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	<title>Schönschrift &#187; Philipp Weber</title>
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	<description>Notizen zur Kultur</description>
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		<title>Lichtbespielte Häuser &#124; „A Wall Is A Screen“ bei der 18. Regensburger Kurzfilmwoche</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Mar 2012 09:16:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Philipp Weber]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[18. Regensburger Kurzfilmwoche]]></category>
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		<description><![CDATA[Wenn zwischen 300 und 900 Menschen als Pulk durch eine Stadt ziehen, muss es eine Demo sein. Oder ein Fußballspiel. Da aber keinerlei Polizeikräfte die Seiten flankieren, keine Fahnen geschwungen und Parolen skandiert werden, könnte es sich auch um einen &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/a-wall-is-a-screen-18-regensburger-kurzfilmwoche-2012/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Lichtbespielte+H%C3%A4user+%7C+%E2%80%9EA+Wall+Is+A+Screen%E2%80%9C+bei+der+18.+Regensburger+Kurzfilmwoche+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2471" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/03/a-wall-is-a-screen-regensburg.jpg" alt="Zuschauer in Regensburg" width="720" height="268" /></p>
<p>Wenn zwischen 300 und 900 Menschen als Pulk durch eine Stadt ziehen, muss es eine Demo sein. Oder ein Fußballspiel. Da aber keinerlei Polizeikräfte die Seiten flankieren, keine Fahnen geschwungen und Parolen skandiert werden, könnte es sich auch um einen überraschend erfolgreichen Flashmob handeln. Die staunenden Gesichter, die am 17.03.2012 aus den Fenstern solch einem Zug nachblickten, konnten sich wohl keinen Reim auf die Aktion machen. Wer hingegen auf der Straße den Zug kreuzte, konnte sich aufklären lassen und sich dem Treiben anschließen. Schließlich war dies eine Aktion der Hamburger Künstlergruppe <a href="http://www.awallisascreen.com/">„A Wall Is A Screen“</a> im Rahmen der <a href="http://www.regensburger-kurzfilmwoche.de/">18. Regensburger Kurzfilmwoche</a>. Der Grund, sich dem Pulk anzuschließen: An ausgesuchten Fassaden im öffentlichen Raum wurden Filme projiziert, die sich mit dem Umfeld in Bezug setzen lassen. <span id="more-2456"></span></p>
<p>Zunächst allerdings wurden die Besucher mit zwei Kurzfilmen darauf eingestimmt, die Stadt nicht mit gewohnten Augen wahrzunehmen, sondern sich auf das Neue einzulassen. <a href="http://www.sixpackfilm.com/en/catalogue/show/1748"><em>Corners</em></a> (Derek Roberts, 2008) zeigt einige Möglichkeiten auf, wie urbane Architektur auch zu erleben sein könnte. In halsbrecherischem Tempo springt der Darsteller über Mülltonnen und Trennwände, schwingt sich über Geländer und lässt seinen Weg von Wandvorsprüngen vorschreiben.</p>
<p>Dass als Leinwand gerade die Fassade eines Kaufhauses am Regensburger Neupfarrplatz herhielt, kam nicht von ungefähr: Aus dem zierlichen Ensemble mittelalterlicher Häuser sticht der große und wuchtige Betonbau aus den 1970ern besonders hervor. Dass sich zudem der Bau, der Elemente des Doms aufnimmt und sich so in das Altstadtensemble zu integrieren versucht, mit der Fassade der ehemaligen Feuerwache schmückt, lässt sich zudem auf die Compositingtechnik des zweiten Films spiegeln. Die Mockumentary <a href="http://www.youtube.com/watch?v=7V34R5An7Ak"><em>The Centrifuge Brain Project</em></a> (Till Nowak, 2011, auch gezeigt im Deutschen Wettbewerb des Festivals) zeigt den Vergnügungspark als Versuchslabor. Die perfekte Illusion der Karusselle und Riesenräder, die sich der Schwerkraft und Logik zu widersetzen scheinen, gelingt im Übergang zwischen realer Aufnahme und digital erzeugten Elementen.</p>
