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	<title>Schönschrift &#187; Christoph Krenzer</title>
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	<description>Notizen zur Kultur</description>
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		<title>Irgendwie magic &#124; Anthony McCall im Hamburger Bahnhof</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Apr 2012 20:32:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Christoph Krenzer]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Anthony McCall]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Expanded Cinema]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Hamburger Bahnhof beweist dieser Tage erneut seine Wandlungsfähigkeit. Noch Anfang letzten Jahres war die Haupthalle des Berliner „Museums für Gegenwart“ zunächst für Carsten Höllers „Soma“ in ein Indoor-Rentiergehege mit Übernachtungsmöglichkeit verwandelt worden, bevor sie sich dann mit Tomás Saracenos &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/anthony-mccall-hamburger-bahnhof-berlin/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Irgendwie+magic+%7C+Anthony+McCall+im+Hamburger+Bahnhof+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der Hamburger Bahnhof beweist dieser Tage erneut seine Wandlungsfähigkeit. Noch Anfang letzten Jahres war die Haupthalle des Berliner „Museums für Gegenwart“ zunächst für Carsten Höllers <a title="Soma" href="http://www.hamburgerbahnhof.de/exhibition.php?lang=de&amp;id=25193" target="_blank">„Soma“</a> in ein Indoor-Rentiergehege mit Übernachtungsmöglichkeit verwandelt worden, bevor sie sich dann mit Tomás Saracenos <a title="Cloud Cities" href="http://www.hamburgerbahnhof.de/exhibition.php?id=29989&amp;lang=de" target="_blank">„Cloud Cities“</a> als ein begeh- bzw. bekrabbelbarer Erlebnispark für Kunstinteressierte präsentierte. Nun wurde der Raum in eine große Blackbox umgegebaut, in der riesige Zelte und Tunnel aus Licht von dünnen Nebelschwaden umwabert werden. Anlass für diese neuerliche Transformation ist die erste deutsche Einzelaustellung des Engländers Anthony McCall unter dem Titel „<em>Five Minutes of pure sculpture&#8220; </em>(einer Referenz auf Henri Chomettes 1926 entstandenen Kurzfilm <a title="Cinq minutes de cinéma pur" href="http://www.imdb.com/title/tt0294453/" target="_blank">„Cinq minutes de cinéma pur“</a>). <span id="more-2512"></span></p>
<p>Der 1946 geborene McCall weist eine interessante Künstlerbiografie auf. Ursprünglich von der filmischen Avantgarde der <a title="London Film-Makers' Co-op" href="http://en.wikipedia.org/wiki/London_Film-Makers%27_Co-op" target="_blank">Londoner Film-Makers&#8216; Co-op</a> beeinflusst, begann er nach einem Umzug nach New York in den frühen 70ern mit der Arbeit an den Lichtprojektionen, für die er heute bekannt ist. 1973 entstand seine erste derartige Arbeit mit dem sachlich nüchternen Titel „<em>Line describing a cone</em>“. Ein Filmbild, das anfangs nur einen einzelnen Lichtpunkt zeigt, der im Laufe von 30 Minuten einen vollständigen Kreis beschreibt, wird auf eine Wand projiziert. Im Raum wird das projizierte Licht zunächst als einzelne Linie, später dann als eine dreidimensionale Form sichtbar. Die Arbeit bewegt sich so in einem Grenzbereich zwischen Zeichnung, Kinematographie und Skulptur.</p>
<p>Dieses Grundprinzip ist bis heute unverändert und findet sich auch in den Arbeiten im Hamburger Bahnhof wieder. Allerdings beendete McCall Anfang der 80er Jahre vorläufig seine Karriere als Projektionskünstler. Neben den damals schlechten Verdienstmöglichkeiten als Videokünstler hatte er vor allem mit einem technischen Problem zu kämpfen: Damit die Lichtstrahlen in den Installationen sichtbar werden konnten, durfte die Luft nicht zu klar sein. Die Lichtskulpturen benötigen Dunst als materielle Basis. In den staubigen oder verrauchten Ateliers und Kinosälen, in denen McCall seine Arbeiten anfangs präsentierte, war das kein Problem. Aber Museen waren zu sauber für seine Kunst und McCalls Versuche mittels Trockeneis oder brennender Kohle künstlich Dunst zu erzeugen waren wenig zufriedenstellend. Eine Lösung für dieses Problem brachten erst die ab den 90er Jahren verfügbaren, vor allem in Großraumdiskotheken eingesetzen Nebelmaschinen.</p>
