechnik ablegten. &#8222;Die Entdeckung Deutschlands&#8230;&#8220; dreht den Spieß um. Das Eigene wird durch die Augen der Fremden gesehen, die man sich freilich selbst erschafft. Dieses Fremde wird dabei vom Feindlichen unterschieden, von dem nur falsche Propaganda zu erwarten ist, und stattdessen mit den eigenen Methoden fortschrittlichen und neutralen Forschens ausgestattet. So entsteht ein auf den ersten Blick selbstreflektierter Film, der tatsächlich jedoch &#8211; da Beobachtete und Beobachtende letzlich identisch sind &#8211; eher affirmativ und heuchlerisch ist: ein Propagandafilm.</p>
<p>Lange kommt in ihrem beeindruckenden Vortrag, der &#8222;Die Entdeckung Deutschlands&#8230;&#8220; als ein Stück Filmgeschichte in den größeren Kontext der Ethnografie einbettet, zu dem Schluss, dass die Grenzen zwischen (Science-)Fiktion und wissenschaftlicher Wahrheitssuche weniger klar gezogen werden können, als gemeinhin angenommen. Erst recht nicht, wenn man die mediale Verfasstheit beider Felder ernst nimmt.</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2012/01/notizen-entdeckung.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-2023" title="notizen-entdeckung-thumb" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/01/notizen-entdeckung-thumb.jpg" alt="" width="275" height="275" /></a><a href="/wp-content/uploads/2012/01/notizen-entdeckung.pdf">Notizen zu diesem Artikel als PDF.</a> Die Entstehung dieses Textes ist komplett <a href="https://etherpad.mozilla.org/ep/pad/view/ro.fWC2l8HQVUn/latest">im dazugehörigen Etherpad nachvollziehbar</a>.</p>
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