<p>Der Film, letztendlich auch mit dem diesjärigen Publikumspreis ausgezeichnet, lockte auch viel Laufpublikum und so zogen wesentlich mehr Interessierte in freudiger Erwartung zum nächsten Spielort mit. Zwischen Fenstern, die den Wohnraum verbergen, gewährten die Kuratoren einen besonders überraschenden Blick hinter die Wand. Die Highkey-Ästhetik der Bilder von <a href="http://www.youtube.com/watch?v=foYTAmStiJg"><em>A Alma Do Negócio &#8211; Die Seele des Geschäfts</em></a> (José Roberto Torero, 1996) ist der Werbewelt entnommen. Dass jedoch den Zuschauern das Lachen zunehmend im Halse stecken blieb, lag an der blutigen Auseinandersetzung, die sich im Film aus einer gemütlich-harmonischen Frühstückssituation entspinnt. Stets umhüllt mit der Leichtigkeit des überzuckerten Dialogs zwischen ihr und ihm präsentieren sie sich gegenseitig ihre bevorzugten Produkte der Verstümmelung. Dass sich unterhalb des Filmbildes ein korrelierendes Schaufenster eines Einrichtungshauses der gehobenen Klasse befand, aus dem die im Film benutzten Werkzeuge hätten stammen können, ging wohl bei vielen Zuschauern unter.</p>
<p>Dass die Vorliebe für ein Essen nach altem Rezept keinerlei Worte bedarf, zeigt der in einem Stehimbiss spielende Film <a href="http://daazo.com/film/e7819e14-faef-102b-80ef-000e2e531ae0"><em>Szalontüdo</em></a> (Szirmai Márton, 2006), der jedoch nicht an der Wand einer Dönerbude am Alten Kornmarkt gezeigt werden konnte. Der Besucherandrang übertraf die Prognosen der Veranstalter von 200 Personen um ein Vielfaches und so musste kurzerhand ein Restaurant nebenan herhalten.</p>
<p>Während die Menge von einer Stadtführerin durch die Gassen am Domgarten und an den Büroräumen des Bistums vorbei geführt wurde, bauten die Helfer die Projektionstechnik im Hof des Hotels Bischofshof wieder auf. Die Kulisse des Domschatzmuseums und der mächtigen, in den Nachthimmel ragenden Domtürmen dürften wohl eine äußerst spannende wie seltene Leinwand für <a href="http://www.formatcourt.com/2010/08/d-comme-der-da-vinci-timecode/"><em>Der Da-Vinci-Timecode</em></a> (Gil Alkabetz, 2009) dargeboten haben. Der Film fährt in rasant aneinander geschnittenen Standbildern aus der Detailgröße heraus, bis das bekannteste Bild Leonardo da Vincis, das Abendmahl, im Ganzen zu bestaunen ist.</p>
<p>Natürlich darf bei einer Stadtführung das Rathaus nicht fehlen, in dessen Räumlichkeiten knappe 200 Jahre lang der Immerwährende Reichstag Entscheidungen im Namen des Kaisers traf. Ob diese Entscheidungen wohl ähnliche Auswirkungen hatten, wie die Wahl zwischen Braunbär, Löwe oder Pony? Der humorvolle, wortgewaltige Schweizer Film<em> <a href="http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&amp;v=XLpU6e6SG4U">Der Conny ihr Pony</a></em> (Robert Pohle, Martin Hentze) wirkt kindlich naiv und zeigt doch den Balanceakt, den nicht nur kommunale Politik eingehen muss. Ob die Hamburger Künstlergruppe um die seit Jahrzehnten andauernde Diskussionen zu Stadthallenbau und zusätzlichen Donaubrücken weiß? Conny hat sich für das Pony entschieden und muss nun mit der Konsequenz leben, aufgrund der Breite des Ponys und der Breite der Türe nicht den millionenteuren Gelenkbus Nr. 3 benutzen zu können – egal, wie sie das Tier zu falten und drehen versucht.</p>
<p>Ähnlich voll wie der Bus im Film war auch der zentral gelegene Haidplatz, die letzte Station der Stadtführung. Wo früher Ritterturniere oder physikalische Experimente stattfanden und heute regelmäßig Konzerte veranstaltet werden, also schon immer Spektakel und Unterhaltung für einen Massenauflauf sorgen, nimmt sich auch „A Wall Is A Screen“ nicht aus. Der Experimentalfilm <a href="http://www.youtube.com/watch?v=7QWdOlH0oKI"><em>Dubus</em></a> (Alexei Dmitriev, 2005) basiert auf Bildzitaten aus Filmklassikern, die in ihrer Abspielgeschwindigkeit der Dynamik des taktgebenden Elektrojazz von Zelany Rashoho angepasst wurden. Mit kräftigem Applaus bedankten sich die Zuschauer bei den Veranstaltern, die wiederum mit dem gefakten Schlagerhit <a title="Kanu Joe" href="http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&amp;v=qOxbzYPC0pw"><em>Kanu Joe</em></a> (Martin Chramosta, 2010) beschwingt in die Nacht schickten.</p>