<p>Zusätzlich inspiriert durch die neuen technischen Möglichkeiten, die die Digitalisierung eröffnete, nahm McCall 2003 nach mehr als 20 Jahren Pause seine künstlerische Arbeit an den sogennanten <em>Solid Light Films</em> wieder auf. Eine Auswahl der seitdem entstandenen Werke wird nun in der bisher größten Einzelausstellung überhaupt präsentiert. Neben den bereits in den 70ern genutzten horizontalen Projektionen sind hier auch vertikale Arbeiten zu sehen, die in ihrer räumlichen Wirkung den Aspekt des Skulpturalen noch stärker betonen.</p>
<p>Dabei handelt es sich bei den zweidimensionalen Animationen, aus denen die Lichtskulpturen entspringen, in der Regel um komlexe Formen, die aus den geometrischen Grundelementen von Kreis, Linie und Welle zusammengesetzt und in den meisten ausgestellten Arbeiten mittels eines <a title="Wipe" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Wipe_%28transition%29" target="_blank">Wipe-Überganges</a> miteinander verbunden und ineinander verwoben werden. Das Ganze geschieht so langsam, dass die Bewegung weniger den Effekt eines dynamischen Wechsels, sondern eher den eines langsam pulsierenden, fast lebendigen Organismus erzeugt. Die so entstehenden Lichskulpturen erinnern weniger an klassische Filmprojektionen, als an seidige, schwach leuchtende Schleier, die von der Decke herab hängen. In regelmäßigen Abständen werden sie durch den Wasserdampf der Nebelmaschinen in eine plötzliche innere Bewegung versetzt.</p>
<p>Es ist zunächst einmal die erstaunliche Materialität des Lichts, die einen beim Betreten der Ausstellung ins Staunen versetzt. Man nähert sich den Lichtobjekten mit der Erwartung jeden Moment auf einen Widerstand zu stoßen oder am Licht kleben zu bleiben. Ein weiterer erstaunlicher Effekt besteht darin, dass insbesondere die horizontalen Projektionen, wenn man sie betritt und von innen heraus wahrnimmt, teils eine vollkommen andere Wirkung entfalten als man sie von außen erwartet. Die relativ transparenten Körper scheinen sich zu verfestigen und man findet sich in einem engen Tunnel aus Licht wieder, der nur manchmal von eindringenden Besuchern kurz durchbrochen wird. Die eigentliche Faszination der Arbeiten McCalls erschließt sich so vor allem in der körperlichen Interaktion mit den Exponaten, die zum Staunen und Spielen einladen (Das scheinen auch die zahlreich anwesenden Kinder so wahrzunehmen.). Die Ausstellung im Hamburger Bahnhof lässt sich letztlich vielleicht am besten mit dem Resümé einer Besucherin auf Nachfrage eines anwesenden Fernsehteams auf den Punkt bringen: „Irgendwie magic das Ganze.“</p>
<p><em><a href="http://www.hamburgerbahnhof.de/exhibition.php?id=32936&amp;lang=de">Anthony McCall „Five minutes of pure sculpture“</a> ist bis zum 12. August 2012 im Hamburger Bahnhof in Berlin zu sehen.</em></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Irgendwie+magic+%7C+Anthony+McCall+im+Hamburger+Bahnhof+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>The Artist &#124; Wir müssen reden</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 14:25:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Christoph Krenzer]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[Berenice Bejo]]></category>
		<category><![CDATA[Jean Dujardin]]></category>
		<category><![CDATA[Michel Hazanavicius]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstreferenz]]></category>
