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	<title>Schönschrift &#187; Laura-Helen Rüge</title>
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	<description>Notizen zur Kultur</description>
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		<title>Von der Frouwe zur Frau</title>
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		<pubDate>Wed, 04 May 2011 14:39:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Laura-Helen Rüge]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Wort]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
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		<description><![CDATA[Früher wurde die Frau nicht als Frau bezeichnet, sondern hieß „Frouwe“. Überraschender Weise unterstreicht das Textverarbeitungsprogramm Word dieses Wort gar nicht, obwohl es bereits sehr, sehr alt ist. Eine Frau „Frau“ zu nennen wäre vor ein paar hundert Jahren noch &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/von-der-frouwe-zur-frau/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Von+der+Frouwe+zur+Frau+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1073" class="wp-caption alignright"><a href="http://www.flickr.com/photos/archeon/1438641804/"><img class="size-large wp-image-1073" title="medieval lady" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/04/1438641804_e0e548b9f6_b-720x540.jpg" alt="medieval lady" width="720" height="540" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Hans Splinter (CC-By-Nd)</p></div>
<p>Früher wurde die Frau nicht als Frau bezeichnet, sondern hieß „Frouwe“. Überraschender Weise unterstreicht das Textverarbeitungsprogramm <em>Word</em> dieses Wort gar nicht, obwohl es bereits sehr, sehr alt ist. Eine Frau „Frau“ zu nennen wäre vor ein paar hundert Jahren noch undenkbar gewesen. Frau – einsilbig: Viel zu einfach, viel zu wenig Glanz für dieses edle Wesen. Frou-we – zweisilbig. Da kommen wir ihr langsam näher! Jedoch ging man innerhalb der letzten dreihundert Jahre einfach zur simpleren Form über; zur Frau. Solcherlei Beispiele der  sprachlichen Bequemlichkeit gibt es zu Hauff.<span id="more-1059"></span></p>
<p>Da beantwortet sich die nächste Frage also eigentlich von selbst: Warum vermischte sich die italienische Aussprache nicht mit der deutschen, setzte sich nicht als Dialekt durch, als in den sechziger und siebziger Jahren ein italienisches Restaurant nach dem anderen aus dem Boden schoss? Zu kompliziert, keine Vereinfachung der Sprache, außerdem kann nicht jeder so herrlich das „R“ rollen&#8230;</p>
<p>Die physiognomische Erklärung: der Körper ist faul. Beim Sprechen braucht er sehr viel Sauerstoff und vor allem viele kleine, feine Muskeln. Damit sie nicht verkürzen müssen Muskeln trainiert werden. Je schwieriger also das Wort, desto anstrengender für den Körper. Eine weitere Beobachtung dieser Art ist das Phänomen der „Kanak Sprak“. Das deutsche „Ch“ (weich) oder auch das „Ch“ (hart) ist schwer auszusprechen für Menschen, die nicht in diesem Sprachraum aufgewachsen sind, oder das Sprechen nicht von Menschen gelernt haben, die diese Laute sauber aussprechen. Sie vereinfachen es zu „sch“. In der Öffentlichkeit hört man viele Menschen, die statt „ich“ (weich), „isch“ sagen. Ganz zu schweigen von den Berlinern &#8211; ein „S“ kommt in deren Sprachgebrauch selten vor.</p>
<p>Die Quintessenz des Ganzen: Höchstwahrscheinlich wird es das „S“ in dreihundert Jahren nicht mehr geben. Kinder lernen zu einem sehr großen Teil sprechen, indem sie es sich abgucken. Das „S“ ist nun wahrhaftig ein Laut, der allein mit der Zunge produziert wird und bei dem die Zähne leicht zugebissen sind: man sieht also schwer, an welcher Stelle im Mund die Zunge die Zähne berührt. Daher ist der am häufigsten auftretende Sprachfehler das Lispeln. Es reicht schon ein ganz leichter inkonsequenter Sigmatismus, selbst den hört man bereits und das sehr oft.</p>