<p>Dass die Regensburger Kurzfilmwoche für das städtische Image wertvoll ist, wird von allen Seiten behauptet. Schließlich locken die Wettbewerbe überregionale Besucher an, die sich ansonsten wohl kaum in die Donaustadt verirren würden. Und doch bleiben Besucher leicht im Festivalzyklus hängen, eilen vom Hotel zu den Spielstätten und irgendwann wieder zurück. Die Stadt bleibt als Skyline, als Schemen zurück. Andererseits trifft man auch auf Bewohner, die sich vom Festival nicht angesprochen fühlen. Mit diesem Sonderprogramm hat sich die Regensburger Kurzfilmwoche besonderes charmant in der Stadt präsentiert und zudem Bewohnern wie Touristen eine besondere Stadtführung zukommen lassen.</p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Lichtbespielte+H%C3%A4user+%7C+%E2%80%9EA+Wall+Is+A+Screen%E2%80%9C+bei+der+18.+Regensburger+Kurzfilmwoche+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Angriff auf die Demokratie &#8211; Eine Intervention &#124; Romuald Karmakar zur Lage des Globalen (62. Berlinale)</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Feb 2012 10:04:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Philipp Weber]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das System der Politik krankt – und damit alles, vom globalen, multinationalen, nationalen bis zum lokalen System. Schuld daran ist die Inszenierung. Dies ist eine der Botschaften die der Filmemacher Romuald Karmakar in seinem Berlinale-Beitrag aufzeigt. Dabei widersetzt er sich &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/angriff-auf-die-demokratie-eine-intervention-romuald-karmakar-62-berlinale/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Angriff+auf+die+Demokratie+%26%238211%3B+Eine+Intervention+%7C+Romuald+Karmakar+zur+Lage+des+Globalen+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2273" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-2273" title="angriff auf die demokratie" src="https://ssl-account.com/xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/angriff-auf-die.jpg" alt="" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Bild: Pantera Film (alle Rechte Vorbehalten)</p></div>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Das System der Politik krankt – und damit alles, vom globalen, multinationalen, nationalen bis zum lokalen System. Schuld daran ist die Inszenierung. Dies ist eine der Botschaften die der Filmemacher <a href="http://www.romuald-karmakar.de/">Romuald Karmakar</a> in seinem Berlinale-Beitrag aufzeigt. Dabei widersetzt er sich der Erwartungshaltung des Kinogängers, denn Karmakar hält sich als Filmemacher zurück, verwehrt sich einer filmischen Inszenierung im Sinne eines Eingriffs in das Quellmaterial. So wird aus dem Kinosaal ein Vortragssaal und aus dem Kinogänger ein Zuhörer einer Veranstaltung. Das Publikum im Kinosaal honoriert die Aussagen mit Applaus, ganz so, als wäre es selbst vor Ort, ganz so, als wäre es keine Aufzeichnung, sondern eine Liveübertragung. Der Film „<a href="http://www.facebook.com/events/203728626392884/">Angriff auf die Demokratie &#8211; eine Intervention</a>“ ist ein ungeschminkter Mitschnitt der gleichnamigen <a href="http://www.hkw.de/de/programm/2011/andere2011/veranstaltungen_53180/veranstaltungsdetail_69747.php">Veranstaltung</a> im Haus der Kulturen der Welt aus dem Jahr 2011, der so nicht geplant war, wie Karmakar im Anschluss an den Film erläutert.<span id="more-2272"></span></p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Erst im Nachhinein wurde aus dem hausinternen Mitschnitt und dem Rohmaterial für einen TV-Beitrag der Ablauf rekonstruiert, weshalb die Vortragenden nun überlebensgroß von der Leinwand blicken. Eine filmische Geste, die an anderer Stelle zu Diskussionen führen mag, sich in diesem Fall jedoch tatsächlich nur zufällig in die Präsentationsform einschreibt und zudem durch die Positionierung der Vortragenden zum gestellten Thema zusätzlich abgeschwächt wird. In alphabetischer Reihenfolge referieren also zehn Intellektuelle, Künstler und Publizisten vor einem schwarzen Hintergrund zur Lage der Demokratie, vor allem angesichts der Eurokrise.