		<category><![CDATA[Stummfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Ton]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Leinwand öffnet sich. Wir sehen einen Stummfilm, begleitet von Orchestermusik. Die Kamera fährt zurück und man begreift, dass der Stummfilm auf einer Kinoleinwand vor Publikum gezeigt wird und die Kapelle live im Kinosaal aufspielt. Dann ein Blick hinter die &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/the-artist-film-stummfilm/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=The+Artist+%7C+Wir+m%C3%BCssen+reden+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2167" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-2167" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/the-artist.jpg" alt="Filmbild mit den Hauptdarstellern" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Foto: Delphi Filmverleih (Alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p>Die Leinwand öffnet sich. Wir sehen einen Stummfilm, begleitet von Orchestermusik. Die Kamera fährt zurück und man begreift, dass der Stummfilm auf einer Kinoleinwand vor Publikum gezeigt wird und die Kapelle live im Kinosaal aufspielt. Dann ein Blick hinter die Leinwand, wo der Star des Films, George Valentin (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Dujardin">Jean Dujardin</a>), steht und seine eigene überlebensgroße Projektion betrachtet. Kurz darauf ist der Film zu Ende, das Orchester spielt die letzten Takte. Wir sehen das Publikum in frenetischen Applaus ausbrechen, als George vor die Leinwand tritt, und wir hören: gar nichts. Erst ein paar Sekunden später setzt die Begleitmusik wieder ein. Der Film, den wir sehen heißt „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_Artist_%28Film%29">The Artist</a>“ und ist ein Stummfilm. Zumindest tut er so. <span id="more-2166"></span></p>
<p>Die Handlung in Kurzform: 1927. Der Stummfilmstar George Valentin ist auf dem Höhepunkt seines Ruhms angelangt, die Filmindustrie liegt ihm genauso zu Füßen wie die Boulevard-Presse und die schönen Frauen. Doch das Unheil für George naht in Form des Tonfilms, dem er sich stur so lange verweigert, bis ihn der finanzielle und künstlerische Bankrott ereilt. Nur die junge aufstrebende Tänzerin und Schauspielerin Peppy Miller (gespielt von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%A9r%C3%A9nice_Bejo">Berenice Bejo</a>), der George einst zu ihrer ersten Rolle verhalf und die inzwischen der neue Star der „Talkies“ ist, rettet George am Ende vor sich selbst. Und dann wird alles gut.</p>
<p>Neben einer klassischen Liebesgeschichte erzählt der Film von Regisseur <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Michel_Hazanavicius">Michel Hazanavicius</a> also von einer unaufhaltsamen Medienrevolution. Wer sich dem technischen Fortschritt verweigert, so erfährt man, sei es aus Ignoranz oder aus Selbstüberschätzung, der wird untergehen. Die Handlung wird getragen von einem fantastisch aufspielenden Ensemble, angeführt von Jean Dujardin, der für seine Leistung bereits mit dem Golden Globe und dem Screen Actors Guild Award ausgezeichnet wurde und damit auch als ein Favorit ins Rennen um den Oscar geht. Es ist beeindruckend, wie alle Beteiligten scheinbar mühelos Stil und Gestus einer eigentlich nicht mehr praktizierten Schauspielform aufgreifen und wieder zum Leben erwecken.</p>
<p>Was den Film neben der schauspielerischen Leistung sehenswert macht, ist das Spiel mit der Selbstreferenz, das kunstvoll auf mehreren Ebenen gespielt wird. Denn „The Artist“ ist kein Stummfilm. Es ist ein Tonfilm, der in einer Stummfilm-Welt spielt. Die Figuren verhalten sich wie die Akteure eines Stummfilms, die Handlung wird mit den Mitteln des Stummfilms erzählt (über Zwischentitel und abgefilmte Zeitungsartikel wird man immer wieder über wichtige Entwicklungen informiert). Kurz: Die Oberfläche des Films lässt auf den ersten Blick keine Zweifel daran, dass es sich um eine liebevoll