<p>Bislang aber taucht das „S“ trotz den Bemühungen des Körpers Kraft zu sparen noch sehr häufig auf. In diesem Text alleine hundertfünfzig Mal.</p>
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		<title>Aufhören! Schluss jetzt! Lauter! &#124; Ein Liederabend im Deutschen Theater Berlin</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Mar 2011 22:38:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Laura-Helen Rüge]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Bühne]]></category>
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		<description><![CDATA[Im letzten Jahr haben viele öffentliche Personen einfach aufgehört, sind zurückgetreten, haben abgedankt. Der Spiegel hat mindestens fünf  Titelseiten zum Burn-out, der Leistungsgesellschaft und dem Aussteigen veröffentlicht. Das Verhältnis zur Arbeit, zum wann ist was zu viel und was ist &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/aufhoren-liederabend-deutsches-theater/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Aufh%C3%B6ren%21+Schluss+jetzt%21+Lauter%21+%7C+Ein+Liederabend+im+Deutschen+Theater+Berlin+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_567" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-567" title="aufhoeren-liederabend" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/03/aufhoeren-liederabend.jpg" alt="" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Foto: Arno Declair / Deutsches Theater. Alle Rechte vorbehalten.</p></div>
<p>Im letzten Jahr haben viele öffentliche Personen einfach aufgehört, sind zurückgetreten, haben abgedankt. Der Spiegel hat mindestens fünf  Titelseiten zum Burn-out, der Leistungsgesellschaft und dem Aussteigen veröffentlicht. Das Verhältnis zur Arbeit, zum wann ist was zu viel und was ist zu wenig – wird <a href="http://www.deutschestheater.de/spielplan/premieren_und_repertoire/aufhoeren/">an einem bunten Liederabend</a> mit einer ordentlichen Portion Ironie derzeit im Deutschen Theater Berlin in Frage gestellt.</p>
<p>Eine <a href="http://www.dhmd.de/neu/index.php?id=1483">Ausstellung im Dresdner Hygienemuseum</a> beschäftigte sich im vergangen Jahr mit „Arbeit. Sinn und Sorge“. Das trifft den Nagel auf den Kopf und überdeutlich wird hier: Arbeit hat einen sehr hohen Stellenwert in der westlichen Gesellschaft, und das nicht nur wegen des Geldes. Arbeit ist Sinnträger im Alltag, ist Bestätigung für das Ego, ist Beschäftigungsmaßnahme für den Menschen. Und durch Arbeit wird <em>geschaffen</em>. „Es gibt zu viel, zu viel von allem“ schreit Margit Bendokat komplett überfordert auf der großen Bühne des Deutschen Theaters, sie will ihr „nüscht“ zurück<span id="more-559"></span>: Das Kartenspielen am Kamin, das nichts zu essen haben aber Rotwein und Zigaretten und die Stille. Früher war alles einfacher.</p>
<p>12 letzte Lieder gibt es nun, bevor aufgehört wird und beginnen tut der Abend mit dem Schluss. Zuerst also ein letztes Lied, dann die Zugabe und dann reichts auch, dann ist Schluss jetzt! Dann geht die Fahrstuhlmusik an und der Zuschauer müsse doch verstehen, das sei nun einmal das Konzept dieses Stücks und man müsse Konzepte einfach durchziehen, damit sie funktionieren. Aber zum Glück geht es dann doch weiter – lauter! Mit Techno-Partys bei denen Mubarak und zu Guttenberg, Horst Köhler und Margot Käßmann ihr Aufhören feiern – das Leben nach dem Aufhören. Mit Unterhaltungen von gescheiterten