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Eine heikle Situation für die nichtgewählten Repräsentanten, die nun an unserer Stelle das aussprechen und damit auch greifbar machen sollen, was als Drohung in den alltäglichen Nachrichten mitschwingt. Wer kennt noch die Spielregeln, wer kann noch das System entwirren, fragen die Referenten und reihen sich mitsamt den Entscheidungsträgern und den Normalbürgern in die Reihe der Ahnungslosen ein. In Anbetracht der Rolle, die die Politik sowohl in der Bankenkrise als auch in der Finanzkrise spielt, und das sehr wahrscheinlich schon seit längerem, kann ihre Bilanz auch kaum anders ausfallen. Die geschlossene Gesellschaft aus Markt und Politik verquickt sich bis zur Unkenntlichkeit der Verantwortlichkeiten. So entziehen sich EU-Mitgliedsstaaten durch bilaterale Abkommen den Regularien des EU-Parlaments, verweisen jedoch an anderer Stelle auf eben diese Regularien. Das Ordnungssystem Demokratie entzieht sich zusehends seinen Souveränen, wenn es nicht wie beispielsweise die EU als von oben herab handelnd aufgefasst wird.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Der Tenor der Vortragenden ist einstimmig: Die Politik findet sich in den Fängen der Märkte, genauer der Finanzmärkte, wieder. Ratingagenturen und Börsenwerte bestimmen den Wert des Einzelnen und des Gemeinwohls schlechthin. Die Spekulation auf Gewinnerwartungen soll gerade jene Probleme lösen, die durch die Spekulation auf Gewinnerwartungen ausgelöst werden. Dass Demokratie jedoch Zeit braucht, um eine Lösung zu finden, die für den Souverän tragbar ist, Märkte jedoch keine Zeit haben, da die Börse ja bereits am nächsten Morgen aufmacht, ist ein Problem, das nicht nur <a href="http://www.reporter-forum.de/index.php?id=22&amp;tx_rfartikel_pi1[showUid]=360&amp;cHash=7282cdd97a04f5449661120ec3aa5fcf">Julia Encke</a> ausmacht. Auch das perfide Vorgehen der Politik, sich in der Bankenkrise ausgerechnet die Expertise von Bankern einzuholen, wird immer wieder aufgegriffen. So verkommt die Politik zusehends zur Zurschaustellung, der Politiker selbst zum reinen Entwurf, dessen äussere Verpackung mehr Aufmerksamkeit bekommt, als die Auseinandersetzung mit dem Inhalt.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY"><a href="http://www.friedrichvonborries.de/">Friedrich von Borries</a> Analyse des Politikers als Designprodukt könnte auf der Bühne des politischen Kabaretts gespielt sein. Allein nichts davon ist Satire, sondern mit dem Verweis auf die mediale Aufbereitung von Nichtigkeiten, wie die Kleiderwahl Merkels oder Schröders Haarfarbe, weitet sich die Kritik auf die alltägliche Wahrnehmung und damit die Konsumentenhaltung der Wahlbürger aus.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Das <a href="http://beauty.excite.de/lisa-kirk-revolution-ndash-tranengas-als-parfum-N38278.html">Luxusparfum in Form eines Molotowcocktails</a> als Sinnbild einer kommerziell ausgeweideten Kapitalismuskritik ist nur eine Form unter vielen. Werbung suggeriert Nähe zum Verbraucher, um den Verbraucher zu binden. Emotionen helfen, um aus dem Gegenlaufenden einen Mitlaufenden zu machen. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=KT16DcHcjRA">Levi&#8217;s</a> lässt grüßen. Schwerwiegender erscheint dabei das Schweigen der Journalisten, das Versagen der Gelehrten, also das Duckmäusertum der sogenannten Eliten. <a href="http://www.kwi-nrw.de/home/profil-hwelzer.html">Harald Welzer</a> hinterfragt den blinden Fleck, den der Selbsterhaltungstrieb auslöst und den er selbstkritisch auch an seiner eigenen Biografie aufzeigt. Argumentativ unterfüttert mit systemtheoretischen Erkenntnissen zur <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Wenn-147-Konzerne-die-ganze-Wirtschaft--kontrollieren-/story/24530287">globalen Wirtschaftsvernetzung</a>, die an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich gewonnen wurden, lässt sich so ein eiserner Vorhang zwischen 149 Global Players und dem faktischen Rest der Welt ausmachen. Wen wundert es da noch, wenn die Politik sich als machtlos erweist? Oder, wie <a href="http://www.faz.net/redaktion/nils-minkmar-11104351.html">Nils Minkmar</a> anmerkt, nicht mehr die Politikressorts über Politik berichten, sondern Journalisten aus den Ressorts Wirtschaft und Finanzen von den zahlreichen und doch zahnlosen Gipfeln zur Rettung der Welt berichten?