gemachte Hommage an eine vergangene Film-Ära handelt. Aber hinter der traditionell anmutenden Inszenierung verbirgt sich ein absolut heutiger Sinn für Ironie und Selbstreferenz. Der Klang der Welt scheint nur darauf zu warten, durch die stumme Oberfläche des Films zu brechen – und tut dies auch immer wieder, beispielsweise wenn George in einer Sequenz des Films auf einmal seine Umgebung hören kann. Das Stuhlbein kratzt plötzlich hörbar über den Boden, von draußen hört man Autos und die Stimmen von Menschen und auch das Whiskeyglas macht nun Geräusche, wenn man es auf den Tisch stellt. Nur George selbst bleibt unhörbar, ein Gefangener der stummen Welt. Gut, dass sich alles nur als böser Traum herausstellt und die Welt am nächsten Morgen wieder den Gesetzen des Stummfilms gehorcht.</p>
<p>Neben solchen Szenen, in denen der Selbstbezug auf der Formebene stattfindet, ist auch die Handlung des Films durchzogen von mal mehr, mal weniger offensichtlichen Selbstreferenzen und ironischen Kommentaren. So etwa, wenn Tonfilmdiva Peppy mit ausladender Gestik und Mimik in einem Interview verkündet, dass der neue Tonfilm ebendieses übertriebene Spiel ja nun glücklicherweise unnötig gemacht habe. Oder wenn Georges Ehefrau ihn per Zwischentitel doppeldeutig auffordert: „We have to talk, George.“ Die große Leistung des Films besteht bei all dieser Selbstbezüglichkeit darin, dass diese niemals aufgesetzt wirkt und gleichzeitig aus einer netten, unterhaltsamen Genre-Hommage einen wirklich interessanten, vielschichtigen Film macht.</p>
<p><em>„The Artist“ ist seit dem 26.01. 2012 in den deutschen Kinos zu sehen.<br />
(<a href="http://theartist-derfilm.de/">Filmwebsite und Trailer</a>)<br />
</em></p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-the-artist.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-2168" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/notizen-the-artist-thumb.jpg" alt="Handschriftliche Notizen, Ausschnitt" width="275" height="275" /></a><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-the-artist.pdf">Notizen zu diesem Artikel als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=The+Artist+%7C+Wir+m%C3%BCssen+reden+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Eine ganz normale Katastrophe &#124; Steven Soderberghs neuer Film „Contagion“</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Oct 2011 07:22:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Christoph Krenzer]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Alles beginnt mit einem Husten. Dann blendet das Bild auf und man sieht Beth Emhoff (Gwyneth Paltrow) in einem Café am Flughafen in Chicago sitzen und mit ihrem Liebhaber telefonieren. Nebenbei nimmt sie sich ein paar Erdnüsse aus einer Schale &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/eine-ganz-normale-katastrophe-steven-soderberghs-contagion/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Eine+ganz+normale+Katastrophe+%7C+Steven+Soderberghs+neuer+Film+%E2%80%9EContagion%E2%80%9C+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1653" class="wp-caption alignnone"><a href="/wp-content/uploads/2011/10/contagion-l.jpg"><img class="size-large wp-image-1653" title="Contagion" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/10/contagion-720x306.jpg" alt="Gwynth Paltrow küsst die Hand" width="720" height="306" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Warner Bros. (Alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p>Alles beginnt mit einem Husten. Dann blendet das Bild auf und man sieht Beth Emhoff (Gwyneth Paltrow) in einem Café am Flughafen in Chicago sitzen und mit ihrem Liebhaber telefonieren. Nebenbei nimmt sie sich ein paar Erdnüsse aus einer Schale vor ihr auf dem Tisch. Die Kamera fokussiert auf die Schale mit den Erdnüssen, dazu kommt die eingeblendete Information: „Day 3“. Der Katastrophenfilm-erfahrene Zuschauer ahnt: Hier bahnt sich etwas an und zwar nicht erst <a href="http://www.imdb.com/title/tt0289043/">28 Tage später</a>. 24 Stunden später ist Beth tot, kurz darauf auch ihr Sohn, dahingerafft von einer mysteriösen Krankheit, die sie sich auf einer Geschäftsreise nach China eingefangen hat.<span id="more-1651"></span></p>