Promis im Dschungelcamp, welche die mögliche Sinnlosigkeit des Menschen mit der Hilfe von Goethes Faust aufzeigen. Mit sehr witzigen und auch nachdenklichen Liedern. Alles wird von zwei Kameras begleitet, die live mitfilmen und auf Leinwände links und rechts der Bühne übertragen, so dass bestimmte Szenen eine andere Intensität und ein anderes Format bekommen. Das gesamte Spektakel wird immer wieder unterbrochen von wunderbar ausgewählten Geschichten, die von Margit Bendokat vorgelesen werden und die immer weitere Geschichten in sich bergen. So spielt nun mal das Leben, so ist der Lauf der Dingen, Eines kommt zum Anderen.</p>
<p>Ummantelt ist der Abend von einer Auseinandersetzung mit dem Theater selber. Mit dem Sinn und Zweck des Theaters; mit der Frage danach, ob es überhaupt einen Zweck geben muss oder ob es eigentlich reichen würde, auf der Bühne hübsch Trampolin zu springen? Denn das passiert im Friedrichstadt-Palast in der Show <a href="http://www.show-palace.eu/de/shows/yma/">„YMA“</a>, keine 500 Meter weiter; reine Unterhaltung. „Was machen die bei „YMA“ bloß, was wir nicht können?“ -„Trampolin springen“. „Wenn das so gut ankommt, warum springen wir auf unserer Bühne kein Trampolin?“ -„Weil wir das nicht können.“ Im Hintergrund haben sich Felix Goeser und Andreas Döhler schon etwas verunsichert auf kleinen Trampolinen versucht – nicht sonderlich erfolgreich.</p>
<p>Ja, wofür ist das Theater da? Ob nun Hüpfburg oder nicht, hier steht mehr dahinter. Es ist ein Abend, der einen anregt zum Hinterfragen des eigenen Handels, zum Durchbrechen von  Mechanismen und Routinen. Und der dazu anregt, auf das zu blicken, was ist. Hier und Jetzt. ﻿</p>
<p><em><a href="http://www.deutschestheater.de/spielplan/premieren_und_repertoire/aufhoeren/">Aufhören! Schluss jetzt! Lauter!</a> </em><br />
<em>12 letzte Lieder</em><br />
<em>von Stemann/Kürstner/Vogel/von Blomberg</em><br />
<em>Regie: Nicolas Stemann</em><br />
<em>Weitere Vorstellungen: 11. März, 01.,16., 21. April</em></p>
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		<title>Kinoluft und Kaffeebecher &#124; Der European Film Market (61. Berlinale)</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Feb 2011 18:14:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Laura-Helen Rüge]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Festival]]></category>
		<category><![CDATA[Markt]]></category>
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		<description><![CDATA[Vor dem Berlinale Palast der rote Teppich, Paillettenkleider und Limousinen &#8211; verzaubernde Filmluft. In den Kinos, ein Stockwerk tiefer, im Martin Gropius Bau, im Marriott Hotel und im Berliner Abgeordnetenhaus findet nebenher neun Tage lang der European Film Market statt. &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/european-film-market-berlinale/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Kinoluft+und+Kaffeebecher+%7C+Der+European+Film+Market+%2861.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-359" title="Kinoeingang (Berlinale)" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/02/Eingang-Cubix-Berlinale.jpg" alt="Eingang des Cubix-Kinos am Alexanderplatz (Berlinale-Kino)" width="720" height="306" />Vor dem Berlinale Palast der rote Teppich, Paillettenkleider und Limousinen &#8211; verzaubernde Filmluft. In den Kinos, ein Stockwerk tiefer, im Martin Gropius Bau, im Marriott Hotel und im Berliner Abgeordnetenhaus findet nebenher neun Tage lang der <a href="http://www.efm-berlinale.de/">European Film Market</a> statt. Eine Filmmesse, auf der entschieden wird, was in Europa im kommenden Jahr in den Kinos und auf den Fernsehkanälen gespielt wird.</p>