</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Der Film lässt Fragezeichen im Raum stehen. Bewusst. Denn der Film ist eine Speerspitze, die sich nicht nur gegen ein Oben auflehnt, sondern sich auch gegen den Speerträger richtet. Die Vortragenden hinterfragen ihre eigene Professionen und damit auch die Position der Zuschauer, die als Konsumenten von Waren und Dienstleistungen, als vermeintliche Nutznießer von Sparangeboten und hohen Renditen dem System bislang unkritisch gegenüberstehen.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY"><a href="/wp-content/uploads/2012/02/angriff-demokratie-qa-karmakar.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-2289" title="Romuald Karmakar" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/angriff-demokratie-qa-karmakar-445x296.jpg" alt="Romuald Karmakar auf der Bühne" width="445" height="296" /></a>Was passiert nun anschließend mit diesem Film? Wird er in Programmkinos ein Schattendasein fristen? Derzeit, so Karmakar in der abschliessenden Publikumsdiskussion, laufen Gespräche mit den Produzenten über eine eventuelle TV-Ausstrahlung oder als Beileger in einer Tageszeitung, um so eine kostengünstige Distribution zu ermöglichen. Da unter den Produzenten auch ZDF und 3sat vertreten sind, sollte die Bereitstellung in der Mediathek möglich sein. Ob es jedoch zeitversetzt auch zu einer legalen kostenfreien Verteilung kommen wird, ließ der Filmemacher unbeantwortet. Es wäre wünschenswert, denn „Angriff auf die Demokratie &#8211; eine Intervention“ dient als Basis zu weiterführenden Diskussionen und damit auch zur Reflexion des eigenen Handelns.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY"><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen_angriff_auf_die_demokratie.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-2284" title="Notizen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/notizen_angriff_auf_die_demokratie.jpg" alt="Handschriftliche Notizen" width="275" height="275" /></a>  <a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen_angriff_auf_die_demokratie.pdf">Notizen zu diesem Artikel als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Angriff+auf+die+Demokratie+%26%238211%3B+Eine+Intervention+%7C+Romuald+Karmakar+zur+Lage+des+Globalen+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Jedes Jahr anders neu &#124; Die Kollektiv Nights des Jazzkollektiv Berlin im .hbc</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Jan 2012 09:19:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Philipp Weber]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Festival]]></category>
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		<description><![CDATA[Neue Hörräume zu erschaffen und eingefahrene Hörerfahrungen aufzubrechen, das dürfte wohl der größte gemeinsame Nenner der Mitglieder des Jazzkollektiv Berlin sein. Aus dem Zusammenschluss der Ausnahmemusiker Gerhard Gschlößl, Marc Schmolling, Felix Wahnschaffe, Wanja Slavin, Philipp Gropper, Johannes Lauer und Ronny &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/kollektiv-nights-des-jazzkollektiv-berlin-hbc/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Jedes+Jahr+anders+neu+%7C+Die+Kollektiv+Nights+des+Jazzkollektiv+Berlin+im+.hbc+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2108" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-2108" title="Jazzkollektiv Berlin" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/01/jazzkollektiv-berlin.jpg" alt="Gruppenfoto" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Foto: J. L. Diehl (alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p>Neue Hörräume zu erschaffen und eingefahrene Hörerfahrungen aufzubrechen, das dürfte wohl der größte gemeinsame Nenner der Mitglieder des <a