<p>Zurück bleibt ihr verstörter Mann Mitch, gespielt von Soderberghs Dauerkollaborateur Matt Damon, der wie in dessen <a href="http://www.imdb.com/title/tt1130080/">letztem Film &#8222;Der Informant&#8220;</a> erneut eine der Hauptrollen übernimmt. Auch in China und rund um die Welt, in verschiedenen US-Großstädten, London, Tokio, Hongkong, kurz: an den Schauplätzen der Globalisierung, ereignen sich Todesfälle. Bald ist klar: Ein bisher unbekanntes, extrem tödliches Virus breitet sich rasend schnell aus. Niemand weiß woher es kommt und es existieren weder wirksame Gegenmaßnahmen noch ein Impfstoff.</p>
<p>Das Setting kommt einem bekannt vor, genauso wie die weitere Handlung: Das Virus verbreitet sich und es beginnt die verzweifelte Suche nach einem Gegenmittel, begleitet vom fortschreitenden Zusammenbruch gesellschaftlicher Strukturen. Supermärkte und Apotheken werden geplündert, das Krankenhauspersonal streikt, Müll türmt sich in den Straßen. Viele Menschen sterben, darunter auch eine der Hauptfiguren, aber am Ende wird ein Impfstoff gefunden und die Menschheit kann aufatmen und zur Normalität zurückkehren.</p>
<p>Das wirklich Erstaunliche an Soderberghs Film ist, wie undramatisch das alles vonstatten geht. Das Geschehen wird distanziert, fast schon analytisch betrachtet. Die Kamera, wie immer von Soderbergh selbst geführt, haftet ihren Blick oft an Gegenstände – die besagte Schale Erdnüsse, einen Hefter mit Papieren im Büro, einen Knopf am Aufzug – oder Details wie einen Händedruck oder eine Umarmung und bringt die Formen der Übertragung und Ausbreitung der Seuche in den Fokus. Neben Mitch, durch den die Ereignisse aus der Perspektive eines betroffenen Durchschnittsbürgers präsentiert werden, folgt die Handlung größtenteils einem Team von Wissenschaftlern des  U.S. Center for Disease Control (hochkarätig besetzt unter anderem mit Laurence Fishburne und Kate Winslet), die an verschiedenen Orten der Welt gegen die Seuche kämpfen. Doch es sind nicht so sehr die Einzelschicksale und die Emotionen der Figuren, die den Film interessieren. Es werden keine Helden konstruiert, auch keine tragischen. Zwar gibt es diese heldenhaften Momente, beispielsweise wenn Wissenschaftlerin Robby (Rene Rousso) eine Ansteckung riskiert, indem sie einen möglichen Impfstoff (erfolgreich) an sich selbst testet und damit letztlich Millionen Menschen das Leben rettet. Aber die ganz große emotionale Geste bleibt aus und dann ist die Handlung auch schon wieder am nächsten Ort und bei der nächsten Figur.</p>
<p>Somit bleibt Raum für den eigentlichen Protagonisten des Films: das Virus. Sämtliche gesellschaftlichen Aspekte und Auswirkungen einer Epidemie werden abgehandelt: das Vorgehen der staatlichen und internationalen Institutionen und der Wissenschaft, die Rolle der Medien (und der Blogosphäre), die Reaktionen der Bevölkerung. Geprägt durch zahllose Katastrophenfilme wartet man auf die nächste Eskalationsstufe, die jetzt wirklich ganz große Katastrophe, den Zusammenbruch der Zivilisation. Aber der bleibt aus. Am Ende gesellt sich der erfolgreich bekämpfte Virenstamm im Gefrierschrank des Hochsicherheitslabors zu seinen Vorgängern SARS und N1H1. Der Film lässt den Zuschauer seltsam unberührt zurück. Ob man ihm das als Stärke oder Schwäche auslegt, muss jeder selbst entscheiden. Aber so ähnlich würde sie wohl tatsächlich ablaufen, die ganz normale Katastrophe.</p>
<p><em>„Contagion“ ist seit dem 20. Oktober 2011 im Kino zu sehen.</em></p>
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