<p>Knapp tausend Filme von über fünfzig Produktionsfirmen werden gezeigt, über tausend Filmeinkäufer besuchen die Vorführungen. Gut fünfhundert Messestände von Verleihen, Filmförderungen und Produktionsfirmen ziehen sich im Martin Gropius Bau durch die Ausstellungshallen und Flure. Am spanischen Stand wird Schokolade, am deutschen Notizblöcke und am litauischen Stand Vodka verschenkt. <span id="more-357"></span>Wer Geld hat, mietet sich hier einen großen Messestand, kleinere Produktionsfirmen müssen mit dem Marriott Hotel vorlieb nehmen, das etwas versteckter liegt. Lässt man dortt den Blick durch die Hotellobby schweifen, kann man das pausenlose „meet-and-greet“ der Film-An- und Verkäufer beobachten. Die Frauen hübsch zurecht gemacht, die Männer im Anzug &#8211; so sehen die Verkäufer aus. Auf der anderen Seite die Käufer, Fernsehsender und Verleihe; das sind die Individualisten mit verstrubbelten Haaren, Alkoholfahnen vom Empfang am Vorabend, Coffee-to-go Becher in der Hand, die in den Vorführraum stürmen und ihn meist auch nach drei Minuten wieder verlassen.</p>
<p>Für die potenziellen Käufer mieten die Produktionsfirmen Kinosäle. Auch hier gilt: Wer Geld hat, leistet sich das Cinestar oder Cinemaxx, wer bescheidener sein muss, bucht einen der zum Kino umgewandelten Konferenzräume im Marriott. Das Spektrum der Filme, die dort &#8211; oft erstmalig &#8211; gezeigt werden, ist groß. Es geht von Hochglanz-Hollywood-Produktionen, die oftmals schon amerikanische Verleihe haben und nun ihr Glück in Europa versuchen, bis zu südamerikanischen Low-Budget-Produktionen, bei denen der Ton noch nicht fertig abgemischt ist und deren neueste Version erst zwei Minuten vor Screening-Start eintrifft.</p>
<p>Generell gilt: Tauchen bekannte Namen in der Besetzungsliste auf, ist auch das Interesse an einem Film sehr hoch. Spielen nur Unbekannte, muss die Produktionsfirma über ein gutes Marketingkonzept, kostenlose T-Shirts oder aber charmante „Sales Agents“ im Minirock verfügen. Verlassen Käufer bereits nach drei Minuten den Saal, muss dies jedoch nichts Schlechtes bedeuten, wie der Sales Manager einer japanischen Firma erklärt: „Wenn ein &#8218;Buyer&#8216; nach kurzer Zeit das Screening fluchtartig verlässt, bedeutet das entweder: Der Film ist schlecht, oder aber er will ihn sofort kaufen!“. Welches Kino die großen Hollywood-Produktionen mit Star-Besetzung abgreift, bestimmt letztendlich auch der Geldbeutel des Verleihs.</p>
<p>Erst bei einem zweiten Blick in die Hotellobby, wird die Spannung unter der perfekt geschminkten Oberfläche der Sales Agents sichtbar. Trotz lockerer Weißwein-Schorlen-Atmosphäre sind alle permanent mit Telefon und iPad beschäftigt, potenzielle Käufer werden schon in dem Moment angeschrieben, in dem sie den Vorführsaal betreten. Es wird deutlich, dass die Verkäufer unter einem enormen Druck stehen ihren Film auf den Markt zu bringen. Dieser Druck entlädt sich dann schon mal an den Filmvorführern, wenn der Film vermeintlich nicht optimal auf der Leinwand präsentiert wird. Auch über die Einkäufer der Filme hört man, der Job könne in Sekundenschnelle ein toller Job gewesen sein. Bleibt der erwartete Kinoerfolg aus oder sind die Einschaltquoten geringer als erwartet, ist auch der Job weg.</p>
<p>Auch auf dem Filmmarkt geht es wie auf anderen Märkten knallhart um das Geld, um das Handeln, um den Verkauf. Beim Lauf über den roten Teppich, den man auf der Berlinale auch als Normalsterblicher im Besitz einer Eintrittskarte genießen kann, scheint danach die Kinoluft plötzlich etwas entzaubert.</p>
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