href="http://www.jazzkollektiv.de/">Jazzkollektiv Berlin</a> sein. Aus dem Zusammenschluss der Ausnahmemusiker <a href="http://www.gerhardgschloessl.de/">Gerhard Gschlößl</a>, <a href="http://www.marc-schmolling.de/">Marc Schmolling</a>, <a href="http://www.felix-wahnschaffe.de/">Felix Wahnschaffe</a>, <a href="http://www.wanja-slavin.de/">Wanja Slavin</a>, <a href="http://www.myspace.com/philippgropper">Philipp Gropper</a>, <a href="http://johanneslauer.de/">Johannes Lauer</a> und <a href="http://www.ronnygraupe.de/">Ronny Graupe</a> im Jahr 2007 wuchs somit ein gewichtiger Baustein der Berliner Jazzszene. Einmal im Jahr laden sie zu einem Festival des zeitgenössischen und avantgardistischen Jazz ein, um so einen momentanen Stand ihres Schaffens zu präsentieren: den Kollektiv Nights. <span id="more-2103"></span></p>
<p>Jede Gruppe öffnet dabei eine andere Tür und überrascht das Publikum auf eine andere Art und Weise. Die Spannung und Energie auf der Bühne überträgt sich auch auf die Zuhörer, die sich mit Zwischenapplaus bemerkenswert zurückhalten, wohl um ja nicht die nächste Wende zu versäumen. Es sei denn, es kann nicht anders. Beispielsweise als beim Wanja Slawin Sextett der Kontrabassist <a href="http://robertlandfermann.com/">Robert Landfermann</a> mit einem atemraubenden Flageolett-Solo auf seinem fünf-saitigen Instrument brillierte. Ebenso verdient hätte es der überragende Trompeter <a href="http://www.efi.group.shef.ac.uk/musician/mdorner.html">Axel Dörner</a> (Die Anreicherung), der seinem Instrument ungewohnt bildgewaltige Subtone-Klänge entlockte, die an dumpfe Vibrationen einer U-Bahnbaustelle erinnerten. Die detailreichen Kompositionen mit ihren zahlreichen polyrhythmischen Verschiebungen und Überlagerungen der Schlagzeuger und Instrumentalisten lassen Assoziationen mit Wanderungen im Hochgebirge einerseits und Spaziergängen am Strand andererseits zu. Hier brechen Akkorde und Harmonien in sich zusammen, nur um an anderer Stelle wieder rekonstruiert zu werden. Aber nicht nur die großen Sprünge erzeugen die Spannung. Beinahe noch aufregender sind die Erkundungen im Zwischenraum zweier Halbtöne, der in der europäischen Musikgeschichte ein Schattendasein fristet.</p>
<p>Mit der Faszination dieser Mikrotonalität befasst sich nicht nur das <a href="http://stereolisa.de/pass/benjamin.htm">Benjamin Weidekamp</a> Quartett, aber exemplarisch sei das beinahe binär erklingende Stück „seriell, nicht seriös“ herausgegriffen. Nicht zuletzt, weil die Kompositionen auf den Namen der Bandmitglieder basieren – und zwar ins Morsealphabet übersetzt! Ganz anders hingegen die Herangehensweise des Solisten Marc Schmolling, der sich „mit absolut leerem Kopf“ an den Flügel setzt und so die freie Improvisation des Freejazz mit den Techniken der intuitiven Musik verknüpft.</p>
<p>So bleibt zu hoffen, dass das Jazz Kollektiv Berlin genug Kraft hat, die Kollektiv Nights auch in den kommenden Jahren auszurichten. Dazu wünscht sich das Kollektiv nicht nur eine <a href="http://www.ig-jazz-berlin.de/?page_id=16">Förderung</a> durch die öffentliche Hand, sondern vielmehr auch den direkten Zuspruch des Publikums. Deshalb sei es hier nochmals geschrieben: Konzerte des Jazzkollektiv Berlin sind wärmstens empfohlen.</p>
<p><em>Wer die nächsten Konzerte nicht verpassen will, dem sei der gut versteckte <a href="http://www.jazzkollektiv.de/">Newsletter</a> ans Herz gelegt.</em></p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2012/01/notizen-kollektiv-nights.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-2105" title="Notizen Kollektiv Nights" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/01/notizen-kollektiv-nights-thumb.jpg" alt="Handschriftliche Notizen" width="275" height="275" /></a><a href="/wp-content/uploads/2012/01/notizen-kollektiv-nights.pdf">Notizen zu diesem Artikel als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Jedes+Jahr+anders+neu+%7C+Die+Kollektiv+Nights+des+Jazzkollektiv+Berlin+im+.hbc+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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